Future IslandsSingles

Ausgerechnet die sonst so faktenorientiert arbeitende Deutsche Presseagentur ist es, die mit ihrer Beschreibung nachhaltig ein Bild erzeugt: „Future Islands“ klingen demnach so, als wäre „Jack Black bei den Pet Shop Boys eingestiegen“. Es ist ein schräges, nicht zu hundert Prozent stimmiges, aber dennoch ein gutes Bild, weil es nicht wirklich etwas aussagt, aber zugleich ein Gefühl davon vermittelt, wie wenig für das Trio aus Baltimore die ausgeleierten Schubladen anwendbar sind, die man musikalisch zur Verfügung hat. Mit dem vierten Album sind Future Islands zu 4AD gewechselt und beenden mit „Singles“ eine Wartezeit von mehr als drei Jahren.

Doch zurück zu den Schubladen. Während des Albums entwickelt sich ein ständiges Öffnen, Schließen, Neusortieren, ohne dass der rote Faden verloren geht – und immer entlang der charismatischen, facettenreichen Stimme von Samuel T. Herring. Ein Song wie „Spirit“ ist aufrichtiger Pop, der sofort in das Ohr und in die Beine steigt. Die angekratzte Stimme von Herring verhakt sich im Ohr, treibt genauso nach vorne wie der Synthesizer. „Sun In The Morning“, „Back In The Tall Grass“ und „A Dream Of You And Me“ zeigen auf, wie catchy die Sounds von Future Islands sein können. Herring darf Geschichten erzählen, sich Zeit nehmen Der Rest findet sich wie von selbst. „Back In The Tall Grass“ umschließt warm, nimmt dann fest in den Arm und hebt ab 1:40 in die Höhe, steigert sich langsam und kontinuierlich – auch stimmlich. Ohne dass man es tatsächlich bemerkt, geht der Puls langsam nach oben, wie bei einem Läufer, der sich warm macht und am Ende nass geschwitzt final auspowert. Wie anders sollte es auch sein, wenn man als Mann kontinuierlich an ein- und dieselbe Frau denken muss? Weit weg von Zuhause?

Oder „A Dream Of You & Me“: Manchmal ist es fast schon ein wenig ostasiatisch angehaucht und mit viel Raum für das Zusammenspiel des dreiköpfigen Musikerensembles, das zudem mit Denny Bowen nun einen menschlichen statt maschinellen Drummer an der Seite hat. Auf „Singles“ beweisen Future Islands, dass sie auch mit umfassender Instrumentierung nie die simplen Wurzeln ihres Synthpop verneinen. Es ist stets genug Raum für Herrings Stimme, die sich auf „Doves“ fast schon knödelig durch die Etappen schleicht und die bei „A Song For Our Grandfathers“ im Gleichklang mit den unterschiedlichen Synthies langsam marschierend die Beziehung der Menschen zu ihren Ahnen beschreibt.

Nicht selten werden Herrings Auftritte von Zuschauern als manisch beschrieben, verwundern mag dies nicht. Viel Emotion prägt die persönlichen Anekdoten, die auch „Singles“ beinhaltet. “I physically work hard on stage to get mouths to drop, bring people in, and to catch them off guard.“ Dieses Ziel wird erreicht. Produzent Chris Coady (Beach House, TV On The Radio) hat hier sicherlich auch seinen Anteil, denn Veränderung ist spürbar: Es ist etwas Melancholie gewichen und Hoffnung eingezogen in das Wirken des Trios. Das muss in Interviews zugeben, dass Musik nun nicht mehr nur Spaß, sondern auch Arbeit bedeutet – wie stets, wenn ein zehnjähriges Bandjubiläum nicht im Probenkeller, sondern vor 1000 Zuhörern mit Erwartungshaltung begangen werden „muss“. Der Erfolg von Future Islands stellt sich zu Recht immer mehr ein, aber dennoch sind die drei weiterhin vor allem eins: unverfälscht. Die Musik auf der Platte ist eins zu eins im Liveauftritt denkbar, nur noch mit weit mehr PS, nicht zuletzt hochgetaktet durch die Persönlichkeit des Frontmannes.

Ein Kommentar zu “Future Islands – Singles”

  1. […] Über Jonathans Post bin ich auf Future Islands inzwischen schon legengdäre Pe. NPR streamt das Album mit der tollen Single “Seasons(Waiting On You)”, zu der wir hier auch das Video haben, vorab. Eine erste Kritik gibt es drüben bei auftouren. […]

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