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AUFTOUREN 2013 – Das Jahr in Tönen

Auch wenn es durchaus Entwicklungen auf musikalischer Ebene zu beobachten gab: Mehr als alles andere wurde 2013 von Comebacks geprägt. Jahre, oft gar Jahrzehnte nach ihren letzten Alben kam ein großer Name nach dem anderen mit neuen Werken an, ob bereits lange erwartet oder aus heiterem Himmel, ob hochwillkommen oder sofort wieder vergessenswert.

My Bloody Valentine, David Bowie, The Knife, Queens Of The Stone Age, Daft Punk, Pixies, Mazzy Star, Boards Of Canada, The Pastels, Suede, Black Flag, gefühlt jede Woche war irgendwer “wieder da”. Und das oft ebenso nach einem Bombardement aus teasenden Ankündigungen, Videos, Bildern und diversen anderen Marketing-Stunts wie auch bei Arcade Fire oder Kanye West, die ohnehin eines ihrer regelmäßigen Albumjahre hatten. Platz für neue Namen ohne die Mittel, sich ein ähnliches Maß an Aufmerksamkeit zu verschaffen, schien nicht zu bleiben im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie.

Gewiss finden sich auch viele bekannte und erwartete Alben in der Liste jener Werke, welche die meisten von uns dieses Jahr am meisten begeisterten, aber das liegt ja in der Natur einer Konsensliste. Mehr als eine Platzierung, die uns selbst letzten Endes überraschte, können wir trotzdem bis in die höchsten Ränge garantieren. Damit und insbesondere in unserer noch folgenden “Geheimen Beute” spiegeln sich auch unsere Bemühungen wieder, das ganze Jahr über nicht nur über die bekannteren Themen zu berichten, sondern auch am Rande zu graben. Doch nun soll erst einmal Konsens König sein: Wir wünschen viel Spaß mit unseren 50 Favoriten aus 2013.


50

Julianna Barwick

„Nepenthe“

[Dead Oceans]

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Für einen Schaffensprozess, der so autark ist wie der von Julianna Barwick, ist das Ausmaß ihrer Kollaborationen auf „Nepenthe“ bemerkenswert. Mindestens ebenso bemerkenswert ist, dass die Streicher-Beiträge von amiina und ein Chor junger Reykjavikerinnen auf das Wesen von Barwicks Ambient-Pop wenig Einfluss haben. Zwar porträtiert sie die erhabene Weite Islands oder auch wie in „Pyrrhic“ die daraus erwachsende Verlorenheit einer Einzelperson mit einer Klangpalette, die an frühere Werke von Sigur Ròs erinnert; dies ist aber unverkennbar Barwicks Musik, mit dem Aufschichten ihrer weiterhin im Zentrum stehenden Vocals, deren immense Ausdruckskraft sie nur noch facettenreicher in komplexere Arrangements kleidet. (Uli Eulenbruch)


49

Daughn Gibson

„Me Moan“

[Sub Pop]

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Americana 2.0. Daughn Gibson hat bereits im vergangenen Jahr bewiesen, wie anpassungsfähig, vor allem wie modern und zeitgemäß traditonelle Countrymusik aufbereitet werden kann. Auf „Me Moan“ veredelt er diesen Klang und mischt Discokugel mit Cowboyboots und Truckerästhetik mit zuweilen schwüler Elektronik. So betritt er mit verwegen ins Gesicht gezogenem Hut den Tanzboden und verirrt sich irgendwo zwischen Lee Hazlewood und James Blake am Tresen. Bewaffnet mit Slidegitarre und Dudelsäcken gewinnt er mehr Klangfülle als bei seinem Debüt und erschafft eine in vielen Farben schillernde Westernfantasie, die ihrerseits keine Angst vor Pop und Tanzbarkeit hat. (Carl Ackfeld)


48

Eleanor Friedberger

„Personal Record“

[Merge]

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All die Songs und Alben, die Eleanor Friedberger als Erfüllungsgehilfin ihres Bruders Matthew bei den Fiery Furnaces verbracht hat, lassen sich aus „Personal Record“ heraushören. Ein solches Händchen für detailliert ausgestaltete Erzählungen kann nur haben, wer sich das jahrelang aus der Nähe angeguckt und dann seine eigenen Schlussfolgerungen angestellt hat. Anders als der endlos verwirrende Matthew strebt Eleanor aber nach textlicher und musikalischer Gewissheit. „Personal Record“ ist ein lupenreines, nicht tothörbares Popalbum, seine Geschichten sind so klar und clever wie der Albumtitel. Außerdem erstaunlich: Die drei Songs am Ende sind die besten der Platte. (Daniel Gerhardt)


47

Altar Of Plagues

„Teethed Glory And Injury“

[Plastic Head]

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2013 war ein aufregendes Jahr für Ohren, die Metal vertragen, geprägt durch viel Bewegung und den Willen zum Experiment mit einem Ablegen von Scheuklappen. Auch wenn dies ein schon länger zu beobachtender Prozess ist, trug er dieses Jahr doch zahlreiche aufregende Blüten. Eine davon ist „Teethed Glory And Injury“ der Iren Altar Of Plagues. War der Vorgänger „Mammal“ noch geprägt von traditionellerem Black Metal, der allerdings mit sehr viel Gespür für Melodie aufwartete, geht die Band hier einen Schritt weiter: Die Songs werden kürzer, keiner überschreitet mehr die neun Minuten, milde Elektronik wird integriert, Repetition und kurze Riffs exzessiver ausgestellt, mit Doom-, Industrial- und Post-Hardcore-Elementen gespielt und ein anfangs irritierendes Klangbild erzeugt, was insgesamt den Dringlichkeits- und Aggressionslevel steigen lässt. Das Paradoxe daran – und hier liegt ihre eigentliche Größe – ist, dass die Platte bei all dem aufreizend zugänglich bleibt. (Mark-Oliver Schröder)


46

San Fermin

„San Fermin“

[Pias Coop/Downtown]

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Ein barockes Meisterwerk. Was wie bei einem monumentalen Deckenfresko auf den ersten Blick unübersichtlich wirkt, erscheint mit jedem weiteren Hördurchgang zugänglicher und detailverliebter. Ohne an Leichtigkeit zu verlieren, packen San Fermin opulente Arrangements auf ihr Erstlingswerk und erinnern an die überschwänglichen Popmomente von Dirty Projectors. Bei „Methuselah“ schwelgt die Band um Mastermind Ellis Ludwig-Leone in süßlicher Eleganz, „Sonsick“ wiederum enthusiasmiert mit eingängiger Hook und cleverer Rhythmik. So wird „San Fermin“ zum formvollendeten Wiedergänger sonniger Opulenz à la Nick Garrie oder Van Dyke Parks. (Carl Ackfeld)


45

Daughter

„If You Leave“

[4AD]

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Unter dem Strich ist „If You Leave“ bloß eine sehr gefühlsaffektierende Sammlung guter Songs. Melancholiemarmoriert und abgehangen, aufgeladen mit den Beziehungsdramen unserer Zeit, unserer Leben. Präsente Stimme, schneidende Gitarrenmelodie und totale Unaufgeregtheit – mehr braucht es nicht zum Musizieren bei Daughter. Dieser ausladende Folkpop ist so perfekt austariert, dass der Schmerz ganz von alleine kommt. Wem das nicht reicht, dem haut „Truth“ noch ein paar Trommeln ins Ohr oder „Touch“ einen wuchtigen Hallschauer über die bereits existente Gänsehaut. Spätestens dann sollte klar sein, dass dieses Debüt wehmütige Ekstase, vergemeinschaftete Einsamkeit und umgestülpte Innerlichkeit so hervorragend verbindet wie kein anderes Album in diesem Jahr. 2014 dürfen dann wieder Warpaint und Bon Iver übernehmen. (Markus Wiludda)


44

James Blake

„Overgrown“

[Polydor]

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Auf seinem weithin als Meisterwerk gefeierten Debütalbum setzte sich der junge Brite James Blake als postmoderner Soundtüftler in Szene, für den der Song an sich nur zweitranging war. Im Fokus stand der Klang, das zielgerichtete, aber ergebnisoffene Experiment mit Sounds, vornehmlich aus dem Bereich des Post-Dubstep. Auf seinem zweiten Werk „Overgrown“ zeigt sich Blake gereift, stärker songorientiert, ohne jedoch den grundsätzlich explorativen Charakter seiner Musik zu verraten. Das Album gibt sich als karges, emotionales, aber weitestgehend kühles Statement eines jungen Mannes, der in den letzten Jahren als das Wunderkind schlechthin gehandelt wurde. „Overgrown“ überzeugt mit minimalistischen Electro-Gerüsten, über welche sich Blakes Soulstimme legt, die manchmal fast körperlos wirkt. Mit der tollen Single „Retrograde“ beweist James Blake aber auch, dass es warm und knusprig geht. Eine Richtung, die er künftig gerne weiter verfolgen darf. (Kevin Holtmann)


43

Joanna Gruesome

„Weird Sister“

[Fortuna Pop!]

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Indiepop, besonders noisiger, lebt eigentlich von seiner intensiven Kurzlebigkeit und ist so für das Single-Format prädestiniert. Dennoch ist darauf Verlass, dass aus dem transatlantischen Labelbündnis aus Slumberland und Fortuna Pop! jedes Jahr mindestens ein perfekt unperfektes Album erwächst. In diesem Jahr war dies „Weird Sister” vom walisischen Quintett mit dem großartig lausigen Namen, das shoutig-souverän von Alanna McArdle angeführt durch zehn verrauschte Kleinode poltert und dabei das zeitlos großartigste Melodiegespür seit dem Debüt von The Pains Of Being Pure At Heart beweist. Erstaunlich ist dabei vor allem, wie im Spiel der Band immer wieder Kontrolle und Präzision durchscheinen, die ihre manische Energie aber eher verstärken als sie zu versteifen. Scheinbar unvereinbar, dein Name ist Joanna Gruesome. (Uli Eulenbruch)


42

Tim Hecker

„Virgins „

[Kranky]

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Mehr denn je scheinen auf dem meisterlichen siebten Album des Kanadiers die klaren, schmalen Anschläge zwischen langen Oszillationen und breiten Texturen durch. Einzelne Instrumente bekommen mehr Freiraum zur Konfrontation, übertünchen einander oder stampfen zusammen die Klippe runter. Die erstmalige Zusammenarbeit mit einem Ensemble ist aber keineswegs in Modern-Classic-Plingplong resultiert, geschweige denn in traditionellem Orchestralklang: Unverfremdet, ungedehnt oder ungeloopt bleibt hier kaum etwas. Hecker dirigiert ambientes Knistern so selbstverständlich wie wuchtiges Orgeln mit einer graduell überwältigenden Intensität, als würde er eine Klemme um die Seele enger schrauben. (Uli Eulenbruch)


41

Cass McCombs

„Big Wheel And Others“

[Domino]

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Spätestens seit diesem Jahr muss Cass McCombs definitiv in die Riege der spannendsten Songwriter unserer Zeit aufgenommen werden. „Big Wheel And Others“ veranschaulicht auf doppelter Albumlänge eine in ihren Grenzen unglaubliche Bandbreite und verhilft McCombs zum mindestens vierten herausragenden Werk in Folge. Ob er sich bei nun bei „Brighter!“ die leider viel zu früh verstorbene Karen Black zu Hilfe nimmt, in waidwundem 60er-Country badet oder manisch über stolpernde Seufzermotive hinwegrezitiert: McCombs beherrscht sein Handwerk, ohne sich zu wiederholen. (Carl Ackfeld)



40

Kanye West

„Yeezus“

[Def Jam]

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Kein Ruhen auf dem Thron: Mit lärmendem “Jetzt erst recht”-Gestus wirft Kanye West alles bisher Dagewesene über den Haufen und verfasst seinen Neuentwurf als fordernde, nur aufs erste Ohr völlig konfuse Mischung aus allen möglichen Unvereinbarkeiten. „Yeezus“ ist ein waghalsiger Cut-Up aus Skrillex-geschultem EDM, Industrial- und Suicide-Referenzen, Dancehall-Samples, herzzerreißenden Soul-Breaks, chemischen Drogen und tonnenweise Autotune. Und auch wenn der Rest des Albums das Energielevel der ersten vier Stücke nicht ganz halten kann, auch wenn Wests wenig raffinierte Lyrics zwischen Genie und Wahnsinn schwanken: Gerade wegen all seiner Ungereimtheiten und Provokationen zementiert Kanye West kompromisslos seinen Status als größter männlicher Popstar unserer Zeit. (Bastian Heider)


39

Prefab Sprout

„Crimson/Red“

[Embassy Of Music]

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Ein Überraschungscomeback, das dann doch keines war, weil „Crimson/Red“ schon monatelang im Netz rumgeisterte: Aus der Zeit gefallen und in einem Wolkenmeer aus Streichern und Zuckerwatte erzählt Paddy McAloon Geschichten von Romeo und Julia, dem Teufel und abgehobenen Juwelendieben, von der Liebe, der Jugend und dem Tod – den ganz großen Themen eben, drunter macht einer wie er es eh nicht mehr. Aus Archivmaterial hat McAloon mal eben eines der besten Werke seiner Karriere zusammengebastelt, so dass auch spät Geborene noch einmal allerhand Gelegenheit bekommen um nachzuhören, warum ihm das Songschreiben auch in den nächsten 30 Jahren so schnell niemand nachmachen wird. (Bastian Heider)


38

Young Fathers

„Tape One“ & „Tape Two“

[Anticon]

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Die sollen aus Schottland kommen? So richtig mag das beim ersten Hören dieser beiden EPs nicht einleuchten, hat man doch direkt New York und TV On The Radio vor Augen. Zumindest der vom Sonnenlicht nicht gerade verwöhnte „G“ Hastings sieht – wie kürzlich beim höchst spielfreudigen Liveauftritt des Trios im Rahmen des Le Guess Who? zu beobachten – im Gegensatz zu seinen beiden Bandkollegen mit liberianischen und nigerianischen Wurzeln nach schottischer Straßengang aus, die Crowd mit finsterem Blick auf Distanz haltend. Diese explosive Kombination verschiedener Charaktere ist es, von der Young Fathers profitieren und die sich unweigerlich auf ihren ideenüberfluteten Psychedelic–HipHop auswirkt. Einmal allerdings wird es auch eingängig, wenn auf „Tape Two“ der famose Abschlusssong „Ebony Sky“ noch zwei, drei Extrarunden dreht. (Pascal Weiß)



37

Tocotronic

„Wie Wir Leben Wollen“

[Vertigo Berlin]

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Sie kamen, um sich zu beschweren. Sie postulierten ein Manifest wider die Vernunft und riefen zur allgemeinen Kapitulation auf. Und sie konnten und wollten nicht in Germany relaxen. Tocotronic waren lange Zeit eine Band, die in wort- und fintenreichen Songs vieles anprangerte und verteufelte. 2013 fand im Kosmos der Band ein Paradigmenwechsel statt. Dirk von Lowtzow und Co. komponierten mit ihrem zehnten Album ein Statement des Fürs, was bereits von der unzweideutigen Titelwahl unterstrichen wird. Im Zentrum von „Wie Wir Leben Wollen“ stehen folglich Gedanken und Ideen, die Tocotronic befürworten und die sie wie nebenbei mit der gewohnten Präzisionslosigkeit verhandeln. Ihre transgressive Grammatik zieht sich durch alle 17 Stücke dieses tiefgründigen und facettenreichen Albums. Als Meister vieler Disziplinen beherrschen Tocotronic kurze Rocksongs („Exil“) genauso wie ausufernde Elegien („Warte Auf Mich Auf Dem Grund Des Swimmingpools“) und bleiben ein Fels in sämtlichen Brandungen. (Kevin Holtmann)


36

Natasha Kmeto

„Crisis“

[Dropping Gems]

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Mag sein, dass andere Musikrichtungen in diesem Jahr mehr Spuren in den Endjahreslisten hinterlassen als Natasha Kmetos souliger Elektro-Pop. Und trotzdem, oder gerade deswegen wäre es ein Jammer, wenn man dieses Album ignoriert. „Crisis“ überzeugt durch zehn wunderbar austarierte Elektro-Kleinode, voller pulsierender Beats und Handclaps, voller emotionaler Tiefe, vorbeihuschender Schatten und langsam aufkeimender Nachdenklichkeit. Kann man getrost Freunden von Cooly G, Laurel Halo („Quarantine“), Mount Kimbie oder Jessy Lanza ans Herz legen. (Constantin Rücker)


35

Parquet Courts

„Light Up Gold“

[Mom+Pop]

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Wohl kaum eine Band musste im vergangenen Jahr so obligatorisch als Aushängeschild des neuen US-Slacker-Punk herhalten wie Parquet Courts, wobei man anfangs gar nicht so genau wusste, was das überhaupt sein sollte. Denn eine richtige Szene oder nennenswerte Bewegung ließ sich auf Anhieb nicht ausmachen. Dieser Umstand schmälert allerdings in keiner Weise die Frische, mit der „Light Up Gold“ auf einmal im Raum stand – allerdings nicht brutal die Tür eintretend, sondern nahezu liebenswert anklopfend. Die Band aus Brooklyn kam, um zu bleiben und die Herzen zu erobern, und das mit nerdig anmutendem Checkertum und Musikalität, die nie in Verbindung mit Angeberei kommen. Vielmehr gelingt es, alles fast zufällig, beiläufig, lässig und lakonisch erscheinen zu lassen, als wäre es das Einfachste der Welt, mal eben ein großartiges Album aufzunehmen. (Mark-Oliver Schröder)


34

Run The Jewels

„Run The Jewels“

[Fool’s Gold]

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Man kann „Run The Jewels“ getrost als das zweite Album von Killer Mike und El-P ansehen, denn die beiden MCs führen hier fort, was sie mit Mikes „R.A.P. Music“ begonnen haben – mit dem Unterschied, dass sie sich den Platz am Mikro nun durchgängig teilen. Doch nur weil der Ton hier weniger ernst und politisch als auf „R.A.P Music“ oder „Cancer For Cure“ ist und das Album als Gratis-Download erschien, sollte man „Run The Jewels“ nicht als Resteverwertung oder halbgare Veröffentlichung abtun. Stattdessen ergänzt sich das ungewöhnliche Paar hier perfekt und feuert über die geradlinigen Beats von Jaime Meline ein wahres Gag- und Punchline-Feuerwerk ab. (Daniel Welsch)


33

Dean Blunt

„The Redeemer“

[Hippos In Tanks]

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Gefühlte 100 Anekdoten könnte man zur Kunstfigur Dean Blunt und seinem ehemaligen Projekt Hype Williams inzwischen wohl erzählen. Und dennoch scheint man weder ihm als Künstler, noch seiner Musik dadurch auch nur einen Schritt näher zu kommen. „The Redeemer“ ist sein Debütalbum als Solokünstler und strotzt nur so vor Ideenreichtum, Streicherarrangements und losen Assoziationsketten. Seien die besten Momente vielleicht auch nur geklaut (unter anderem von Fleetwood Mac oder Pink Floyd) oder von anderen Musikern beigesteuert (Joanne Robertson), „The Redeemer“ sucht dank seiner Stimmung, seiner atemberaubenden Klarheit und seiner assoziativen Erzählstruktur seinesgleichen in diesem Jahr. (Constantin Rücker)


32

Savages

„Silence Yourself“

[Matador/Beggars]

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Damit, dass noch einmal eine Gothrock-Platte derart für Furore sorgen könnte, hätten vor Jahresfrist sicherlich die Wenigsten gerechnet. Doch Savages haben tatsächlich einen Weg gefunden, diesem schon seit Jahren etwas angestaubten Genre neues Leben einzuhauchen. Die Bezeichnung „Siouxsie 2.0“ alleine wird der Band um Sängerin Jehnny Beth dabei nicht gerecht. Die elf Songs sind kompakt und imposant vorgetragen, bei allem Minimalismus kommen sehr oft erfrischende, neue Ideen zum Vorschein, die aus „Silence Yourself“ viel mehr machen als ein bloßes Abziehbild: Diese Mischung beschert dem Album eine Anziehungskraft, derer man sich nur schwer wieder befreien kann. (Felix Lammert-Siepmann)


31

Chance The Rapper

„Acid Rap“

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„Acid Rap“ hält, was Albumcover und –titel versprechen. Auf seinem zweiten Mixtape verquirlt Chance The Rapper Soul-, Gospel-, Footwork-, Pop- und Jazz-Elemente zu einem kunterbunten Mischmasch, der seinen zugedröhnten Singsang-Rap angemessen untermalt. Doch die Sorgenfalten und der paranoide Blick des jungen MCs auf dem Cover verraten auch, dass der traurige Rekord seiner Heimat Chicago als „Mordhauptstadt der USA“ ebenfalls seine Spuren auf „Acid Rap“ hinterlassen hat. „They deserted us here“, beklagt er in „Pusha Man“, doch während Kollegen wie Chief Keef oder Lil Durk auf diesen Umstand mit nihilistischer und gewaltverherrlichender Musik reagieren, wartet „Acid Rap“ mit einer positiveren Aussage auf: „There ain’t nothing better than falling in love.“ (Daniel Welsch)

Download Mixtape


Sigur Rós

„Kveikur“

[XL/Beggars]

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Ganz eitel Sonnenschein waren die Isländer eigentlich noch nie. „Ný Batterí“ bot schon einen Blick in den Abgrund inmitten von „Ágætis Byrjun“, ganz zu schweigen vom Nachfolgewerk, doch selbst die ausgedehnte Angespanntheit von „( )“ wirkt fast harmlos vor dem beklemmenden „Kveikur“. Im Strudel gewichtigen Bassbrodelns könnte man das Titelstück schon bald für einen Remix aus den Händen Ben Frosts oder Tim Heckers halten, selbst ein leichteres Stück wie „Stormur“ knackt und knistert zu ungemütlich, als dass Jón Þór Birgissons lichterne Stimme sich gänzlich darüber hinwegsetzen könnte. Das Ausscheiden ihres langjährigen Keyboarders hat Sigur Rós anscheinend nicht nur zum Trio schrumpfen lassen, sondern auch zu einer aufregenden neuen Intensität ihrer Musik geführt. (Uli Eulenbruch)


Holden

„The Inheritors“

[Border Community]

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Nur wenigen Veröffentlichungen von Technoproduzenten wurde dermaßen entgegen gefiebert wie dieser. Sicher auch, weil James Holdens Debüt „The Idiots Are Winning“ schon sieben Jahre zurückliegt. Ob jetzt alle auf Anhieb in „The Inheritors“ das musikalische Meisterwerk entdecken, sei einmal dahingestellt. Aber was Holden weit über andere Genrevertreter hinaushebt, ist sein ganz eigener Ansatz, der sich noch nie um zeitgeistige Entwicklungen, Moden oder irgendwelche Schulen geschert hat. Genau hier liegt auch sein wichtigstes Kapital und sein augenfälligstes Alleinstellungsmerkmal: Holden versteht es wie kein Zweiter, die unterschiedlichsten Hörer, vom Indierocker bis zum Technonerd, vom weltoffenen Folkie bis zum Aficionado „Neuer Musik“ anzusprechen. Ihnen allen, so unterschiedlich die persönliche musikalische Sozialisation auch gewesen sein mag und egal wo sich die aktuellen Hörgewohnheiten befinden, bietet er Bezugs- und Zugangspunkte an und nimmt sie gebannt auf seine akustischen Exkurse mit. (Mark-Oliver Schröder)


Stellar OM Source

„Joy One Mile“

[RVNG Intl.]

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Es erscheint nicht abwegig, dass gemütlich dahinfließende Drones sich gut mit einer stetig pochenden Bassdrum paaren. Schließlich greifen Dance-ProduzentInnen ebenso gerne zu derartigen Texturen, wie umgekehrt Ambient-Gruppen wie die späten Emeralds in Kraut- oder Techno-Gewässer waten. Aufregender war 2013 aber die Transformation, die Christelle Gualdis Schaffen als Stellar OM Source vollzog: Ihre ohnehin freigeistigen Synthläufe, Synthwolken und Synthflächen gehen auf „Joy One Mile“ eine Symbiose mit ebenso komplexen Beat-Einfällen ein, können unerwartet von komischer Weite in nervöses Acid-Peitschen kippen und halten doch eine endlos variable Balance aus Chaos und Geschmeidigkeit. (Uli Eulenbruch)


Jungbluth

„Part Ache“

[Vendetta]

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In seinen besten Momenten kann Hardcore wie keine andere Musik das kanalisieren, was tief im menschlichen Inneren liegt. Genau dies schaffen Jungbluth auf ihrem Debütalbum „Part Ache“, schleudern Selbstzweifel und Schmerz heraus in einem Sound, der voluminös groß und weit klingt aber so scharf verzerrt ist und mitreißende Dynamikwechsel inszeniert, dass er einschneidend statt poliert wirkt. Das Trio sucht nicht nur musikalisch die Brüche und Risse, statt eines naiven Schwarzweißbildes wagen Jungbluth Texte, die sich nicht vor Unsicherheit scheuen, die Düsternis porträtieren und dennoch Hoffnung finden. An ihrer politischen Überzeugung lassen sie unterdes keinen Zweifel, ebensowenig wie an der Wirkung dieses mit jedem Anhören mehr beeindruckenden, einfallsreichen Posthardcore-Meisterstücks. (Uli Eulenbruch)


Youth Lagoon

„Wondrous Bughouse“

[Pias UK/Fat Possum]

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Vom ersten Anschlag an versprüht Trevor Powers‘ zweites Album eine seit seinem vielversprechenden Debüt gewachsene Selbstsicherheit. Die braucht er auch, um das unstete Innenleben seines psychedelischen Pop zu bändigen, welcher als zuckende Geräuschwelt über irreal verformter Perkussion den verirrten Neuronenimpulsen eines unfokussierten Gehirns entsprungen scheint. Insbesondere die offenherzige Stimmführung weist einen Weg aus niemals zu morastigen und verwaschenen Klangschichten, in denen Düsenjäger durch zwitschernde Vogelschwärme brettern oder in „Raspberry Cane“ eine Natter im Gras zischelt, während Powers eine unwiderstehliche Melodie nach der anderen vom Stapel lässt. „Wondrous Bughouse“ besitzt eine gewaltige emotionale Tragweite, dank derer all seine oberflächlichen Schrägheiten sich zu einem überaus nahbaren Diorama zusammenfügen. (Uli Eulenbruch)


Perfect Pussy

„I Have Lost All Desire For Feeling EP“

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Das Beste an Perfect Pussy kann man eigentlich gar nicht verstehen: Die Texte von Sängerin Meredith Graves gehen unter im chaotischen Noisepunk-Gitarrenkrach auf der ersten Demo-Kassette der Band aus Syracuse, New York, der Sound spielt sich ungefähr auf Thermals-Debüt-Niveau ab. Trotzdem sind Graves‘ Texte groß- und schlagwortartige Abhandlungen über Neid und Verlust und die alles heilende Erkenntnis, dass nur im absoluten Desaster die Hoffnung liegt. Jede zweite Zeile ist ein potentielles Tattoo, jedes Wort ein Stein durchs Glashaus der eigenen Genügsamkeit. „I Have Lost All Desire For Feeling“ kriegt jeden wach, garantiert, und seine Synthie-Melodien sind auch sehr schön. (Daniel Gerhardt)


My Bloody Valentine

„m b v“

[mbv]

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Nach jahrelangem Warten war es dann unverhofft über Nacht soweit: My Bloody Valentine veröffentlichten im Eigenvertrieb endlich ein neues Album. Für alle, die über ein Jahrzehnt auf den Nachfolger des Meisterwerks „Loveless“ gewartet hatten, war dies ein unwirklicher Moment, war doch jedem bei aller Vorfreude klar, dass „m b v“ im Vergleich zum Vorgänger irgendwie scheitern musste. Doch obwohl die Band genau dort weitermacht, wo sie 1991 aufhörte, kommt zu keinem Zeitpunkt Enttäuschung auf. Dafür ist auch dieses neue, alte Material einfach zu einnehmend. Das letzte Drittel des Album glänzt mit neuen Experimenten, bricht die heimelige Stimmung auf und überzeugt mit forscheren Klängen. (Felix Lammert-Siepmann)


The Drones

„I See Seaweed“

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„Well, I see seaweed on the lawn, there’s no point coming here no more.” Es braucht nur wenige Sekunden der ersten Drones-Veröffentlichung seit fünfjähriger Studioalbum-Pause, bis klar wird, dass Gareth Liddard auch im Jahre 2013 nicht unbedingt zum unbeschwerten Lächeln zumute ist. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen hat er ein älterherrendes Noise-Blues-Werk abgeliefert, das sich genauso unabwendbar durch schmuddelige Eckkneipen schleppt wie Friedrich Anis Romanfigur Tabor Süden – und dabei unverhältnismäßig unterhält. Wer erst jetzt zu den Drones stößt, hat einen denkbar günstigen Zeitpunkt erwischt. Denn auf „I See Seaweed“ findet die wilde Frühphase der Band mit dem Garage-Bastard „A Moat You Can Stand In“ genauso Berücksichtigung wie das mit etwas mehr Bremslicht durch den Nebel torkelnde „How To See Through Fog“, das sicherlich auch auf dem im Heimatkontinent Australien vielfach gekürten „Havilah“ (2008) seinen Platz gefunden hätte. Nur ein Album aus 2013? Dann dieses! (Pascal Weiß)


Bill Callahan

„Dream River“

[Drag City]

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Mit angenehmer Regelmäßigkeit veröffentlicht Bill Callahan unspektakuläre und spröde kleine Meisterwerke, die dank ihrer unzeitgemäßen Stilistik im schnelllebigen Popzirkus eine beruhigende Zeitlosigkeit und Verlässlichkeit ausstrahlen. Auch auf „Dream River“ hat es Callahan nie eilig, wählt seine wenigen Worte mit Bedacht und entwirft mit einfacher Sprache detaillierte Szenarien und Geschichten. Musikalisch werden diese zurückhaltend untermalt – nur ein einziges Mal drängen sich die Instrumente bei „Summer Painter“ für eine kurze lautmalerische Beschreibung des Sturms in den Vordergrund. Meist sind es stattdessen die Stille zwischen den Tönen und die Pause zwischen zwei Worten, die der Musik ihre Bedeutung und Erhabenheit verleihen. (Daniel Welsch)

Earl Sweatshirt

„Doris“

[Columbia]

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Von Anfang an gehörte Earl Sweatshirt zusammen mit Tyler, The Creator zu den interessantesten Charakteren der Odd-Future-Posse. Dass Earl auf dem Gipfel des Hypes für zwei Jahre spurlos verschwand, hat seiner Popularität nicht geschadet, sondern ihn vielmehr zu einem mythenumwobenen Hoffnungsträger des Rap werden lassen. Ziemlich viel Druck für einen 19-jährigen, der die Erwartungshaltungen der Fans auf „Doris“ zwar thematisiert, sich aber ansonsten einen Dreck um sie schert. An Hooks und eingängigen Melodien ist Earl nicht interessiert, stattdessen reimt er seine Zeilen stoisch über düster-minimalistische Beats und zeigt sich gereifter, aber auch verletzlicher als auf „Earl“ – sein Talent für ausgefallene Wortakrobatik konnte man dagegen schon damals bestaunen. (Daniel Welsch)


King Gizzard & The Lizard Wizard

„Float Along – Fill Your Lungs“

[Dot Dash/Flightless]

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Was für eine irre Band: Nachdem King Gizzard & The Lizard Wizard im ersten Halbjahr mit „Eyes Like The Sky“ noch ihren Spaghetti-Western-Tarantino abfackelten, stand die zweite Jahreshälfte im Zeichen des 60er-Psychedelic-Rock. Selbst der letztjährige Durchschuss von Tame Impala wirkt im Gegensatz zu „Float Along, Fill Your Lungs“ kleinkalibrig, wenn sich die siebenköpfige australische Band mal locker Zeit für einen 16-minütigen, reichlich nikotinhaltigen Einstieg lässt. Doch auch nach „Head On/Pill“ (einer der Songs des Jahres) ist die Luft keineswegs raus: Es riecht nach britischem Blut, Grateful Dead und allerhand Zeugs, das man in Ruhrgebietsstädten maximal in abgeschotteten Nordvierteln zu Straßenpreisen bekommt. Am Ende aber Win-Win, wenn das Sitar-Solo die letzten Worte hinaus bläst: „Float along, breathe a deep breath. Fill your lungs.“ (Pascal Weiß)


Deerhunter

„Monomania“

[4AD/Beggars]

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Mit dem 2010 veröffentlichten „Halcyon Digest“ waren Deerhunter auf ihrem künstlerischen Höhepunkt angelangt. Sie fanden die perfekte Balance zwischen somnambulem Dreampop und auf den Punkt gebrachten Rockminiaturen, ohne jedoch ihren experimentellen Charakter zu verraten. „Monomania“ ist nun das Album nach dem Meisterwerk und zeigt Bradford Cox und Co. von einer ganz anderen Seite. Kratzig, zickig, widerspenstig: Deerhunter formulieren mit dieser Platte ein Postpunk-Manifest, das mit „Nitebike“, „Neon Junkyard“ oder dem Titelsong einige der besten Antihymnen überhaupt bereithält. Doch auch für Schöngeister gibt es Futter: Das aus der Feder von Lockett Pundt stammende „The Missing“ ist traumhaft und schließt den Bogen zur Vorgängerplatte. Ein kaputter Seelenstriptease in zwölf fintenreichen Akten. (Kevin Holtmann)


tricot

„T H E“

[Bakuretsu]

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Die technische Perfektion von tricot ist fast schon erschreckend: Das Quartett aus Kyoto spielt einen derart zackig melodiösen Post-Hard-Math-Core, wie man ihn sonst fast nur von US-amerikanischen Angebern oder Genregrößen auf die Ohren bekommt. Dieser Umstand allein hätte allerdings nicht gereicht, tricots Debütalbum Ende November noch so hoch in unsere Jahrescharts zu katapultieren, dazu bedarf es schon etwas mehr. Und dieses Mehr ist der Gesang von Ikkyu Nakajima, die sich eben nicht genreklischeehaft ihre(n) Seele(npein) aus dem Leib schreit, sondern ihre Texte meistens in einer atemberaubenden Leichtig- und Poppigkeit intoniert, auch wenn die Musik um sie herum beinahe zu explodieren droht. Diese Kollision von Irgendwas-Core und J-Pop macht „T H E“ zu einem bleibenden und aufregenden Hörvergnügen. (Mark-Oliver Schröder)


Vampire Weekend

„Modern Vampires Of The City“

[XL/Beggars]

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Vampire Weekend hätten „Modern Vampires Of The City“ nicht nachträglich zum letzten Teil einer Albumtrilogie erklären müssen, mit der sie zur derzeit erfolgreichsten Indie-Popband Amerikas aufgestiegen sind. Es ergibt aber Sinn: Diese ist die Platte, auf der alle Fäden zusammenlaufen, Afrobeat-Restbestände neben traditionellen US-Songformen und HipHop-Produktion stehen, die Hits wirklich welche sind und „Hannah Hunt“ als einer der traurigsten und bestkomponierten Songs des Jahres über sich hinauswachsen kann. Ihre unverwüstliche Niedlichkeit tragen Vampire Weekend längst als Ehrenabzeichen vor sich her. Wer sie immer noch harmlos findet, muss aber langsam mal genauer hinhören. (Daniel Gerhardt)


Lower Plenty

„Hard Rubbish“

[Fire]

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Als wir im vergangenen Jahr die fantastischen Royal Headache überraschend auf Platz 3 unserer Jahrescharts wählten, haben wir das zweite große Album aus der umtriebigen Melbourne-Szene irgendwie unterschlagen. Gut, dass es in diesem Jahr via Europa-Release nochmal die Möglichkeit gab, unseren Fehler auszubügeln. Lower Plenty klingen wie die Lo-Fi gewordene Antithese zu Royal Headaches euphorischem Rock’n‘Soul. Depressionen, wo man hinschaut, verschmolzen in kraftlos dahingecroontem Girl-Boy-Gesang. Mal fühlt man sich an Velvet Underground erinnert, mal an eine existenzialistische Variante der Moldy Peaches. Mit dem grandiosen „Strange Beast“ enthält „Hard Rubbish“ zudem den trostlosesten kleinen Hit des Jahres. „Loneliness is the biggest killer of them all.“ (Bastian Heider)


Julia Holter

„Loud City Song“

[Domino]

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Julia Holter ist erwachsen geworden. Wo die vorherigen Alben noch einen improvisierenden Charme versprühten, zurrt „Loud City Song“ durch die teils überwältigenden Kompositionen feste Grenzen und verschafft so selbst den längsten, mit einer Fülle von verschiedenen Instrumenten und Ideen gepflasterten Stücken eine gemeinsame Struktur, die nur noch genau dann kurzzeitig aufgelöst wird, wenn Holter es wirklich so beabsichtigt. Aus den Texten auf „Loud City Song“ spricht eine tief verwurzelte Angst vor Einsamkeit und Identitätsverlust, die dank der lyrischen Tiefe geradezu auf beängstigende Weise mit den kühlen Art-Pop-Arrangements verschmilzt. Ein wahrhaft schaurig-schönes Werk. (Felix Lammert-Siepmann)


Jon Hopkins

„Immunity“

[Domino]

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Jon Hopkins‘ jüngste Remixe und Kollaborationen klangen wie Versprechen, die sein diesjähriges Album auf die denkbar erfüllendste Art und Weise einlösen konnte. Wie nur wenigen Alben gelingt es „Immunitiy“, mit seiner Idee von Techno sowohl die klassische Club- als auch die Indiefraktion abzuholen. Hier umspielen melancholische Melodiebögen den typischen 4/4-Takt, umwehen shoegazige Bassflächen das Triumvirat aus Kick, Snare und Hi-Hat. Klingt nicht unbedingt neu und aufregend, im Gegensatz zu vielen anderen Techno-Romantikern der letzten Jahre schafft es Hopkins jedoch, seinen Klanggemälden einen Rest progressiver, ja aggressiver Kante zu bewahren. So offen und gleichzeitig charakteristisch klang Techno in diesem Jahr nirgends sonst. (Bastian Heider)


Touché Amoré

„Is Survived By“

[Deathwish Inc.]

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Touché Amoré machen Musik auf Augenhöhe ihres Publikums. Nicht mit kumpelhafter “Zusammen an der Theke einen trinken”-Anbiederei, sondern mit Shows, bei denen Jeremy Bolme für jede vierte Textzeile das Mikro an die Kids in der ersten Reihe hält. So selbstverständlich wie seine Band sich die Bühne mit Metallern teilt oder ein Emo-Nebenprojekt führt, versteht sie es, Elemente aus Jahrzehnten des Punk, Hardcore und Post-Hardcore modern zu einem organischen großen Ganzen zu verweben. Die Songs mögen auf ihrem drittem Album länger sein, weniger abrupte Breaks und mehr eingängige bis hymnische Melodien haben, doch die kathartische Stärke insbesondere in Bolmes Stimme ist dadurch nur noch gewachsen, wenn er wie in Umarmung am Ende „This is survived by who held me up/ this is survived by who sang the song“ entgegenreicht. (Uli Eulenbruch)


Kurt Vile

„Wakin On A Pretty Daze“

[Matador/Beggars]

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Es bleibt dabei: Kurt Vile kann einfach keine schlechten Alben machen. Mehr noch, er wird immer besser. „Wakin On A Pretty Daze” setzt auf den Vorgänger „Smoke Ring For My Halo“ nochmal eins drauf, mit der bekannten ungehörigen Lässigkeit hangelt Vile sich über ausschweifende Melodie- und Erzählbögen von Geschichte zu Geschichte. Auf „Wakin On A Pretty Daze” kommt seine Gabe, das Gefühl für Zeit und Raum komplett auszublenden, so deutlich wie bisher noch nie zur Geltung. Ganz gleich ob im zehnminütigen Opener oder in den kürzesten Stücken, die Zeit verschwimmt, spielt keine Rolle mehr, wenn Vile mit seiner Akustikgitarre und seinem aufreizend desinteressierten Gesang alle in Hypnose versetzt. Das leichtfüßigste Album des Jahres. (Felix Lammert-Siepmann)


Daft Punk

„Random Access Memories“

[Columbia]

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Diesen Epic-Rock-Auftakt hätte wohl niemand auf dem Schirm gehabt, der noch den vokoderinfizierten Elektroschmock und die unglücklichen „Tron: Legacy“-Versuche im Ohr hatte. Abgeschrieben, auferstanden und aufgefahren in die Jahrescharts: Daft Punk haben mit maximal nervender Begleitpromotion ein Album abgeliefert, das vielseitiger und spannender nicht hätte erwartet werden können. Von Moroder-Pop bis Crooner-Funk sind sämtliche Spielarten Daft-Punk’scher Referenzen auf diesem Album enthalten, das mit über 40 Musikern über weite Strecken live eingespielt wurde und zum ultimativen Triumpf der Band erwuchs. Ein Spätwerk mit Strahlkraft, denn mit „Get Lucky“ haben sie nebenbei gleich den Top-Hit des Jahres abgeliefert, der bereits jetzt gemütlich seinen Platz in der Musikgeschichte eingenommen hat. (Markus Wiludda)


Danny Brown

„Old“

[Rykodisc]

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Wie gemeinhin erkannt wurde, hat Danny Browns „Old“ zwei Seiten. Statt wie gemeinhin von einer reflexiven und einer feierwütigen Hälfte zu sprechen, hätte man das Album aber auch einfach in „krass“ und „sehr krass“ unterteilen können: Brown rappt sich zunächst reumütig und verbesserungswillig durch all seine Verfehlungen, dann durchlebt er sie noch mal in einer ausgesprochen freudlosen Relapse-Inszenierung, an deren Ende man genauso geschafft neben dem Klo liegt wie der Protagonist selbst. „Old“ war eines der deprimierendsten HipHop-Großereignisse des Jahres. Es war aber auch musikalisch und raptechnisch aufregend, ausgereift bis an den Rand der Perfektion und immer wieder entwaffnend lustig. (Daniel Gerhardt)


The National

„Trouble Will Find Me“

[4AD/Beggars]

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Das Problem der stagnierenden Zielgruppe: Diejenigen, die The National nicht mochten, werden „Trouble Will Find Me“ nicht mögen, ja, nicht mögen können. Dafür fehlen die offensichtlichen Hits wie „Bloodbuzz Ohio“, dafür sind die beispiellosen „I Should Live In Salt“ oder „This Is The Last Time“ (diese letzte Minute!) zu sehr Liebe auf den zweiten, dritten, siebzehnten Blick. Grund zu Sorge? Keineswegs, wechselt man erst einmal die Perspektive: „Trouble Will Find Me“ ist vielmehr sowas wie Freibier für all diejenigen, die eh schon die Dauerkarte haben. Das Glas Wein auf die Fans, auf sich selbst. Eine Verneigung unter Freunden, eine intime Veranstaltung. Irgendwann an diesem fies verregneten Novemberabend in Düsseldorf, genauer gesagt zum Abschluss des regulären Sets, spielten The National meinen persönlichen Song des Jahres, meine Zeilen des Jahres: „Said it would be painless. It wasn’t that at all.“ Ein Album werden sie hoffentlich noch machen. (Pascal Weiß)


HAIM

„Days Are Gone“

[Vertigo Berlin]

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Nur wenige Platten spalteten 2013 die Hörerschar so sehr wie das Debüt von HAIM. Drei Schwestern machten sich auf, um eines der bestmöglichen kontemporären Alben zu veröffentlichen. Was war daran so falsch? Letztendlich war das mediale Echo überschwänglich positiv, was einige Hörer nicht nachvollziehen konnten oder wollten und ihrem Frust darüber freien Lauf ließen. Whatever, „Days Are Gone“ ist das Frischeste, was der Pop 2013 zu bieten hatte, da Danielle, Este und Alana Haim Soundelemente von Fleetwood Mac, den Eagles, Michael Jackson, TLC und noch vielen weiteren zu einem neuen, eigenständigen Klangentwurf vermengten, der am Ende des Tages den größtmöglichen Vergnügungsfaktor bot. Auch live waren HAIM eine echte Schau, spielten, gniedelten und trommelten sie sich doch die Seele aus dem Leib. Dass sie sich darüber hinaus im persönlichen Gespräch als äußerst quirlig und smart erwiesen, macht die Musik nicht besser oder schlechter, lässt sie aber noch sympathischer erscheinen als ohnehin schon. (Kevin Holtmann)


The Knife

„Shaking The Habitual“

[Pias Coop/Rabid]

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Etliche Alben hatten in diesem Jahr das Potential, ihre Hörerschaft zu spalten. So auch „Shaking The Habitual“, dieser 98-minütige, zuckende und elektrisierende Koloss. Sicher werden The Knife dafür mit so mancher Nennung in den anstehenden „Most overrated“-Listen bedacht, aber „Shaking The Habitual“ hat fraglos seine Stärken und vereint dutzende Superlative hinter seiner rosaroten Fassade. Es ist maximal facettenreich und dennoch in sich geschlossen; es birgt minutenlange, dronige Experimentalstücke und gleichzeitig eine Fülle großartiger Electro-Pop-Songs. Diesen mutigen Spagat macht ihnen so schnell niemand auf einer solch großen Bühne nach. (Constantin Rücker)


Banque Allemande

„Willst Du Chinese Sein Musst Du Die Ekligen Sachen Essen“

[S-S]

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Mit der wohl derzeit besten deutschen Band, die bei uns kaum jemand kennt, bewahrheitet sich einmal mehr der Spruch vom Propheten im eigenen Land. So sind die Platten von Banque Allemande aus Berlin nur als Import aus den USA, dem Sitz ihres Labels, oder als Download zu haben. Dieser Umstand erscheint noch ein wenig absurder, wenn man sich vor Augen führt, dass Banque Allemande durchweg Deutsch singen, was normalerweise nicht gerade zur Popularität im angloamerikanischen Raum beiträgt (es sei denn, man ist Rammstein oder Einstürzende Neubauten). Vielleicht ist es ihr Noiserock-Ansatz, den man durch seinen Minimalismus und seine krautige Tektonik durchaus im positiven Sinne, wie bei Kraftwerk oder Can, als teutonisch bezeichnen kann, der ihnen außerhalb des deutschsprachigen Raumes Aufmerksamkeit beschert. Wir lieben sie allerdings auch für solche beinahe vom Adorno’schen Kulturpessimismus beseelte Zeilen wie „Wir suchen das Leben in unseren Maschinen und finden den Tod“ oder „Und im Radio läuft Radio – Musik“. (Mark-Oliver Schröder)


Arcade Fire

„Reflektor“

[Vertigon Berlin]

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Als klar war, dass James Murphy das später benannte „Reflektor“ produzieren und dabei auch noch ein Doppelalbum (im klassischen LP-Sinn ist es das von der Länge ja auch geworden) herauskommen würde, waren die Meinungen bereits gespalten, alle Standpunkte geklärt, der Zug abgefahren: „Wird sicher mehr Disco“, also ganz im Stil von „Sprawl II“, als die Kanadier die Richtung schon andeuteten. Bevorzugt auch: „Bestimmt so ein größenwahnsinniges Ding jetzt.“ Wie zufriedenstellend muss es sein, wenn zumindest einmal auch alles genauso eintritt? „Reflektor“ ist tatsächlich das ganz große Musik-Event des Jahres, ein Spalter ganz bestimmt, detailversessen bis in die letzte Rille und damit ein Kopfhöreralbum für die gemeinschaftliche Tanzfläche – der Facebook-Snapshot mit Zeitgeistpotential. Fest steht: No one is losing his edge here. (Pascal Weiß)


Ka

„The Night’s Gambit“

[Iron Works]

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Nicht Kanye, nicht Earl Sweatshirt und auch nicht Danny Brown heißt der Verantwortliche hinter unserem Rap-Album des Jahres. Nach über 20 Jahren im Business und mit eher stillen Tugenden sichert sich Außenseiter Ka den Thron. Dabei reflektiert er gleichermaßen die Rap- als auch seine ganz persönliche Geschichte. „The Night’s Gambit“ versteht sich als Hommage an die goldenen 90er, die anders als bei den jüngeren Kollegen um Pro Era und Co. niemals nostalgisch oder gar verklärend daherkommt. Eingebettet in minimalistische Beats und seinen schleppenden, hypnotischen Flow entwickeln Kas Geschichten ihren Sog. Die Themen sind die üblichen: Gewalt, Drogen, Leben und Sterben in Brownsville, NYC. Durch die zurückhaltende, abgeklärte Art des Vortrags entzieht sich Ka jedoch den auf Entertainment ausgerichteten Regeln des Rap-Geschäfts. „The Night’s Gambit“ ist ein schonungsloses, ja erschöpfendes Meisterstück. (Bastian Heider)


Nick Cave & The Bad Seeds

„Push The Sky Away“

[Bad Seed Ltd.]

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Natürlich ruhen die Bad Seeds nie, schon die ständige Feinjustierung ihrer Besetzung hat sie in den letzten 30 Jahren zur verlässlichsten und zweitberühmtesten Backingband der Welt gemacht. Auf „Push The Sky Away“ aber inszenieren sie sich in Lauerstellung. Das ruhige, von Nick Cave besonnen geleitete Album tänzelt in neun fehlerlosen Songs um alle Ausbrüche und Momente des Kontrollverlusts herum. Es entwickelt sich so zu einer im besten Sinn erwachsenen und ausgereiften Form von Rockmusik, bei der schon die vielen Leerstellen spannender sind als das Meiste, was andere Bands spielen. Cave liefert dazu die Gesangs-Performance seines Lebens. Jedes Wort im Wörterbuch lässt sich aus seinen Vocals heraushören, jede denkbare Gefühlslage wird mit meisterhafter Präzision umgesetzt. (Daniel Gerhardt)


Forest Swords

„Engravings“

[Pias UK/Tri Angle]

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„Für die Jahrescharts!“, signierte unser Redaktionsprophet seine Rezension zum offiziellen Debüt von Forest Swords und stocherte doch so wunderbar hilflos mit Worten im Dunkel. Narbenhafter Versehrtheitsschmerz, jubilierende Darkbeats oder bloß zeitgemäßer Painpop? Alles und nichts von dem trifft zu, denn nur das ureigene Gefühl und die eigene Empfindung vermögen dieser Platte eine umfassende Beschreibung zu geben, die sich sonst allen Formulierungen sonderbar mit Nachdruck verwehrt. „Engravings“ ist als Album durch und durch ein Mysterium. Manchmal stümperhaft zusammengetackert, sodass man Angst hat, die Nadel würde es auf dem Vinyl nicht noch zum nächsten Track schaffen. Manchmal jedoch ebenso fantastisch organisch und repetitiv, dass dieses Album als Dub-Gospel alle Hoffnung auf sich vereint. Diese Zerrissenheit und subtile Tiefe ist das hoch eigenwertige Konzept von Matthew Barnes, der leiernd, verhacktstückt und gänzlich neben der bemoosten Spur musiziert und uns 2013 einfach sprachlos zurücklässt. (Markus Wiludda)


Deafheaven

„Sunbather“

[Deathwish Inc.]

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Ob Deafheavens zweites Album nun ein mutiger kühner Entwurf ist, der auf bornierte Szenekodes pfeift oder eine Anbiederung an den (Indie-)Mainstream, darüber wird man in gewissen Kreisen wohl jetzt erst recht streiten, wo „Sunbather“ auf so mancher Jahresendliste als einziges metallisches Werk auftaucht. Doch was ist es, das es so einer un-metaleingefleischten Menge von Menschen so nah brachte? Dass es von Black-Metal-Tremolo kein weiter Weg zu Shoegaze-Soundwänden oder von wallenden Blastbeats zu postrockigen Himmelexplosionen ist, ist nicht erst seit Alcest, Agalloch oder Liturgy erkennbar, auch bieten die klaren Melodien und George Clarkes kathartische Shouts einen vertrauten Zugang für Screamo-Posthardcore-sozialisierte. Immer noch werden musikalische Szenen oft nur als abtrennendes Distinktionsmittel gesehen, aber gerade dass man sich Deafheavens facettenreicher Musik aus mehreren verschiedenen Perspektiven nähern kann, macht einen Großteil ihres einigenden Reizes aus. Das wirklich Universale an „Sunbather“ ist aber die große Emotionalität, die aus ihm fließt. Dies ist vermeintlich „harte“ Musik, die zugleich passioniert und bedächtig Weichheit und Verwundbarkeit vermittelt, die in jeder berauschenden Faser Momente der Erinnerung auf Ewigkeit festzuhalten sucht und nicht vergessen (werden) will. (Uli Eulenbruch)

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