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AUFTOUREN 2014 – Das Jahr in Tönen

In Ermangelung großer übergreifender Trends – falls es so etwas überhaupt gibt – war 2014 wohl das Jahr, in dem gleich mehreren alten Auftouren-Favoriten der Durchbruch gelang. Wer schon länger auf dieser Seite mitliest, konnte so über die letzten 6½ Jahre auch mitverfolgen, wie sich The War On Drugs und Future Islands von Geheimtipps unter Musikfans zu Festival- und TV-Attraktionen entwickelten.

Dass wir weiterhin selbst im internen Gespräch und Tipps-Zuschieben eine Menge feiner Musik entdecken, reflektiert auch die Liste unserer 50 Lieblingsalben, in der sich nicht nur alte Bekannte wie FKA twigs wiederfinden, die schon die letzten zwei Jahre in unseren EPs des Jahres ganz vorne mit dabei war. Die Macher unseres Albums des Jahres aber sind sicherlich nicht aus heiterem Himmel gefallen, doch ob sie in den nächsten Tagen nun auf einer oder einhundert anderen Bestenlisten auftauchen werden: Mit selten deutlichem Abstand thront auf Platz 1 eine Platte, die so viele von uns bewegt hat wie keine andere aus diesem Jahr.


50

clipping.

CLPPNG

[Sub Pop]

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Es geht um Sex und Macht. Die Beats des Noise-Rap-Trios aus L.A. sind oft nackte Aneinanderreihungen von akustischen Verrenkungen, Dekonstruktionen von Lärm oder zerklüfteten Widerhaken, die zu gleichen Anteilen aber mit einprägsam-melodischen Bässen oder Samples verflochten sind.  Die schonungslosen Störfeuer des letztjährigen Debüts „midcity” werden auf „CLPPNG” durch Vielseitigkeit abseits konventioneller Routen ersetzt, während weiterhin Erwartungen mit Ernsthaftigkeit unterlaufen werden.  Songs aus dem Inneren eines überlasteten Faxgerätes oder amoklaufenden Zaunarztbohrern gehören so der Vergangenheit an, auch wenn beispielsweise „Get Up” ein Alarm-Sample derart unverschämt breit grinsend drei Minuten durchfiepen lässt, bis die Grenze zur Ironisierung der eigenen künstlerischen Herangehensweise meilenweit überschritten ist. clipping. schaffen sich ihre eigenen Regeln – Anbiederung gehört ganz sicher nicht dazu. (Markus Wiludda)


49

Hundred Waters

The Moon Rang Like A Bell

[!K7]

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Zauber, Wunder, Traum: Man ringt bei der Beschreibung dieses anmutigen Albums um Worte, die nicht an die alltägliche Realität gebunden sind. Hundred Waters leben in einer nebeldurchhauchten Lichtwelt aus samtigen Grooves, Klavierspiralen und angelisch verflochtenen Stimmwogen, doch „The Moon Rang Like A Bell” ist alles andere als sorgenloses Friede, Freude, Eierkuchen. Aus den Texten – nicht vorgetragen, sondern verkörpert von Nicole Miglis‘ bis ins Angeschlagen-Brüchige wandelbarem Gesang – und den darum gespannten emotional tragfähigen Schattenmelodien sprechen zaghaftes Verlangen, Trauer, Sehnsüchte. Überaus irdische und menschliche Belange verwandeln Hundred Waters in kunstvollen Irreal-Pop. (Uli Eulenbruch)


48

Ja, Panik

LIBERTATIA

[Staatsakt]

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Nach dem in Inhalt und Umfang ausschweifenden, fast größenwahnsinnigen Meisterwerk „DMD KIU LIDT“ klingt der Nachfolger der Wahlberliner zunächst wie ein Rückschritt: 40 Minuten Wavepop mit Disco- und Soul-Elementen, überraschend poppig und gutgelaunt. Doch bei „Libertatia“ handelt es sich erneut um ein Konzeptalbum, das in Anlehnung an die vermutlich fiktive Piratenrepublik in Madagaskar der Welt eine erstrebenswerte Utopie entgegensetzt, und es geht der zum Trio geschrumpften Band immer noch um das Dagegensein. Allerdings ist der Protest nun weniger konkret und selbstzerstörerisch, sondern kryptisch, sexy und tanzbar. „ACAB“ steht da selbstverständlich für „All cats are beautiful“ und in der Disco schwingt man zu den Klängen der Europäischen Zentralbank seine Hüfte: „Dance The ECB“. (Daniel Welsch)


47

Have A Nice Life

The Unnatural World

[The Flenser]

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Auch mit „The Unnatural World“ ist Have A Nice Life der ganz große Sprung nach vorne verwehrt geblieben. Bei so einem unverdaulichen, zentnerschweren Brocken ist das eigentlich auch kein Wunder: Die dichte Produktion saugt sämtliche Lebenszeichen im Ansatz auf, bis schließlich alles entrückt und nicht mehr zu greifen ist. Sich strauchelnd so den Weg bahnend, reißt die Band ein ums andere Mal neue Abgründe auf. Post-Punk und Gothic prallen hier in vollem Tempo auf Shoegaze und Drone und erzeugen gleichsam einen Urknall, der die Tür zu einer Dystopie öffnet. Dieser Ansatz ist nicht neu, die kompromisslose Schonungslosigkeit im Vortrag war aber im abgelaufenen Jahr sicherlich eine Rarität. (Felix Lammert-Siepmann)


46

Future Islands

Singles

[4ad]

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Nicht nur steht die Wave-Stilistik von „Singles“ dem Baltimorer Synthpop-Trio fantastisch, Future Islands‘ Sound ist auch heller und popaffiner geworden.als auf den oft unterschätzten Vorgängerwerken. Während sich der Typ mit der markanten Stimme, Sänger Samuel T. Herring, bei Liveversionen der damaligen Durchbruchs-Single „Tin Man“ noch selbst schlug, schien er während der Performance von „Seasons (Waiting For You)“ bei David Letterman die Welt umarmen zu wollen. Nicht nur weil dieser Clip im Netz kräftig geklickt wurde, kam man 2014 an dieser Band nicht vorbei. Der Albumtitel spricht Bände: Hier war tatsächlich jeder Song potentieller Single-Anwärter. (Philipp Kressmann)


45

HITS

Hikikomori

[Beast]

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Das Schlagzeug marschiert ab wie eine Dampframme, die beiden Gitarren rocken stumpf drauflos, gniedeln mal hier mal da ein Solo, der Bass drückt und der Sänger trägt seine Texte, mit regelmäßigen Dopplern einer der Gitarristinnen, in einem Modus vor, der mit “deadpan” recht gut beschrieben ist. Totale Langeweile? Nee, genau das Gegenteil! HITS aus Brisbane haben kurz vor Jahresende die geilste Indie-Punk-Gitarrenplatte 2014 rausgehauen, spätestens nach dem zweiten Durchgang grölt man Textpassagen mit und an Stillsitzen ist sowieso nicht mehr zu denken. Ein Beweis mehr, dass man selbst in eigentlich ausgelutschten Genres noch einiges reißen kann, wenn die Attitüde stimmt.  (Mark-Oliver Schröder)


44

Damien Jurado

Brothers And Sisters Of The Eternal Son

[Secretly Canadian]

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„Space-Folk“ hieß es in unserer Rezension und genau genommen ist diese Bezeichnung ziemlich treffend: Damien Jurado hat dem psychedelischen Anstrich von „Maraqopa“ einen raumgreifenderen Rahmen gegönnt und somit einen idealen Nachfolger geschaffen. Inhaltlich äußert sich das in immer mal wieder augenzwinkernden, aber zumeist ziemlich melancholischen Stücken, die irgendwie immer eine Reise an die Grenzen des Ichs verdeutlichen. Die zehn Songs bieten deutlich mehr Einigkeit als der Vorgänger, was sich allein schon in den Titeln verdeutlicht, tragen doch fünf davon ein „Silver“ im Namen. Über allen augenscheinlichen Fluss hinaus bietet Jurado aber noch mehr an. So vagabundieren Stücke wie „Magic Number“ oder „Silver Donna“ erhaben durch Raum und Zeit, während „Silver Joy“ sich ausschließlich komplett im Innersten abspielt. Ein wahrhaft überwältigendes Vergnügen. (Carl Ackfeld)


43

Douglas Dare

Whelm

[Erased Tapes]

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Douglas Dare übt sich in perfektioniert zurückhaltender Schwermut. Auf eine charakteristische Weise vertont der Londoner seine Lyrik mit ruhiger, mal elegischer, mal drängender Musik. Dare lässt seinen Lieder Zeit, um sich zu entwickeln. Jeder Song auf „Whelm“ ist schon ganz für sich besonders und erzeugt im düsteren Grundton des Albums eine eigene Atmosphäre. Von Zeit zu Zeit verstummt die Musik, um seiner tiefschürfenden Stimme noch mehr Raum zu geben. So brennen sich Douglas Dares Geschichten ins Gehirn und lassen „Whelm“ zu einem der Höhepunkte des musikalischen Jahres werden. (Benedict Weskott)


42

RATKING

So It Goes

[XL]

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Die aktuelle New Yorker Rapszene ist nicht gerade arm an Talenten. RATKING haben ihren Altersgenossen von Pro Era oder The Underachievers jedoch voraus, dass sie auf ihrem Debütalbum „So It Goes“ einen Sound gefunden haben, der an die goldene Ära des Ostküsten-Raps anknüpft und dennoch eine Vorstellung gibt, wo die Reise hin gehen könnte. Selbst wenn die Instrumentals von Produzent Sporting Life in ihrer rustikalen Schlichtheit an Public Enemy oder den Wu-Tang Clan erinnern, machen rauschende Störgeräusche und Verzerrungen die zeitliche Distanz deutlich und erheben sie so gleichzeitig zu etwas Neuem. Und was den beiden MCs Wiki und Hak (noch) an Storytelling-Fähigkeiten fehlt, machen sie mit jugendlicher Aggression und Wut locker wett. (Daniel Welsch)


41

King Creosote

From Scotland With Love

[Domino]

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Es ist schon bemerkenswert, dass erst ein Film über die schottische Seele und dessen Soundtrack den viel veröffentlichenden Songwriter Kenny Andersen noch deutlicher ins Bewußtsein ruft. Die schon auf dem exzellenten Album „Diamond Mine“ gemeinsam mit Jon Hopkins begonnene Landschaftsvertonung führt auf „From Scotland With Love“ zu einer deutlich songorientierteren Ausführung und zeigt eindrucksvoll die Bandbreite des Musikers mit der außergewöhnlichen Stimmfarbe. Ob Abzählreim wie bei „Bluebell Cockleshell 123“, der Vaudeville-Ausflug „Largs“, die sanfte Hochlandballade „Cargill“ oder der emotionale Tränenausbruch „Pauper’s Dough“, King Creosotes Liebeserklärung an seine Heimat ist ein wahrhaftiger Ohrenschmaus, der auch ohne die sehr gelungene Bebilderung der Regisseurin Virginia Heath seine Wirkung entfaltet. (Carl Ackfeld)


40

Sevendeaths

Concreté Misery

[LuckyMe]

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Dass es sich beim Debüt des Edinburghers Steven Shade um kein ganz typisches Drone-Album handelt, lässt sich schon an dem Musiklabel erahnen, welches es Anfang 2014 veröffentlichte – nicht weil LuckyMe eine makellose Diskographie hätte, sondern weil es mehr für die Dance-Maximalismen von Rustie, Baauer oder TNGHT bekannt ist als für beatlose Instrumentals. Gerade weil Shades Musik in ihrer Intensität dahinter nicht zurückstehen muss, ist es mal ganz etwas anderes, auf „Concretè Misery“ eine gute halbe Stunde in seinem Kopf zu verbringen. Die sechs Stücke fließen ineinander in einer Art, die keine echte Pause von ihrem aufmerksamkeitsfordernden Magnetismus erlaubt, aber auch schnell die Verschiedenheit seiner Ansätze illustriert. Mit apokalyptischer Tonführung, unausweichlichem Bassvolumen und shoegazigen Bitfluten inszeniert Shaw eine Synthsinfonie elementarer Imposanz voll Beklemmung und Verwirrung. (Uli Eulenbruch)


39

Restorations

LP3

[Side One Dummy]

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Mit der nüchternen Betitelung ihrer Alben waren Restorations einem Trend dieses Jahres schon gehörig ihrer Zeit voraus: Allein schon unter den hörenswerten Veröffentlichungen gab es Massen namens „LP1“ und „EP1“ oder „EP2“, doch nur eine „LP3“. Da ist es zu wünschen, dass auch anderen Bands die Annäherung vom Jawbreaker-ig aufgerauten, emotionalen Posthardcore zu Blue-Collar-Rock à la Springsteen und Constantines so erhaben und kraftvoll gelingt wie dem Quintett aus Philadelphia. Noch monumentaler als andere Bands aus jener Stadt, die momentan zur neuen Indierock-Hochburg erwächst, zelebrieren Restorations geradezu die Wucht und kathartische Breite des Sechssaiters im feingliedrigen Spiel ihres Gitarristentrios. Blechbläser und Keyboard runden nur die Weite und Komplexität ihrer Arrangements ab, die von Jon Loudons Kratzstimme in einen hochmelodisch mitreißenden Rundumschlag nach dem anderen geworfen werden. (Uli Eulenbruch)


38

How To Dress Well

„What Is This Heart?“

[Domino]

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Auf seinen vergangenen beiden Alben inszenierte sch Tom Krell unter seinem Moniker How To Dress Well als verrauschtes, düsteres Pop-Mysterium, das seine Liebe zu Spät-Neunziger R’n’B hinter einem intellektualisierenden Schleier aus Lo-Fi, Noise und Ambient verbarg. Auf „What Is This Heart?“ lüftet sich nun der Schleier und in Krells nihilistische Soundgebilde kehrt erstmals so etwas wie Hoffnung ein. Die Handreichung in Richtung klassischer Songstrukturen und Mainstream-R’n’B macht sich bezahlt, denn auch wenn die ganz großen Melodien hier noch auf sich warten lassen, hat man an jeder Stelle das Gefühl, Zeuge einer beeindruckenden Evolution zu sein. (Bastian Heider)


37

Caribou

Our Love

[City Slang]

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Nach dem Techno-Ausflug mit seinem Zweitvehikel Daphni machte sich Mathe-Crack Dan Snaith dieses Jahr wieder an eine neue Caribou-Platte, die, man muss das so klar sagen, nichts anderes als ein weiteres Meisterwerk geworden ist. Manche beklagen, dass Snaith auch mit Caribou immer technoider würde und irgendwie stimmt das ja auch, aber einen Malus kann man darin nun wirklich nicht erkennen. Die Zeiten verhuschter Folktronica wie dereinst auf „Andorra“ sind nun mal gezählt, „Our Love“ hat dafür die cleversten Ohrwürmer, die man sich im vergangenen Kalenderjahr einfangen konnte. Egal ob der Titelsong oder der fantastische Eröffnungssong „Can’t Do Without You“, Snaith fährt große Geschütze auf und versieht seine Songs mit Melodien für Millionen. To cut a long story short: Außen Top-Hits, innen Geschmack. (Kevin Holtmann)


36

S

Cool Choices

[Hardly Art]

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Wie gut, dass man topinformierte Kollegen hat: Ohne einen solchen hätte man womöglich nie von „Cool Choices“ von S erfahren. Es ist ein Album, das man 2014 wirklich gebraucht hat, ohne es zu wissen – aber das merkt man erst bei den ersten Takten von „Like Gangbusters!“ oder der wunderbaren Single „Vampires“. Oder beim entspannten Pop von „Tell Me“. Oder bei den melancholischen Pianoklängen von „Remember Love“, dem eingängigen Indie-Rock von „Brunch“, der niederschmetternden Traurigkeit von „Losers“. Oder beim sphärischen Abschluss von „Let The Light In“. Oder bei den anderen fünf Stücken. Danke, Kollege Holtmann. Diese Empfehlung war bitter nötig. (Jennifer Depner)


35

Javiera Mena

Otra Era

[Unión Del Sur]

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„Queer-utopischer chilenischer Synthpop“ – bei der Umschreibung, mit der uns Kollege Uli „Otra Era“ nahelegte, herrscht natürlich erstmal großer Exotismus-Alarm. In Wirklichkeit klingt das dritte Album der südamerikanischen Indie-Queen allerdings so balearisch Eurodance-infiziert wie kaum ein zweites in diesem Jahr. Blumige und sonnengeflutete Beats bilden hier die Kulisse für Menas außerordentlich charismatische Stimme. So eine schonungslose, unironische Bekenntnis zur großen und gänzlich gitarrenbefreiten Popgeste kennt man aus indieaffinen Kreisen höchstens noch von Saint Etienne – oder um in den Worten des Kollegen zu bleiben: „in etwa die beste hispanophone Kylie Minogue/Pet Shop Boys-Kollaboration, die es nie gab“. (Bastian Heider)


34

Ex Hex

Rips

[Merge]

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Seit zwanzig Jahren versorgt Mary Timony die Welt mit feinstem Indie-Rock, den auch immer eine gewisse Sperrigkeit auszeichnete. Hier hat sie nun mit ihrer neuen Band den Hebel angelegt und ihren Sound etwas entrümpelt. Doch keine Angst, auch „Rips“ ist von Kaugummi und großer Bühne meilenweit entfernt, auch wenn es hier und da eine erstaunliche ästhetische Nähe zum klassischen Rock der 70er- und frühen 80er Jahre aufweist. Dabei aber nostalgisch zu klingen, kommt für Ex Hex nicht in Frage. Dafür ist alleine schon der neue Anstrich zu erfrischend und das hörbare Selbstverständnis, Musik unabhängig von Zeit und Ambitionen machen zu wollen, zu dominierend.
(Felix Lammert-Siepmann)


33

A Sunny Day In Glasgow

Sea When Absent

[Lefse]

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Von einem Sommeralbum zu sprechen, wäre beim gewohnt verzerrten Sound von A Sunny Day In Glasgow dann vielleicht etwas übertrieben. Doch nicht nur die Titel „Bye Bye, Big Ocean (The End)“ und „Golden Waves” der Anfangs- und Schlussstücke tragen warme Konnotationen. Neben der klanglichen Unverwechselbarkeit, die sich die Band in gerade einmal sieben Jahren erarbeitet hat, strotzt „Sea When Absent“ nur so vor Energie. Die feinen Pop-Strukturen, die sich unter fast jedem Song verstecken, werden standesgemäß von mächtigen Teppichen überlagert. Diese gehen hier aber vielfach ins Euphorische über und überschlagen sich geradezu vor Freude. (Felix Lammert-Siepmann)


32

The Notwist

Close To The Glass

[City Slang]

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Es war eindeutig die „Best of both worlds“-Scheibe der Konsensband um Markus Archer und Co.: „Close To The Glass“ versammelt melodisch glasklare Indiepop-Songs (beispielsweise das fast schon hittige „Kong“), präsentiert aber auch die experimentelle Seite der Chaos-Computer-Club-Band, die insgesamt ein wenig Überhand gewinnt. Verspielt, verknotet, nerdig, dezentral und für eine Überraschung nie zu schade. Das gipfelt in einer fast zehnminütigen Synthie-Irrfahrt (vermutlich aus der Feder von Console), auf die prompt im Anschluss auch schlichte Akustik-Nummern („Casino“) folgen können. Selten vernimmt man eine Band, bei der scheinbar jeder macht, was er will, aber zum Schluss doch alles minutiös ineinander passt. Ein erneut großer Wurf, auch wenn man von „Close To The Glass“ keine „One With The Freaks“-Singleklassiker erwarten darf. (Philipp Kressmann)


31

alt-J

This Is All Yours

[Infectious]

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Für alt-J war es ein wahnsinniges Jahr. Nach der Prämierung ihres Erstlings „An Awesome Wave“ mit dem Barclaycard Mercury Prize und vor dem Erscheinen ihres zweiten Albums waren sie für viele noch eine überdurchschnittlich bekannte Indieband. Dann stand „This Is All Yours“ plötzlich in den Top 10 der deutschen Charts und die Konzertlocations platzten aus allen Nähten. Und das natürlich vollkommen zurecht! Auch 2014 klingen alt-J so experimentierfreudig und unkonventionell wie kaum eine andere britische Indieband. Wieder ist der Gesang an vielen Stellen eher Instrument, wieder brechen sie ihre Songs regelmäßig durch Soundversatzstücke (wie zum Beispiel ein Miley-Cyrus-Sample) auf, wieder schlängelt sich die Band quer durch die Genrelandschaft und wieder gibt Joe Newmans unverkennbare Stimme den Liedern den letzten Schliff. Allerdings sind alt-J ruhiger geworden, sie lassen sich mehr Zeit und drehen weniger auf. Auch das können sie, denn alt-J wissen einfach, wie es geht. (Benedict Weskott)


Cymbals Eat Guitars

LOSE

[Tough Love]

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Vom ersten Hören an fühlt sich das dritte Album von Cymbals Eat Guitars wie eines jener persönlichen Indie-Rock-Juwelen an, mit denen man sich mehr beschäftigen möchte. Umso bestechender ist es, wenn klar wird, wie die Musik die Erfahrungen von Joseph D’Agostino widerspiegelt und intensiviert, die er mit leicht nasalem Gesang bis in die Falsettwolken von „Jackson“ trägt. „LOSE“ verarbeitet den Tod eines Jugendfreundes und wie D’Agostino daran erst zerbricht, dann reift, springt dabei punkig-roh in Teenager-Jahre („XR“), synthig gemildert in die Mittzwanziger („Chambers“) und piano-streicher-akzentuiert dazwischen mit dem Modest-Mouse-igen „Child Bride“. Jene kürzeren Songs stehen in Intensität den vier Mehr-als-sechs-Minütern nicht nach, doch eben „Laramie“ und „Jackson“ sind so herrlich weit angelegte Gitarrenwand-Herzensstiche, wie sie dieses Jahr keiner anderen Band gelangen. (Uli Eulenbruch)


Wanda

Amore

[Problembär]

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Es war einer der letzten großen Hypes des Jahres. Die Wiener Band Wanda wurde in den vergangenen Wochen einhellig gelobt, die Kritik und das Feuilleton sind entzückt, die Fans nicht minder, schließlich sind viele Konzerte ausverkauft. Erklärt sich aber doch auch von selbst: Das Debüt ist eine Platte voller Hits und schlauer Slogans, die man wahlweise durch die Nacht brüllen oder sich auf die Unterlippe tätowieren möchte. „Weil Du weiße Zähne hast, obwohl Du ständig rauchst, ist der Thomas in Dich verliebt und ich auch.“ Einmal angefixt, kommt man auch vom knackigen Sound kaum mehr los. Die Gitarren erinnern an den kaputten Junkie-Rock von The Libertines, Frontmann Marco Michael Wanda palavert in seinem charmanten Wiener Schmäh über Schnaps, Liebeskummer und seine Cousine, mit der er leider nicht schlafen, reden, leben und tanzen kann, weil die beiden sich nicht trauen. Insgesamt: leiwand! (Kevin Holtmann)


Freddie Gibbs & Madlib

Piñata

[Madlib Invazion]

Rezension

Wäre dem Duo aus Sampledreher Madlib und Wortfeuerzeug Gibbs ein Filmregisseur beizuordnen, so böte sich wohl am ehesten Neo-Noirist Michael Mann an: „Piñata“ ist stimmungsvoll im Nachtlicht gehalten, voll cinematisch-stylischem Flair und doch erzählerisch höchst effizient und tiefgängig. Gibbs zieht aus persönlicher Erfahrung auf den Straßen, ohne darin übermäßig zu schwelgen und bloß sich selbst an die große Glocke zu hängen, tritt aber auch nicht gerade bescheiden auf. Vielmehr ergießt sich sein Flow in „High“ energisiert mit Danny Brown doppelt so schnell, wie es die Beattaktung vorschlägt, während er über dem Soul-Funk von „Broken“ wehmütig zurückblickt. Wer Run The Jewels auf Dauer zu einseitig aggro empfand, fand 2014 sein Rap-Traumduo an der Westküste. (Uli Eulenbruch)


Swans

To Be Kind

[Mute]

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Michael Gira hatte sein Geheimrezept für das neue Jahrtausend spätestens mit „The Seer“ gefunden. So ist es auch kein Wunder, dass sich für „To Be Kind“ auf den ersten Blick gar nicht so viel verändert hat. Mantrahafte Wiederholungen auch über Songgrenzen hinaus, bebende Soundwände und und kaum gezügelter Lärm bilden abermals die Säulen. Dennoch verfängt das Album wieder ähnlich wie sein Vorgänger – erstens, weil man sich Giras fatalistischen Aura kaum entziehen kann und zweitens, weil es eben doch mehr ist als eine einfache Version 2.0. Die knallenden Überraschungsmomente sind zugunsten langsamer, folkigen Passager etwas zurückgedrängt worden. Ruhe bedeutet dies freilich nicht, denn der Monolith Swans gibt in seiner Undurchdringlichkeit nach wie vor keinen Zentimeter Platz frei. (Felix Lammert-Siepmann)


Woods Of Desolation

As The Stars

[Northern Silence]

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Als letztes Jahr Deafheaven unsere und diverse andere Charts stürmten, hätte man erwarten können, dass ihnen ein Heer von Epigonen auf den Fuß folgen würde. Geschehen ist allerdings nichts dergleichen und auch der große Schritt Richtung breiterer Aufmerksamkeit für (Post-)Black Metal blieb aus. Dabei war 2014 alles andere als ein schlechtes Jahr für Metal und unsere Jahrescharts spiegeln das nur bedingt wieder. Nichtsdestotrotz hat es „As The Stars“ der Australier Woods Of Desolation – oder besser des Australiers, denn streng genommen hat die Band nur ein konstantes Mitglied – verdientermaßen geschafft, in unserer heterogenen Redaktion über die Grenzen hinweg geliebt zu werden. Und der Grund scheint mir eindeutig, denn, um es blasphemisch zu sagen, mehr „Indie“ konnte man dieses Jahr im Black Metal nicht finden. Ein über seine gesamte Laufzeit schlicht großartiges Album. (Mark-Oliver Schröder)


Angel Olsen

Burn Your Fire For No Witness

[Jagjaguwar]

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„Just when you thought you would turn all your lights out it shines/ Some days all you need is one good thought strong in your mind.“ Angel Olsen kann es eben immer noch. Gut, sie ist auf ihrem zweiten Album „Burn Your Fire For No Witness“ tatsächlich nicht mehr so folkig wie in der Vergangenheit. Die Attribute einer Kratzbürste, die ihr dank ungestümer Nummern wie „Forgiven/Forgotten“ oder „High & Wild“ anhaften, sind aber nur ein Teil des Puzzles. Dass auch sie nicht frei von Wehmut und Trauer ist, beweist der Blues von „Dance Slow Decades“ nur allzu gut und zu „White Fire“ möchte man mit ihr gemeinsam auf dem Boden liegen und eine Runde mitschluchzen. Aber auch das ist nur eine Facette Olsens – und es bleibt spannend zu sehen, welche anderen sie in der Zukunft noch offenbart. (Jennifer Depner)


The Peep Tempel

Tales

[Wing Sing]

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Angefangen beim beeindruckenden Plattencover, mit dem The Peep Tempel aus Melbourne sowas wie ihr eigenes Game Of Thrones inszenieren, über das herrlich absurde Glimmstängel-Pudel-Video in „Big Fish“ bis hin zu jedem einzelnen exzellenten Song auf ihrem zweiten Album „Tales“ – diese Band könnte eine Lücke schließen, die mclusky trotz Future Of The Left hinterlassen haben. Und das nicht unbedingt musikalisch, denn bis auf „Vicki The Butcher“ deutet erstmal nicht viel in diese Richtung. Nein, es ist vielmehr dieser Wahnwitz, diese selige Unberechenbarkeit, mit der The Peep Tempel offensichtliche Punkhymnen wie „Carol“ gegen Ende kreischen lassen, mit der sie beim albumeröffnenden „Whooooo!“ in „Gettin‘ On By“ wahlweise zur Abrissfeier oder doch eher zum Blair Witch Project einladen. Wer auf Nummer sicher gehen will, ist hier falsch. Wer das Punkrockalbum des Jahres haben will, nicht. (Pascal Weiß)


Aphex Twin

Syro

[Warp]

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Nein, „Syro“ erfindet die elektronische Musik nicht neu und Richard D. James alias Aphex Twin würde das wohl auch nie behaupten. Im Gegenteil, er gibt auch noch freimütig zu, die versammelten Tracks seien über einen Zeitraum von sieben Jahren entstanden – eigentlich ein Affront in diesem selbst im Retrobereich nach vorn strebenden Musiksegment. Warum können sich dennoch so viele Leute darauf einigen? Man könnte es mit Gertrude Stein sagen: „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ und Aphex Twin ist Aphex Twin ist Aphex Twin. James ist noch nie irgendwelchen Trends hinterhergehechelt und er versucht es auch auf „Syro“ nicht. Dafür liefert er Tracks, wie irgendwie nur er sie kreieren kann. Nichts Weltbewegendes, aber so „neu“ vertraut, dass man sich mehr als freut, „Neues“ von ihm zu hören. (Mark-Oliver Schröder)


Owen Pallett

In Conflict

[Domino]

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Der 35-jährige Multiintrumentalist hat längst bewiesen, dass er mehr ist als Final Fantasy, mehr als x-beliebiger Arcade-Fire-Spezi, mehr als ein Oscar-Nominierter, mehr als gewitzter Analyst gegenwärtiger Pop-Hits. Pallett ist ein Phänomen, dem auf seinem vierten Album einmal mehr der Spagat zwischen nüchterner, fast künstlicher Ästhetik und wohliger Wärme gelingt. Die Zukunft trifft auf das Jetzt, im Titeltrack treffen die Synthies der 80er- auf den Pop der 00er-Jahre, in „The Secret Seven“ trifft alltagstaugliche Romantik auf das pompöse Spiel des Czech FILMharmonic Orchestras, in „The Sky Behind The Flag“ trifft anfängliche Reserviertheit auf aufprallende Wucht. Herz trifft auf Schmerz in „I am not afraid“ – und Owen Pallett trifft uns alle, 13 Mal, immer wieder, immer tiefer. Und immer besser. (Jennifer Depner)


Mac DeMarco

Salad Days

[Captured Tracks]

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Für alle Leute, bei denen sich die Pizza-Kartons stapeln, die Aschenbecher überlaufen und die Pfandflaschen eine kleine Armada auf dem Küchenboden bilden, für alle jene Slacker also, die lässig durchs Leben stiefeln, kann es dieses Jahr nur ein Album gegeben haben: „Salad Days“ von Mac DeMarco. Der sympathische Kanadier wurstelte sich auf seiner dritten Platte durch allerhand Alltäglichkeiten. Seine Geschichten handeln natürlich vor allem von den Girls, mit denen er hadert, die er anbetet, loswerden will und dann doch wieder vermisst. Dabei jongliert DeMarco mit lockerflockigen Melodien, die wirken, als habe er sich diese locker aus dem Ärmel geschüttelt. Die elf Stücke erinnern an entspannte Sommerabende an Flussufern, der Geruch von Grillgut und Gin Tonic liegt in der Luft. Braucht man wirklich mehr? Nope. (Kevin Holtmann)


Human Abfall

Tanztee Von Unten

[Sounds Of Subterrania]

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Eine der Überraschungen, wenn nicht sogar die Überraschung des Jahres kam aus Stuttgart. Human Abfall haben mich völlig kalt erwischt und dann, wie Banque Allemande, nicht mehr losgelassen. „Tanztee Von Unten“ vereint aufs vortrefflichste angesauerten Punk-Noise-Rock mit vordergründig absurden (post-)dadaistischen Texten, die bei näherer Betrachtung viel über das Ticken unserer Republik aussagen. (Mark-Oliver Schröder)


FKA twigs

LP1

[Young Turks / XL]

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2014 war das Jahr, in dem Tahliah Barnett ins Scheinwerferlicht trat. Was vorher auf ihren EPs und in Videoclips nur angedeutet war, wurde bei ihren Liveauftritten in elegantem Körperfluss tanzlich und auf ihrem Debütalbum in ätherischem Trip-Hop musikalisch voll ausgeformt. Doch ein „Two Weeks“, das einen ganzen Konzertsaal sofort in bewegte Ekstase versetzen kann, bleibt vorerst die Ausnahme. FKA twigs bevorzugt noch die Aussparung, die Andeutung, so dass sich genauso viel zwischen jedem Wort abspielt wie darin. „LP1“ zeigt ihre sinnliche und stimmige Klangvision aus gebogenen Kehllauten, knistrig resonanten Beats und weichgekneteten Industrial-Splittern im besten Halblicht. (Uli Eulenbruch)


Spoon

They Want My Soul

[Anti-]

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Das raue „Transference“ vor vier Jahren war Spoons Gegenstück zu ihrem Pop-Meisterwerk „Ga Ga Ga Ga Ga“, der logische nächste Schritt und zugleich eine Abwanderung von ihrer sonnigen Phase Mitte der 00er-Jahre. Nach vierjähriger Albumpause, die Sänger Britt Daniel unter anderem für weitere Projekte wie Divine Fits (gemeinsam mit Dan Boeckner von Wolf Parade) nutzte, wählte die Band aus Texas im Juli einen günstigen Zeitpunkt, um sich mit „Do You“ zurückzumelden – einem der Sommerhits des Jahres. Insgesamt ist die Produktion auf „They Want My Soul“ wieder deutlich wärmer und griffiger, dabei reihen sich Highlights wie „New York Kiss“, „Rent I Pay“ oder „Outlier“ in beeindruckender Hitdichte aneinander. Und das, obwohl die Band laut eigenen Aussagen versucht, von nun an jedes Instrument wie ein Schlagzeug zu spielen. Insbesondere „Inside Out“ merkt man dies jedoch nicht unbedingt an – hier könnte auch Dr. Dre Pate stehen.   (Pascal Weiß)


Protomartyr

Under Color Of Official Right

[Hardly Art]

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„Scum, Rise!“ reißt einen beim ersten Hören aus den Sitzen. Der quengelige, dunkel schimmernde Post-Punk der Jungs aus Detroit um Sänger Joe Casey überzeugt vor allem durch seine Lust am Ungestümen. Die häufig garagigen Songs sind laut, wüst und doch voller wütender Spielfreude. Referenzen wie The Fall oder Pere Ubu fallen und so sichern sich Protomartyr einen ungemütlichen Platz zwischen den Iceages und Oughts dieser Welt. Wenn Casey durch das ruppige „Tarpeian Rock“ rumspringt oder wenn die bösartigen Gitarren in „Want Remover“ die Decke einreißen, aber eben auch wenn sie sich am Schluss fast artig mit „I’ll Take That Applause“ verabschieden wähnt man sich in den verlassenen Hinterhöfen der Metropolen und darf sich glücklich schätzen, nicht der Kreatur auf dem großartigen Albumcover zum Opfer zu fallen. (Carl Ackfeld)


Sharon Van Etten

Are We There

[Jagjaguwar]

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Ein Samstagmorgen im Juni 2014, halb 6 Uhr auf der Autobahn. Die Sonne geht langsam am Horizont auf. „Afraid Of Nothing“, die Eröffnungsnummer von Sharon Van Ettens „Are We There“, ist die perfekte musikalische Untermalung für jenen Moment, an den man sich noch ein halbes Jahr später erinnern wird. Von einem ähnlichen Kaliber sind auch das hochdramatische „Your Love Is Killing Me“ oder die endgültige Kapitulation in „I Know“. Van Etten macht Musik für den Augenblick, und manchmal wünscht man sich trotz allem Kummer, trotz aller Traurigkeit, er möge niemals aufhören. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Das Lachen am Ende von „Every Time The Sun Comes Up“ ist der Beweis dafür. (Jennifer Depner)


Ty Segall

Manipulator

[Drag City]

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„Manipulator“ ist eine verdammt runde Angelegenheit. Während sich Ty Segall auf seinen vorherigen Alben oft an einem Stil abarbeitete, versucht er hier, alles irgendwie unter einen Hut zu bringen – mit durchschlagendem Erfolg. Leichtfüßig wechselt er zwischen aufbrausendem Psychedelic Rock, Glam und Garage. Trotz des Best-Of-Anspruchs kommt nie der Verdacht auf, es könne sich um eine Compilation handeln. Dazu sind die Songs zu dicht gestrickt, sich gegenseitig zu sehr befruchtend und nicht zuletzt in ihrer Gesamtheit einfach bestechend. Ty Segall weiß in „Manipulator“ mehr denn je durch pointiertes Songwriting mit all seinen Facetten zu überzeugen. Dass er im Veröffentlichungsrhythmus einen Gang zurückgeschaltet und 2014 nur ein Studioalbum veröffentlicht hat, kommt dem Werk auf dieser Ebene hörbar zugute. (Felix Lammert-Siepmann)

La Dispute

Rooms Of The House

[Big Scary Monsters]

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Vorab war klar, dass La Dispute die ungestüme Intensität des Vorgängers „Wildlife“ kaum steigern könnten. Stattdessen weicht das Quintett aus Michigan auf „Rooms Of The House“ von seinem Erfolgsrezept ab und findet neue Ausdrucksmöglichkeiten. Jordan Dreyers Texte sind schlanker und kompakter, ohne an Wucht zu verlieren, und behandeln nicht mehr die ganz großen Dramen, sondern das alltägliche Scheitern und die kleinen bis mittelschweren zwischenmenschlichen Krisen. Auch musikalisch entfernen sich La Dispute ein wenig von der genretypischen Aggressivität, setzen die emotionalen Ausbrüche dosierter und dafür wirkungsvoller ein. Willkommen im Post-Post-Hardcore. (Daniel Welsch)


St. Vincent

St. Vincent

[Caroline]

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„Am I the only one?“ fragt Annie Clark auf „Rattlesnake“. Ja, ja, immer wieder ja. Die 32-jährige ist mit „St. Vincent“ endlich oben angekommen, vorbei ist die Selbstfindungsphase. Sperrig wird es trotzdem ab und zu, etwa im laut aufstampfenden „Birth In Reverse“ oder im durchgequirlten Düsterpop von „Bring Me Your Loves“. Reizvoll startet „Huey Newton“, bis Clark die aufgeladene Stimmung kratzbürstig zerstört und jede flauschige Schlafzimmerwand lustvoll einreißt. Immer noch nicht genug? Dann versucht mal, zum pompösen Funk von „Digital Witness“ die Füße still zu halten. You’re the only one, Annie. (Jennifer Depner)


The Antlers

Familiars

[Transgressive]

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Wandelten die beiden Vorgänger zwischen emotionalen Schlägen in die Magengrube und aufbauendem Schulterklopfen, gibt sich das dritte Album von The Antlers etwas sensibler und eleganter: Die Songs auf „Familiars“ wirken fragil, ihre Wucht kommt oft eher unvermittelt: So baut sich die Single „Palace“ langsam auf und gipfelt gegen Ende in einer atemberaubenden Explosion, so groovt sich „Intruders“ verführerisch-zart durch seine Existenzängste. Mit Bläsern und Streichern geht es hier nach ganz oben, wo man in den Wolken noch ein wenig Hoffnung in „Surrender“ findet – und mit „Refuge“ den Weg nach Hause: „See, you’re already home when you don’t know where to find it.“ (Jennifer Depner)


Ben Frost

A U R O R A

[Mute]

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Wenn der ausgewiesene Folker innerhalb der Redaktion einem nahezu rein elektronischen Album sagenhafte 90% attestiert, gerät entweder die Welt aus den Fugen oder Ben Frost hat mit seinem „A U R O R A“ betitelten Werk einen echten Meilenstein geschaffen. Seine Klangmonolithen atmen den Geist der nächtlichen Stadt und jagen den Bewusstseinsstrom vor allem über Kopfhörer in nie erahnte Partien der eigenen Befindlichkeit. In „Nolan“ erhebt sich ein ironischer Kirmestechnobeat aus den tonalen Stahlkathedralen, „ A Single Point Of Blinding Lights“ ergießt sich nach atemberaubenden vierzig Minuten wie die namensgebende Morgenröte in die Dunkelheit – liest sich zwar seltsam, fühlt sich aber sensationell an. Denn man darf „A U R O R A“ nicht nur hören, man muss es fühlen. (Carl Ackfeld)


Total Control

Typical System

[Iron Lung]

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Wenn man so will, hält Mikey Young die von uns so sehr geschätzte australische Untergrundszene ganz alleine zusammen: Egal ob als Gitarrist von solch wundersamen Bands wie Eddy Current Suppression Ring oder Ooga Boogas, als Produzent und Mixer von Großtaten wie „Royal Headache“ oder „Ready For Boredom“ – dieser Mann hat überall seine Finger im Spiel. Und natürlich ist er auch Teil von Total Control. Deren Zweitwerk „Typical System“ ist direkt auf Ballhöhe mit dem Über-Debüt „Henge Beat“ und steuert zwischen wahren Synthpop-Singles wie „Flesh War“, Garage-Wutausbrüchen („Systematic Fuck“) oder LCD-Postpunk-Wave („Glass“) auf ein dunkles Zentrum (die Krähe auf dem Cover?) zu, dem Sänger Daniel Stewart über 40 Minuten einen unerbittlichen Kampf liefert. (Pascal Weiß)


Run The Jewels

Run The Jewels 2

[Mass Appeal]

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Zum Einstieg die Auflösung einer Runde des beliebten Fernsehquiz „Jeopardy!“: „Run The Jewels is the answer, your question is: ‚What’s popping?‘ “ Der Überraschungseffekt des gemeinsamen Debütalbums ist verflogen, dennoch sorgt das Rapduo dafür, dass es gehört wird. El-Ps Instrumentals knallen noch lauter und knarzen noch böser, die Punchline-Salven der beiden MCs treffen zielsicherer ins Schwarze und auch der Supporting Cast kann sich sehen lassen: Zack De La Rocha von Rage Against The Machine, der kürzlich verstorbene Ikey Owens (The Mars Volta) oder Gangsta Boo (Three 6 Mafia). In diesem Kontext kommt sogar Travis Barkers Geknüppel gut klingend daher. (Daniel Welsch)


Parquet Courts

Sunbathing Animal

[Rough Trade]

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Cooler als Schnee sind Parquet Courts, das Quartett rund um Sänger Andrew Savage. Viel weiß man nicht über die New Yorker, ihr beachtlicher Ausstoß in den letzten Jahren zeugt zumindest nicht von Faulheit. „Sunbathing Animal“ ist der vorläufige Höhepunkt ihres Schaffens: Zu schrammeligen Garage-Rock-Perlen wie dem Titeltrack oder dem rhythmischen „Always Back In Town“ gesellen sich auf dem Zweitling auch beinahe schwermütige Stücke – „She’s Rolling“ etwa ist ein ganz schöner Brocken. Obendrauf zollen Savage & Co. den alten Helden The Velvet Underground Tribut, wenn „Raw Milk“ ganz tief in die Seele des Hörers zu blicken scheint. Cooler als Schnee eben. (Jennifer Depner)


Sun Kil Moon

Benji

[Caldo Verde]

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Natürlich verarbeitet Mark Kozelek in „Benji“ in erster Linie seine persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen: über den verstorbenen Onkel, der durch ein Feuer ums Leben kam, über seine Gedanken zum Amoklauf von Newton oder Freundschaft zu Ben Gibbard und über etliche weitere wegweisende Ereignisse aus seinem Leben. Während diese Stücken weithin einen Einblick in seine Seele ableiten und als Einzelgeschichten einen durchaus betroffen zurücklassen können, treffen die beiden Songs über seine Eltern („I Can’t Live Without My Mother’s Love“ und „I Love My Dad“) bis ins Mark. Jedes Wort hier scheint eine allgemeingültige Wahrheit zu sein, die Einfachheit, mit der Kozelek die Bedeutung der Eltern darlegt, ist fast unheimlich. Trotz des bedrückenden Stoffs gibt er sich zu keinem Zeitpunkt wehleidig oder niedergeschlagen, eher versöhnlich, aufmunternd und im besten Sinne des Wortes abgeklärt. Dazu passt auch, dass „Benji“ in den Grenzen der Thematik musikalisch relativ breit gefächert ist. Neben dem zu erwartenden akustisch-folkigen Gerüst sorgen immer wieder Uptempo-Nummern sowie eigenwillige Drums und Gitarren für das passende Gegengewicht. (Felix Lammert-Siepmann)


The Hotelier

Home, Like Noplace Is There

[Tiny Engines]

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Man kann über 2014 mit Sicherheit sagen, dass es das Jahr war, in dem sich Emo wieder aus der No-Go-Ecke mit voller Wucht wieder ins Bewußtsein der Musikliebhaber katapultierte. Einige tolle bis großartige Alben (zum Beispiel von Dads und SPORT) sind erschienen, aber kein Album brachte den neuen Aufbruch schon früh im Jahr besser auf den Punkt als „Home Like Noplace Is There“ von The Hotelier. Schon der erste Song, der programmatisch auch noch mit „An Introduction To The Album“ betitelt war, machte unmissverständlich klar wohin es gehen sollte: in Abgründe und Unzulänglichkeiten des Lebens. Dass aus diesem Setting weder eine Heulsusen- noch eine Misanthropenabfahrt geworden ist, ist an sich schon bewundernswert. Dass es der Band zudem auch noch gelingt, sich musikalisch nicht einen Ausrutscher, nicht eine Unachtsamkeit zu erlauben, katapultiert sie völlig verdient in unsere Top 10. (Mark-Oliver Schröder)


Jenny Hval & Susanna

Meshes Of Voice

[SusannaSonata]

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„Meshes Of Voice“ transzendiert das binäre Denken. Wo immer man den Entweder/Oder-Hebel ansetzt, stößt einen das Werk der Norwegerinnen vor den Kopf – oder pflügt einmal mit dem Presslufthammer mittendurch. Schon alleine das Ausdifferenzieren der höchst unterschiedlichen Stimmen, die titelgebend zum Gerüst und lyrischen Ausdruck der Stücke verwoben sind, wird dadurch verkompliziert, dass in ihre kehligen und nasalen Timbres auch die Vocals von Anita Kaasbøll einstimmen. Auch Jo Berger Myhres Bass wird zur Stimme, auch die Stimmen werden zu dronigen Bässen, Identitäten und Perspektiven werden gebogen und transformiert. Die surreal-impressionistische Klangerzählung über Göttlichkeit und Femininität ist song- und momentweise konkret und abstrakt, schön und schaurig, sanft und brutal, harmonisch und dissonant, Melodie und Lärm. Mit jedem Hören wirkt das weniger wie ein chaotisches Kräfteringen und mehr wie die stimmig facettierte Ganzheit, die drei Stimmen und die Noisestreuungen Hvals und Kaasbølls konvergieren immer wieder, fast schon universell und auch zutiefst persönlich. Kein Wunder, dass eine Liveaufnahme von 2009 auch fünf Jahre später noch so immense Wirkung besitzt: Dies ist zeitlos großartige Musik. (Uli Eulenbruch)


Ought

More Than Any Other Day

[Constellation]

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Der Albumtitel könnte kaum besser gewählt sein. Mit ihrem Debütalbum ergriffen Ought die Gunst der Stunde und spielten sich ebenso unbekümmert wie selbstverständlich in unsere Herzen. Die Mischung aus Can, Talking Heads und Sonic Youth mag anfangs etwas krude erscheinen, doch „More Than Any Other Day“ gewinnt den Hörer im Handumdrehen. Neben den erwärmend knisternden DIY-Tüpfelchen überzeugen die Kanadier vor allem mit tiefen und brillanten Songstrukturen, die trotz Längen jenseits der Fünf-Minuten-Marke und einigen herrlichen Umwegen zu jeder Zeit einen kompakten Eindruck zurücklassen. Sich Post-Punk in all seinen Schattierungen anzunehmen, ist keine Erfindung Oughts und war in diesem Jahr auch nicht der große Trend. Doch zusammen mit Iceage hat die Band 2014 dieses Feld geprägt wie niemand anders. Dass am Ende dabei zwei überragende Alben stehen, ist sicherlich kein Zufall. (Felix Lammert-Siepmann)


Perfume Genius

Too Bright

[Matador]

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Es ist diese brutale Zerbrechlichkeit, die Mike Hadreas alias Perfume Genius auf „Too Bright“ perfektioniert. Papierene Arrangements, die wie in Cellophansäckchen eingehüllt scheinen treffen auf ohrenschmeichelnde Harmonien. Verwaschene Stimmfetzen hangeln sich durch ein Dickicht aus Popfragementen, die sich mal mehr, mal weniger  spontanem Bombast oder unmittelbarer Kraft anbiedern. Ob es der nahezu lupenreine Pop ist, der einen bei „Queen“ erst in die Komfortzone holt, nur um diese dann doch bratzig aufbauschend zu verlassen oder ob er gleich mit „Grid“ in die Vollen geht und zum Tanz auf dem Vulkan bittet. Dass Hadreas darüber hinaus aber eben auch nicht die bittersüßen Balladen vergessen hat, die bereits auf den Vorgängern für dieses nebulöse Gewühl aus Faszination und Schmerz gesorgt haben, lässt „Too Bright“ zu seinem bisherigen Meisterwerk werden. (Carl Ackfeld)


Iceage

Plowing Into The Fields Of Love

[Matador]

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Auch wenn es mit der Platzierung auf der 2 eindeutig erscheint und sich diese aus den Platzierungen auf diversen Einzellisten ergibt, wurde innerhalb der Redaktion schon lange nicht mehr so über ein Album – ach was, über eine Band – diskutiert. Gemocht haben wir Iceage ja schon seit ihrem Debüt „New Brigade“ und auch der Nachfolger „You Are Nothing“ kam gut an, aber manche hatten sie nach unzureichenden Liveauftritten schon fast verärgert abgeschrieben. Doch was erwartet man von einer Post-Punk-Band, die sich schon auf ihren Studioalben um das perfekte Treffen von Tönen einem Dreck zu kümmern scheint – Virtuosentum? Egal, denn was die Kopenhagener Band um Sänger Elias Bender Rønnenfelt uns mit „Plowing Into The Field Of Love“ durch die Gehörgänge jagt, konnte so niemand erwarten und hat auch einige der Skeptischen wieder aufhören lassen. Einige Punkbands sind an den USA grandios gescheitert, Iceage picken sich aus dem amerikanischen Songbook den Cowpunk von The Gun Club, lassen ihn mit dem atonal bluesigen Noise der frühen Birthday Party mutieren, schrauben das Tempo runter, inkorporieren „neue“ Instrumente und lassen öfter die Akustische sprechen. Über all diesem für Iceage Untypischen croont Rønnenfelt wie eine waidwunde Diva, zusammengesetzt aus sich selbst, einem wiedergehenden Frank Sinatra und einem manischen Nick Cave. Sensationell! (Mark-Oliver Schröder)


The War On Drugs

Lost In The Dream

[Secretly Canadian]

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Nichts, aber auch gar nichts führte dieses Jahr vorbei am dritten Album von The War On Drugs – einer Band, die man zwar schon immer auf dem Zettel haben musste, der es aber bisher noch nicht gelang, die eigenen Stärken so konsequent auszuspielen wie hier. Kaum eine andere Platte mäanderte im Jahr 2014 so verträumt durch eine blühende Landschaft aus Classic Rock, Dreampop, Folk-Eskapaden und weiteren Großzügigkeiten, immer mit einer Hand am Herzen, einer lässig in der Hosentasche und einer baumelnd im salzigen Wasser des Ozeans. Geht doch gar nicht? Geht ja wohl! „Lost In The Dream“ zeichnet sich durch seine unnachahmliche Atmosphäre aus, durch kleine Wendungen, die den ausführlichen Songs immer wieder aufs Neue Rückenwind geben. Durch das Gefühl zu schweben und doch mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen zu stehen. File under: Meisterwerk, natürlich. (Kevin Holtmann)

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