Bisher assoziierte man mit Iceage Wut, Aggression und Weltekel – verpackt in nihilistisch-dilettantische (Post-) Punksongs. Doch mit ihrem dritten Album „Plowing Into The Field Of Love“ haben die Kopenhagener tatsächlich ihre romantische Ader entdeckt, was nicht nur das Wörtchen Liebe im Titel, sondern auch die Streicher, Trompeten und Mandolinen während der fast 50 Minuten Spielzeit verraten.

Ein solch ambitionierter Schritt hatte sich auf dem Debütalbum „New Brigade“ oder dem Nachfolger „You’re Nothing“ nicht wirklich angedeutet. Virtuosität oder auch nur das fehlerfreie Beherrschen der Instrumente interessierten Iceage nie, stattdessen steckte gerade in diesem kaputten, aber eben auch kompromisslosen Sound der besondere Reiz der Band. Sänger Elias Bender Rønnenfelt traf zwar nur in den seltensten Fällen den richtigen Ton, trotzdem schrie er dem Hörer jedes Wort mit einer Hochnäsigkeit und Souveränität entgegen, als sei das genau so gewollt.

Auf „Plowing Into The Field Of Love“ ist aus dem unnahbaren Frontmann kein echter Sänger geworden, dafür ein ausdrucksstarker und leidenschaftlicher, der neben Wut und Hass noch weitere Emotionen entdeckt hat. Auch sonst hat die Musik trotz der ausgefeilten Arrangements und des größeren Instrumentariums zum Glück nicht ihren schrammeligen und windschiefen Charme verloren – so gerät der Refrain von „How Many“ immer wieder ins Wanken und Schlingern und bei der Cowpunk-Nummer „The Lord’s Favourite“ spielen nicht immer alle Instrumente im gleichen Tempo.

Dass die Songs im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben, die zusammen ungefähr auf die Spielzeit von „Plowing Into The Field Of Love“ kamen, nicht nur länger sind, sondern einen ausgereifteren und dynamischeren Aufbau besitzen, zeigt „Forever“. Nach einem düsteren und schleppenden Beginn erlebt der Song durch den hämmernden Rhythmus des Schlagzeugs eine enorme Steigerung, fällt daraufhin allerdings in einen meditativen, von Streichern begleiteten Refrain zurück, in dessen Verlauf Rønnenfelt in flehendem Ton „If I could dive into the other/ I would lose myself forever“ so lange wiederholt, bis die Trompeten eine Fanfare anstimmen.

Mit „Against The Moon“ haben Iceage tatsächlich eine lupenreine Ballade aufgenommen, die mit Bläsern, Streichern und Klavier ebenso gut von Tom Waits stammen könnte und deren romantisch-kitschige Stimmung Rønnenfelt nicht mal mit der Refrainzeile „I keep pissing against the moon“ sabotieren kann. Aber sie zeigt, dass Iceage auf „Plowing Into The Field Of Love“ stets um eine Balance zwischen der ungestümen Ausgelassenheit der Frühphase der Band und den erwachseneren und besonneneren Elementen des Albums bemüht sind. Die Gratwanderung gelingt ihnen in wirklich beeindruckender Weise.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum