Das Debüt von The War On Drugs, „Wagonwheel Blues“, hat mich seinerzeit kalt erwischt. Es passte bestens in das damalig von mir bevorzugte Musikschemata: shoegazig, krautig repetitiv mit einem leichten Hang zu subtilem Drone und leichter Psychedelik, dabei dennoch eingängig und beinahe folkig. The War On Drugs zeichnete ferner noch eine ungefährliche Liebe für Bruce Springsteen und Americana aus. Wo die Hauptakteure damals noch Adam Granduciel und ein gewisser Kurt Vile waren, hat die Band seitdem ein weiteres Album ohne Vile veröffentlicht, der solo sowieso andauernd herausragende Solowerke erschafft.

Granduciel widmete sich in dieser Zeit der Verfeinerung des Klangbildes ihrer gemeinsam gegründeten Band, so dass die anfänglich noch vorhandenen psychedelischen Anteile sowie der Noise immer weiter in den Hintergrund traten. Die grundlegende Trippigkeit gab er dabei nicht auf, viel mehr überführte er die Psychedelik in eine nahezu lichte Poppigkeit des Sich-Treibenlassens. Potenziert wird dieses Gefühl der Reise, welche nicht zwangsläufig durch den Gebrauch psychotroper Substanzen evoziert wird, durch eine nicht von der Hand zu weisende Entwicklung Richtung Soft Rock.

Um dies nachvollziehen zu können, muss man sich nur mal die fast neun Minuten des eröffnenden „Under The Pressure“ anhören. Ebenso gut funktioniert als Beispiel aber auch „Red Eyes“, auch oder gerade weil The War On Drugs hier merklicher rocken. Doch das fließende Klangbild macht die Musik: Es ist sauber, ohne steril zu wirken, die Gitarre perlt, der Einsatz von Keyboards tut sein Übriges und gelegentlich säuselt das Saxophon. Alles wird stoisch vorangetrieben von einem krautig maschinellen Schlagzeugspiel, während der beinahe omnipräsente leichte Hall Weite und Erhabenheit evoziert – was natürlich bestens als Klischee zu den USA und langen Fahrten auf endlosen Highways passt.

Als Referenzpunkte drängen sich „Kaputt“ von Destroyer und tatsächlich gelegentlich Bob Seger auf, aber manches, wie „Disappearing“, ruft fast schon nach dem Engtanz unter der 80er-„La Boom“-Discokugel. Liest sich das jetzt ganz fürchterlich? Destroyer, okay, aber war Seger nicht so ein unsäglicher Mainstream-Schmierrocker? „La Boom“ fürchterlicher Teenager-Kinoschmock? Nur fast, beide hatten auch ihre Stärken – „Running Against The Wind“ beziehungsweise Sophie Marceau. Außerdem trägt Granduciel seine Songs mit einer derart entwaffnenden Nonchalance und Souveränität vor, dass alle eventuellen Ressentiments und Bedenken mit einem Wimpernschlag verschwinden. Wer das alles partout nicht glauben mag, muss sich nur „Eyes To The Wind“ anhören, ein Song, von dem wir mit ziemlicher Sicherheit am Ende des Jahres noch hören werden.

Mit „Lost In The Dream“ haben The War On Drugs nicht weniger als das bis dato eingängigste und poppigste Album ihrer Bandgeschichte veröffentlicht. Man könnte es sowohl seinen Eltern schenken, als auch den mit allen popkulturellen Wassern gewaschenen Freunden ans Herz legen, ohne Entrüstung oder Unverständnis zu ernten. Nur die selbst gewählte Hürde der schieren Länge vieler Songs könnte dem breiteren Erfolg im Wege stehen – was uns aber nicht weiter stören soll.

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