Manchmal ist Musik unsagbar einfach. Da packt einen über verdammt lange Zeit kein Song mehr so richtig und dann taucht irgendwann mal dieses ominöse „Scum, Rise!“ von Protomartyr auf. Eine Band, von der du noch nie etwas gehört hast und ein Genre, dem du seit deinem kurzen Ausflug in den gothinfizierten Postpunk à la Puerto Rico Flowers, Ulterior und Cult Of Youth nur am Rande Beachtung beigemessen hast. Dazu ein Cover, das gleichfalls düster und dynamisch, unheilverkündend und aufmerksamkeitsheischend daherkommt.

Grund genug, sich „Under Color Of Official Right“ mal von der Entdeckerseite her zu nähern. Beginnen wir mit dem eröffnenden „Maidenhead“, das den Ersteindruck des quengeligen „Scum, Rise!“ ein Stück weit auf den Kopf stellt. So könnten Interpol heute klingen, hätten sie sich nicht auch immer mehr dem Hang zum Bombast ergeben. Kraftvolle Gitarrenfiguren treffen auf die unmissverständlich knurrige Stimme Joe Caseys, der auf Albumlänge definitiv nicht glücklicher wird.

Es müssen dabei nicht immer lange Epen sein. In der Regel begnügen sich die vier Musiker mit gut zweieinhalb Minuten, nur einmal wird knapp an der Vier-Minuten-Grenze geschrammt. So wird das zweite Album zu einer abwechslungsreichen, druckvollen und vor allem sehr lauten Angelegenheit. „Ain’t So Simple“ und „Want Remover“ stehen hier beispielhaft nebeneinander: Gitarren starten in den Song hinein, fungieren sozusagen als Taktgeber und Dynamikregler gleichermaßen und drehen zu unterschiedlichen Zeiten jeden Song immer mal wieder ein bisschen auf links. Hört sich simpel an, ist es aber, wie es der gleichnamige Titel vorwegnimmt, eben gar nicht.

Mit synkopiertem Schlagzeug beginnt „Bad Advice“, das wie eine entschleunigte The-Fall-Nummer wirkt. Casey sprechsingt sich nicht nur hier durch verwaschen klingende Gitarrenstakkatos, auch das vorhergehende „Tarpeian Rock“ kennzeichnet dieser eindringliche Nichtgesang. Mal garagig, mal eher mit lockerer Punkattitüde in bester Pere-Ubu-Manier gelingen Protomartyr auf „Under Color Of Official Right“ bösartige kleine Hymnen, die kurz, bissig, aber meistens auch ziemlich waidwund sind.

Das wie in einem Rausch flirrende „I Stare At Floors“, „Come & See“ und seine stetig stolpernde Rhythmik, die bärbeißigen Gitarren in „Want Remover“ … Protomartyr loten die engen Grenzen ihres eigenen Musikverständnisses konsequent aus. Natürlich geht es dabei dem Genre entsprechend auch mal dreckig und schmutzig zu, doch eigentlich ist da eher das zwielichtige Funkeln unter dem ganzen Staub, das man sicherlich auch in den Augen des zähnefletschenden Caniden auf dem Albumcover erkennen könnte.

Beschlossen wird „Under Color Of Official Rights“ folgerichtig mit „I’ll Take That Applause“, denn schließlich hat man sich nach soviel Schwerstarbeit und Dreck und Schmutz auch eine Belohnung verdient. So darf Casey noch einmal den knurrenden Sänger geben, die Instrumente machen dem Stück dann zu guter Letzt den Garaus. Und wir applaudieren!

Ein Kommentar zu “Protomartyr – Under Color Of Official Right”

  1. toller sagt:

    toller tipp!

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