Mac DeMarcoSalad Days

Es scheint etwas vermessen, Ende März schon auf die Suche nach einem Sommeralbum zu gehen. Die Zeit ist noch nicht mal auf diese Jahreszeit umgestellt, aber der Hunger nach ihr ist wie jedes Mal kurz vor Frühlingsausbruch unstillbar. Mac DeMarco trifft mit seinem zweiten Album „Salad Days“ genau diesen Moment der emotionalen und hormonellen Desorientierung, schon der eröffnende Titeltrack schlingert sich – ja genau – easy-cheesy durch den Gehörgang. Lässig in seiner besten Form, das verkörpert Mac DeMarco. Synthesizer starten Titel wie „Chamber Of Reflection“ fast ein wenig schläfrig, bis sich seine Stimme zu ihnen gesellt und alle Zeit der Welt hat, eine Geschichte zu erzählen.

Es ist eben genau wie Frühlingserwachen, wie der Wachkuss der Sonne an einem Sonntagmittag nach einer glücklich durchzechten Nacht. Gepflegtes, aber niveauvolles Slackertum ohne zuviel Attitüde, sondern mit einem Selbstverständnis von Talent und Understatement. „Treat Her Better“ zeigt auf, dass Steel Guitar und Gesang manchmal eins werden können, fast wirkt es wie ein Duett, was DeMarco da mit dem Instrument unternimmt. Liebe, Liebe, Liebe. In all ihren Facetten. Fast schon ein monothematisches Konzeptalbum – aber wenn man diese Kategorie wählen würde, müsste man verneinen, wieviel Lebenszeit damit vergeht, sich darüber Gedanken zu machen, wie man in Herzensangelegenheiten grad so dasteht, dastand oder dastehen wird/will. „Blue Boy“ wird von DeMarco genauso getröstet wie „Go Easy“ dazu auffordert, die Leichtigkeit nicht nur wieder zu finden, sondern sie auch zu leben. „I was made to love her“ – mit diesen ersten Zeilen von „Let My Baby Stay“ sollte doch jede Liebesgeschichte beginnen … und niemals enden. Aber ein wenig ist man um den Liebeskummer manches Künstlers dankbar, denn er lässt wundervolle Songs erwachsen. DeMarco steht dabei irgendwie immer im Sonnenschein, nie im Regen.

Und nun zum Erschreckenden: Dieser altersweise kanadische Multi-Musiker ist Anfang 20. Woher kommt also dieser Klang nach mühsam erlernter Weisheit und Abgeklärtheit? OK, sein Opa war Minister für Eisenbahn und Telefone (eine tolle Kombination), seine Familie scheint sehr musikalisch zu sein, aber daran kann es nicht (nur) liegen. Vielleicht ist es die Tatsache, dass das zweite Album schon unter dem Eindruck von Erfolg entstand, denn DeMarco ist vor allem auch nach seiner ausgiebigen Tourerei kein Unbekannter mehr, sondern wird von einem immer breiter werdenden Publikum geliebt. Die musikalischen Wurzeln in der Vergangenheit der Siebziger, Glam genauso streifend wie Blues, die Gitarre immer i-tüpfelnd verlässlich an seiner Seite, den hellwachen Kopf und alle Sinne tief in der Gegenwart – diese Mischung ist es, die Mac DeMarcos Werk so bezaubernd macht.

„Johnny´s Odyssey“ spiegelt die gesamte Grundentspanntheit von „Salad Days“ wieder. Der Song hat alle Zeit der Welt, sich zu entfalten. Umdrehung um Umdrehung gewinnt der Klangteppich, um sich letztlich völlig auszurollen. Farbenfroh, relaxt, easygoing. Auch ohne Gesang, aber mit persönlichem Dank des Musikers nach einer kleinen Kunstpause. Doch es sind wir, die danken müssen, für eine herztreibende, träumerische und weise halbe Stunde Kunst. Passendes Schlusswort? „If we’re getting all loose and goofy, the crowd usually lightens up and starts having a funkier time.“

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