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AUFTOUREN 2016 – Das Jahr in Tönen

Nur wenige kommen im ersten Ansatz zum Meisterwerk , denn da steckt schließlich auch das Wort „Meistern“ drin. So muss man in diesem Jahr schon jenseits unserer Top 10 schauen, um ein Debütalbum zu finden, was nicht bedeutet, dass hier bloß Stammgäste eine souveräne Ehrenrunde drehen.

Neben bislang eher weniger bekannten Namen wie The Body, Mitski und Ian William Craig zeigen sich so einige vertraute KünstlerInnen dieses Jahr besonders mutig, schonungslos, ambitioniert, politisch, emotional im Vollbesitz ihrer künstlerischen Möglichkeiten und Motivationen – selbst wenn es für mehrere darunter ihr letztes Werk war. Das möchten wir würdigen und hiermit unsere fünfzig Konsensalben aus 2016 anführen – und wie immer natürlich auch selbst ein paar Worte dazu verlieren. Wir hoffen, ihr lest sie euch durch und findet dabei auch noch die eine oder andere Neuentdeckung. Los geht’s:


50

School Of Seven Bells

SVIIB

[Full Time Hobby]

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Es ist wahrscheinlich unvorstellbar, wie viel Kraft es Alejandra Deheza gekostet haben muss, dieses Album zwei Jahre nach dem Tod ihres Mitstreiters und Expartners Benjamin Curtis doch noch aus dem Archiv zu holen und zu vollenden. Dabei ist „SVIIB“ auch ohne den traurigen Hintergrund ein wunderbares Statement: Die Sounds klingen taufrisch, vor allem die Synthies blitzen geschickt platziert hartnäckig und funkelnd auf und lassen so etwas wie Stillstand erst gar nicht vorkommen. Überhaupt überrascht das Album mit etlichen explosiven Momenten, die perfekt mit der nie nachlassenden Aufrichtigkeit in Dehezas Stimme harmonieren. Selbst in dunkleren Minuten verliert „SVIIB“ nie diesen Faden. (Felix Lammert-Siepmann)


49

EXEC

The Limber Real

[Tambourhinoceros]

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2016 zeigte sich nicht selten von seiner wirklich unschönen, um nicht zu sagen: schrecklichen Seite. Da passt es nur zu gut, dass auch die pessimistischen, verbitterten Stimmen in diesem Jahr die Oberhand hatten. Troels Abrahamsen hat dieses Gefühl auf die Spitze getrieben. Auf „The Limber Real“, dem Debütalbum seines Solo-Projekts EXEC, ist der Sound auf zwei Dinge beschränkt: ein Piano und Abrahamsens markerschütternde Stimme. In diesen Miniaturen ist gute Laune Fehlanzeige, vielmehr vertont EXEC seine Vorstellung, dass jeder Mensch letztendlich allein auf der Welt ist. Wer danach nicht eingerollt und wimmernd in der Ecke liegen möchte, sollte den Nihilismus der Platte in kleinen Dosen genießen. Denn dann ist er nicht nur bedrückend und tiefschürfend, sondern vor allem wunderschön. (Benedict Weskott)


48

Kaitlyn Aurelia Smith

EARS

[Western Vinyl]

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Wir dürfen vorstellen: Ende 20, Synthesizer-Nerd, Jahrescharts-Kandidatin. Kaitlyn Aurelia Smiths Karriere gewann dabei erst an Fahrt, nachdem sie ihre Folkband gegen unzählige Retro-Synthies eintauschte. Sechs Jahre ist das nun her, unlängst an Sicherheit gewinnend. So mäandert „EARS“ selbstsicher durch die vielen Relais und Kabel, die hier einen verzückend-organischen Sound produzieren, der in seiner psychedelischen und meditativen Verschwurbeltheit nicht nur an „early electronics“ erinnert, sondern diese fast 1:1 nachahmt. Es wäre ein Leichtes, diesen Ansatz als unzeitgemäß und überholt zu klassifizieren, wäre nicht da auch diese lebensfrohe Leichtigkeit in den verspulten und geradezu liebenswürdigen Klangminiaturen, deren Fortsetzung Smiths gemeinsames Album mit Suzanne Ciani bildet. Nicht minder großartig. (Markus Wiludda)


47

Tindersticks

The Waiting Room

[City Slang]

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Nachdem Stuart A. Staples und seine Begleiter schon immer ein großes Faible für Soundtracks gehabt haben, gab es genau genommen ja keine näherliegende Idee, als den Spieß umzudrehen und kurzerhand alle Songs auf „The Waiting Room“ mit einem eigenen kleinen Film auszustatten. Das Material ist jedenfalls vorhanden, denn lange klang die Band nicht mehr so erhaben cineastisch wie hier. Und das mag etwas heißen, schließlich haben sich Tindersticks ihren Ruf als britische Gentlemen hart erarbeitet und konstant ausgebaut. Vor allem die Duette erweisen sich fast so wie in den ersten Alben als Salz in der Suppe. Wenn Jenny Beth von Savages in „We Are Dreamers“ zurückhält, aber doch kraftvoll einsetzt, klingt das jedenfalls schon wie im schönsten Lynch-Albtraum. (Felix Lammert-Siepmann)


46

Sturgill Simpson

A Sailor’s Guide To Earth

[Atlantic]

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Vielleicht ist Sturgill Simpson einer der Heilsbringer moderner Countrymusik, ganz bestimmt aber einer ihrer größten Hoffnungsträger. Mit einer herausragenden Stimmfarbe gesegnet und beseelt vom familiären Nachwuchs, entwirft er auf „A Sailor’s Guide To Earth“ einen wahrhaft begeisternden Bilderbogen, seinem Sohn einen Weg in die Welt zu weisen. Soulige Motown-Momente wie im grandiosen „Welcome To Earth (Pollywog)“ treffen auf weiche Westcoast-Fantasien, doch überzieht Simpson jeden Song mit einer merkbaren Country-Firnis, die dem geschlossenen Charakter des Albums erheblich zu Gute kommt. Mit dem bestechenden Nirvana-Cover „In Bloom“ und „Brace For Impact (Live A Little)“ hält „A Sailor’s Guide To Earth“ zudem ein gewaltiges Doppelbiest aus Bombastblues und Power-Pop der besten Sorte bereit. (Carl Ackfeld)


45

Dedekind Cut

$uccessor

[NON Worldwide]

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Unzählige Veröffentlichungen pflasterten 2016 den Weg von Fred Welton Warmsley: Ein Outtakes-Album unter dem Alias Lee Bannon, eine rattenscharfe EP mit Rabit und eben das Dedekind-Cut-Debüt mit Beats aus der Waschküche. Eine zerstoben-diffuse Angelegenheit mit raumtiefem Hall und Melodien, die wie Wollmäuse in der Ecke liegen und per Bass-Boost auf- und abwippen, während der dauersummende Staubsauger schon im Anflug ist. Kurzum: Eine der interessantesten Ambient/Experimental-Platten des Jahres, die sich sowohl auf die Komfort-Zonen als auch die abseitigen Wendungen verlassen kann, die bei jedem Hördurchgang noch eine weitere Facette darbieten. (Markus Wiludda)


44

Chance The Rapper

Coloring Book

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Das Warten bis zum offiziellen Debütalbum gestaltet sich bei Chance The Rapper zur endlosen Hängepartie, bevor es 2017 dann soweit sein soll. Sein Mixtape „Acid Rap“ von 2013 und sein diesjähriges nähren die Gewissheit, dass der 28jährige sogleich in die 1. Riege der amerikanischen Popstars aufsteigen wird. Eingängigkeit, Lässigkeit und Varianz über Genregrenzen hinweg – das sind die Zutaten, die wie Gummibänder „Coloring Book“ zusammenhalten. So übersieht man auch leicht manch zynische Zeile, manch augenzwinkernde Selbstbeschau, die auch inhaltlich das Werk säulenartig stützen. Manche mögen sich an den religiösen Gospel-Beschwörungen stören, entziehen kann man sich der stimmungs- und salbungsvollen Soul-Rap-Melange nicht, die sich wie ein universalistisches Gut der Friedlichkeit und Gemeinschaft verbreitet. Kein Wunder, dass selbst Jay Electronica als Muslim hier gerne im Background-Chor singt. (Markus Wiludda)


43

Weyes Blood

Front Row Seat To Earth

[Mexican Summer]

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Da gibt es wenig drum herum zu reden: Weyes Bloods „Do You Need My Love“ ist einer der ganz großen Songs dieses Jahres. Scheinbar mühelos schlägt Natalie Mering hier mit einer unfassbaren Hingabe einen Bogen vom Piano-Rock der Siebzigerjahre in die vertrackte Neuzeit und lässt ihre grobe Noise-Vergangenheit fast komplett hinter sich. Mehr denn je in ihrer Solokarriere ist „Front Row Seat To Earth“ dann auch ein Album, das eher von seinen etlichen starken Songs lebt, als dass es ein homogenes Gesamtbild abgibt. Doch das scheint aktuell genau das richtige Rezept für Mering zu sein: weniger Experimente, weniger Lärm und dafür umso mehr Harmonie. (Felix Lammert-Siepmann)


42

Shura

Nothing’s Real

[Polydor]

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Kaum ein Album navigierte dieses Jahr die emotionalen Grauzonen feinfühliger. So weich beklatscht und saitenbehaucht sich der Groove von „Touch“ auch anschmiegt, ist die Intimität des Songs nur ein Echo der Vergangenheit, das wie ein Instinkt noch im Körper verweilt. Wo Shura hier „I want to touch you but I’m too late“ singt, konkretisiert sich in „2Shy“ auch nur die physische Umgebung einer zaghaften Annäherung („Walking home down the Uxbridge Road/ Headphones on, I got a cigarette rolled“), doch ihr Electro-Pop funkelt dazu mit ungleich schärferen, sich der eigenen Stärken bewussten Melodien auf. Dass sie in „Tongue Tied“ abermals die Worte „too shy“ verwendet, oder wie bei „Indecision“ auch mal von ihren hadernden Gegenübern eine Entscheidung einfordert, untermauert nur noch mehr, wie undurchsichtig dieses ganze Miteinandersein für alle Beteiligten sein kann. „Nothing’s Real“ ist Pop mit Vorsicht, zum Genießen. (Uli Eulenbruch)


41

Kamaiyah

A Good Night In The Ghetto

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Eigentlich keine gute Idee, im März ein so offensichtlich für den Sommer prädestiniertes Debüt in den reißenden Strom neuer Mixtapes zu werfen, doch die Anlaufzeit hat „A Good Night In The Ghetto“ keinen Deut geschadet. Neben schonungslos ernster Erzählung paart Kamaiyah gleichermaßen Hedonismus und alberne Selbstbeschreibungen mit treibendem Mustard-Wave, gläsernem Funk-Hop und geht mit „One Love“ oder „Break You Down“ sogar einen Schritt Richtung mitternächtlichem Electro-Pop, ohne den Fokus zu verlieren. Dabei besitzt die Westküsten-Rapperin eine stimmliche Intensität, die nicht einmal der stechenden Intonation von „Freaky Freaks“ bedarf, trotz gesangsmäßig langgezogener Vokale ist so der Tonfall wie bei „Ain’t Going Home Tonight“ ein lässig-konversationeller. Auch wenn der Sommer vorbei ist: Kamaiyah bleibt die Spitzenkandidatin für ein Mixtape mit Albumqualität. (Uli Eulenbruch)


40

Bibio

A Mineral Love

[Warp]

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Wozu festlegen, wenn es doch so viele Möglichkeiten gibt? Bibio war nie Freund von Genrezuschreibungen und eingegrenzten Musikwelten. Entsprechend bedient sich sein siebtes Album „A Mineral Love“ hier und da und überall, frei nach dem Motto: „Einmal alles bitte!“ Zwischen melancholischem Elektropop, tanzbaren Breakbeat- und Deep-House-Elementen, verträumtem Jazzpop, aufgekratzter Electronica und fröhlichem Folkpop ist wirklich nichts unmöglich. Dieses Gefühl ist so erbauend wie fordernd, weil das Album eben mit jedem Song eine vollkommen neue Richtung einschlägt. Vor allem ist es aber beeindruckend und bleibt im Gedächtnis. Bibio wird mit jedem Album besser. (Benedict Weskott)


39

Damien Jurado

Visions Of Us On The Land

[Secretly Canadian]

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Die Reise hat ein Ende. Mit seinem diesjährigen Werk beendet Jurado einen Albenzyklus, der 2012 mit „Maraqopa“ begann, mit „Brothers And Sisters Of The Eternal Son“ seine Fortsetzung erlangte und nun mit dem verstiegenen „Visions Of Us On The Land“ einen Abschluß und gleichzeitigen Höhepunkt erfährt: psychedelischer Folk, in 17 kurzen wie kurzweiligen Stücken zu Gehör gebracht und wie durch ein Kaleidoskop betrachtet, in immer wieder neue Zusammenhänge gesetzt. Jurado lässt hierbei zwar seinen lyrischen Protagonisten in den Schlieren seines eigenen Bewusstseins verschwinden, „Visions Of Us On The Land“ ist dennoch geprägt von einer Vagheit, die Neugier schürt und doch die Erwartungen bestätigt. Dass sich die verstiegene Stimme des Sängers nach wie vor hervorragend in die von Richard Swift inszenierte Produktion einbettet, darf dabei ruhig als gelungene Fußnote betrachtet werden. (Carl Ackfeld)


38

Jóhann Jóhannsson

Orphée

[Deutsche Grammophon]

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Man weiß bei Jóhann Jóhannsson nie so genau, ob nun die Landschaft Schwingung geworden ist – oder die Schwingung Landschaft. So elegisch und pathetisch offenbart sich seine Musik, die auf „Orphée“ nicht selten am Grat zum Klassik-Kitsch kratzt. Diese Lieblichkeit in Verbindung mit der Rasanz beunruhiger Untertöne gelingt dem Isländer auf seinem Deutsche-Grammophon-Debüt jedoch so leichtfüßig, dass man sich schnell in genau dem traumwandlerischen Ort wiederfindet, dem die Piano- und Geigenklänge entstammen. Eine watteweiche Parallelwelt mit einem über alle Maßen fantastischen Choralwerk als Schlusspunkt, eine mit Güte eingespielte Musik von einem seit Jahren stark komponierenden Musiker, der in diesem Jahr mit dem Soundtrack zu „Arrival“ gleichzeitig sein wohl schwächstes Album veröffentlichte. „Ophée“ hingegen badet in Erhabenheit. (Markus Wiludda)


37

Golf

Playa Holz

[Styleheads]

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Wer solch glatte Töne anschlägt, sollte diese lieber nicht zu dick auftragen. Wunder über Wunder, irgendwie ist dem Quartett auf seinem Debütalbum eben so ein Balanceakt gelungen. Die Golf-Saiten schwingen mit Sauberklang vom zupfenden Finger zurück, die Golf-Perkussion pingt und pongt staubfrei, die Golf-Synths sind’s in ihrem Aggregatszustandswechsel von perlend nach wolkig sowieso. Hier setzen die Kölner mal stärkere Nu-Disco-Akzente, anderswo eine neckische Kraftwerk-Hommage hin, dazwischen tauchen immer wieder überraschende Trip-Effekte wie im verzogen-taumelnden „Hannover“ oder dem feucht dröppelnden „iPhone“. Vor allem aber bleibt „Playa Holz“ stets in diesem Groove, der zugleich wie ein unscheinbares Lüftchen anmutet und dabei doch zuallermindest zum Kopfwippen bewegt. (Uli Eulenbruch)


36

Mannequin Pussy

Romantic

[Tiny Engines]

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Wenn man sich 2016 im Rückblick ansieht, könnte man zu dem Eindruck kommen, es fände weiterhin ein Paradigmenwechsel statt. Rockmusik tritt immer mehr in den Hintergrund und immer wichtiger werden HipHop oder Soul, am besten noch mit viel Pop. Dies war auch in unserer Redaktion spürbar, daher ist es umso erfreulicher, dass es „Romantic“ in unsere Jahresbestenliste geschafft hat. Hier darf das Herz auch noch für Punk schlagen, der uns teilweise mit einer Dauer von 50 Sekunden um die Ohren geschlagen wird und in anderen Songs – keiner länger als 2:30 – echte Bubblegum-Qualitäten erreicht. Musikalisch purer Spass, textlich nahezu existenzialistisch und im Ganzen natürlich großartig. (Mark-Oliver Schröder)


35

Let’s Eat Grandma

I, Gemini

[Transgressive]

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„And there is something strange in my mind/ and there is something weird in my head“. Man muss sich nicht erst bis zur Selbstdiagnose in „Rapunzel“ durch das Debüt des Duos aus Norwich hören, um zu einer ähnlichen Beschreibung zu gelangen. „I, Gemini“ ist eben ziemlich weird, schräg, merkwürdig, nicht ganz richtig – und auf die angenehmste Art beunruhigend. Es sind Let’s Eat Grandmas verhobene Harmonien wie in „Eat Shiitake Mushrooms“, ein Instrumentarium inklusive leiernder Miniorgel, Saxophon und britisch-traditioneller Folk-Klampfe und gewiss auch die Albtraum-Märchen-Texte, die ihrem ungewöhnlichen Blickwinkel auf Popmusik eine vergnüglich anarchische Würze geben. (Uli Eulenbruch)


34

Deakin

Sleep Cycle

[My Animal Home ]

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Dass die scheinbar unendliche Geschichte um Deakins erstes Soloalbum im April doch noch ein mehr als versöhnliches Ende fand, könnte auch damit zusammenhängen, dass man auf „Sleep Cycle“ vieles von dem findet, was das wenige Monate zuvor veröffentlichte Album seiner (Teilzeit-)Kollegen vielleicht in den Ohren mancher vermissen ließ. Die warmen, zusammengestülpten und in sich gekehrten Strukturen sind dabei viel mehr als nur ein Aufguss früherer Alben von Animal Collective. Die beinahe kindliche Freude, mit der Deakin hier zu Werke geht, befreit von jedem Druck, die nächste große Melodie liefern zu müssen, die es wie selbstverständlich dennoch gibt, wird das Album ganz schnell zum Selbstläufer. (Felix Lammert-Siepmann)


33

Wolf People

Ruins

[Jagjaguwar]

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Psychedelic Rock der 1960er- und 1970er Jahre, gepaart mit verschrobener britischer Attitüde, macht noch längst kein gutes Album. Es muss also noch andere Gründe geben, warum „Ruins“ in dieser Liste auftaucht. Zum einen versteht es die Band grandios, die Mystik der Natur (Mittelpunkt: das dreiteilige „Kingfisher“) und ihrer Heimat zu beschreiben, ohne dabei in allzu billige Klischees zu verfallen – und das trotz der ausgefallenen König-Arthur-Statue auf dem Cover. Zum anderen halten Wolf People für jeden lieblichen Impuls mindestens einen auftosenden bereit, der das Album stets weit und kompromisslos vorantreibt. So wird aus „Ruins“ zeitweise ein wahrer Höllenritt durch Sagen und Naturlandschaften, der geradezu nach einer Fortsetzung schreit. (Felix Lammert-Siepmann)


32

Car Seat Headrest

Teens Of Denial

[Matador]

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„Teens Of Denial“ ist neben „Rot Forever“ von Sioux Falls die Indie-Rock -Entdeckung des abgelaufenen Jahres. Car Seat Headrest verstehen es, verschrobene wie eingängige Arrangements, die tief geschult sind am amerikanischen Indiekanon, mit Verve und Chuzpe zu servieren. Mastermind Will Toledo garniert diese mit ebenso intelligenten wie lustigen Texten, die auch im Refrain schon mal zum Mitsingen einladen. (Mark-Oliver Schröder)


31

Katie Gately

Color

[Tri Angle]

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Ein überaus erfolgreiches Jahr für Tri Angle geht zu Ende. Ein Jahr, in dem sich das Label auch breiter aufstellte: Statt nervöse Beats aus dem musikalischen Abseits zu veröffentlichen, überzeugt die Öffnung hin zum experimentellen Soul (serpentwithfeet) und Art-Pop – wie bei Katie Gately. Deren große Stärke besteht in der mühelosen Verzahnung von Folk, Indie und Elektronik, die sich gänzlich unkonventionell und doch nahbar zeigt, lässt man sich nur darauf ein. Die wundersamen Melodien liegen verbuddelt unter jeder Menge spinnerter Ideen, abseitigen Songwuchses und rumpelnder Verschleppung, die ihr Heil mal in orchestraler Wucht, mal in introvertiertem Schattentheater suchen.Vielleicht liegt es genau daran, dass diesem denkenswürdigen Werk bislang nur wenig Resonanz zuteil wurde. Viel Spaß beim Ausgraben! (Markus Wiludda)


30

SubRosa

For This We Fought The Battle Of Ages

[Daymare]

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Dass Streichinstrumente ganz formidabel zu Doom passen, ist dank My Dying Bride keine neue Erkenntnis. Kaum lässt sich jedoch eine Band finden, die ihren Sound mit Geigen zu so einer bestechenden Eigennote geführt hat wie SubRosa. Die Kompositionen ihres vierten Albums umfassen meist über zweistellige Minutenzeiten mehrere Täler, Gipfel und Zwischenplateaus, dass es einer ambitionierten Erzählung gleicht. Zwischen den Violistinnen Sarah Pendleton und Kim Pack entwickelt sich so in „Black Majesty“ ein dramatisches, minutenlanges Wechsel- und Kontraspiel über einem stürmischen Verstärkerwogen, das später unter mehrfachem Runterbrechen ganz zu verebben scheint, mit dem präsenter gewordenen Schlagzeug-Wuchten aber immer noch einmal neues Leben schöpft. Die Geigen werden dissonant, je weiter SubRosa die Entropie treiben, zugleich tritt mit der Stimme von Rebecca Vernon die größte melodische Stärke in den Vordergrund – sie steht fest, ob von Kakophonie umspült oder wie hier von fein gehauchten Begleitvocals.(Uli Eulenbruch)


29

JaKönigJa

Emanzipation Im Wald

[Buback]

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JaKönigJa sind seit jeher Garanten für textlich verqueren, deutlich unter dem Mainstream segelnden Diskurspop. Mit einigem Abstand zur letzten Veröffentlichung zeichnet sich „Emanzipation Im Wald“ vor allem durch ein idyllisches Klangbild aus, dem Ebba und Jakobus Durstewitz lakonisch duftende Wortspiele aus Feld und Flur beifügen. Das elektroarme Werk strahlt dabei fast so viel Wärme wie das wunderbare Albumcover aus und lässt zuweilen gar an den barocken Wohlklang eines Van Dyke Parks denken. Dennoch beweist das Hamburger Ehepaar immer noch ausreichend fantasievolle Querköpfigkeit, wenn es in den schrägsten Momenten des Albums wahlweise „spukhafte Fernwirkung“ attestiert oder die Zukunft dem Pferd zuschreibt. (Carl Ackfeld)


28

The Avalanches

Wildflower

[XL / Beggars]

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Schon die ersten Hörproben ließen vermuten: „Wildflower“ ist rückwärtsgewandt im besten Sinn. Genau wissend, dass sich der durchschlagende Erfolg von „Since I Left You“ sowieso nicht 1:1 wiederholen lassen könnte, haben es The Avalanches dabei belassen, nur an ganz kleinen Stellschrauben zu drehen. Die neuen Gastmusiker sind schon die größte Veränderung, das Sampling wurde etwas zurückgefahren, doch die beschwingte Grundausrichtung bleibt bestehen. Genau richtig so, möchte man meinen, denn das Jahr 2016 hat diese fröhliche, lebensbejahende Einstellung dringend nötig. Nicht zuviel Gesellschaft, wenig Politik, dafür viele Alltagsgeschichten aus Nachbarschaft und Freundeskreis, umspült von weichen Texturen und nicht zuletzt einer unfassbar lässig vernetzten Mischung aus HipHop, Bigband und Funk bringen wenigstens etwas Abwechslung in die triste Welt. (Felix Lammert-Siepmann)


27

Angel Olsen

MY WOMAN

[Jagjaguwar]

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Unbeschreiblich weiblich: Mit ihrem dritten Album hat sich Angel Olsen endgültig etabliert. „MY WOMAN“ ist noch eine Spur selbstbewusster als der Vorgänger, vor allem zu Beginn nimmt Olsen Fahrt auf und nutzt zu twangenden Gitarren markige Worte. Doch eben nicht nur getreu dem Motto „Shut Up Kiss Me Hold Me Tight“ finden sich gerade in der zweiten Albumhälfte epische Gedankenexperimente wie das im Gitarrentrubel verlandende „Sister“ oder der von Erinnerungsmomenten durchzogene Schlafzimmerpop von „Those Were The Days“. So raumgreifend und intim zugleich wie im titelgebenden „Woman“ war Olsen zudem nie und lässt „MY WOMAN“ schnell zu einem bandbreitenbrechenden Kleinod werden. (Carl Ackfeld)


26

Kate Tempest

Let Them Eat Chaos

[Fiction]

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Die Welt liegt in Scherben, nichts geht mehr, alles ist verloren. Kate Tempest stellt die Beschissenheit der Dinge nicht in Frage, sondern hebt sie explizit hervor – und bietet trotz allen Nihilismus und aller Verbitterung eine Lösung: Empathie. Zuvor erzählt sie in 47 Minuten die Geschichte von sieben Personen, die um 4:18 Uhr wach liegen und an der Welt verzweifeln. Wer auf „Let Them Eat Chaos“ schwere Kost erwartet, liegt also genau richtig. Zwischen absolut zeitgemäßem Conscious Rap und Spoken-Word-Passagen im Stil eines Poetry Slams zieht Tempest ein düsteres Resümee, aber ein winziges Licht am Ende des Tunnels bleibt bestehen. Aus den Scherben wird durch Liebe etwas Neues, Besseres entstehen. Wie schön es wäre, würde sie Recht behalten. (Benedict Weskott)


25

William Ryan Fritch

Clean War

[Lost Tribe Sound]

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Der umtriebige Multiistrumentalist hätte auch noch mit drei weiteren Alben in der Liste stehen können, doch zeigt „Clean War“ die unglaubliche Bandbreite des Musikers, der an der Schwelle zwischen Pop und Ambient wandelt, am besten auf. Rauschhafte Zustände, die er auf neue Ebenen hievt und schmerzhaft schöne Grenzerfahrungen, die sich nicht zwischen U- und E-Musik entscheiden wollen, lassen das Album zerrissen und einheitlich erscheinen. Fritch, der zuvor bei den experimentellen Rappern Sole & The Skyrider Band zu verorten war, schafft mit „Clean War“ eine Art Kammer-Pop, dessen gestaltwandlerische Größe an Ian William Craig oder DM Stith, mit dem er auch schon gearbeitet hat, erinnert. (Carl Ackfeld)


24

Camp Cope

Camp Cope

[Poison City]

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Mehr Katharsis wagen: Beim Hören kann man sich leicht vorstellen, wie Georgia Maq diese Stücke ursprünglich allein auf der Akustikgitarre aufnahm – erst recht, wenn „Stove Lighter“ mit „always alone in my bedroom hoping no one can hear me“ beschließt. Und dann ist da wiederum so ein politischer, persönlich geprägter Song wie „Jet Fuel Can’t Melt Steel Beams“, diese Kritik an körperlicher und sexualisierter Gewalt und ihrer medialen Repräsentation, die am liebsten in hohlen Phrasen am Wesentlichen vorbeidiskutiert. Beides formt sie mit ihrer Band zu mitreißendem Emo-Punk ohne Schnörkel, dafür mit umso mehr Tragkraft. Ein Album bestimmt von Schwermut, Wehmut, aber auch Mut – „cope“ bedeutet schließlich, Widrigkeiten zu bewältigen. (Uli Eulenbruch)


23

Oathbreaker

Rheia

[Deathwish Inc]

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Oathbreaker aus Gent haben mit „Rheia“ einen enormen Schritt getan, die Frage ist nur: wohin eigentlich? Eindeutigen Genreschubladen hat sich das Quartett schon immer gekonnt entzogen, aber auf „Rheia“ ist doch alles noch mehr anders. So verausgabte sich Caro Tanghe beim sehr guten Vorgänger „Eros/Anteros“ noch in wildem, nahezu androgynem, Geschrei, wozu die Band furiosen Blastbeat-lastigen Post-Hardcore an der Grenze zu Blackgaze intonierte. „Rheia“ behält dieses Grundgerüst zwar bei, aber Tanghe hat ihre Singstimme entdeckt. Dadurch entwickelt die Band ganz neue, beinahe zerbrechliche Seiten und schraubt die ehedem schon vorhandene emotionale Wucht in höchste Höhen. (Mark-Oliver Schröder)


22

A Tribe Called Quest

We Got It From Here… Thank You 4 Your Service

[Epic]

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Auch wenn ein Großteil des sechsten Albums von A Tribe Called Quest schon viele Monate vor der Präsidentschaftswahl fertig gestellt wurde, schwingt darin bereits die Wut und Resignation mit, die nicht nur viele Afroamerikaner nach dem Sieg Trumps verspürten. So handelt „We The People…“ vordergründig zwar von Gentrifizierung, doch gleichzeitig klingt der Refrain wie eine Sammlung der Widerlichkeiten, die Trump während seines populistischen Wahlkampfes rausgebrüllt hat: „All you black folks/ You must go /All you Mexicans/ You must go /Muslims and gays, boy we hate your ways.“ Nicht nur die politische Situation der USA, auch der angeschlagene Gesundheitszustand Phife Dawgs, der im März an den Folgen seiner Diabetes-Krankheit verstarb, sorgten dafür, dass sich die Native-Tongues-Mitglieder nach jahrelangen Reibereien noch einmal zusammenrauften. Dennoch ist „We Got It from Here… Thank You 4 Your Service“ kein nostalgischer Blick zurück, stattdessen schauen A Tribe Called Quest auf ihrem letzten gemeinsamen Album durchaus besorgt Richtung Zukunft. (Daniel Welsch)


21

Eluvium

False Readings On

[Temporary Residence Ltd.]

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Auch in diesem Jahr ist auf Matthew Cooper, diesen rastlosen und anscheinend niemals ruhenden Soundtüftler, Verlass gewesen. In einem Genre, das stets in Gefahr steht, sich selbst zu wiederholen, setzte er mit „False Readings On“ erneut ein dickes Ausrufezeichen. Mit gesampelten operatischen Aufnahmen erzeugt er von Beginn an eine Atmosphäre, die so klaustrophobisch und beklemmend ist, dass es schwer fällt, sich wieder von ihr loszureißen. Wenn sich auch noch Drones wohlwollend über die fragilen Texturen legen, so dass vieles verschwimmt und doch nichts im Unklaren bleibt, scheint es tatsächlich so, als ob sich Himmel und Hölle die Hand reichen würden. (Felix Lammert-Siepmann)


20

Kevin Morby

Singing Saw

[Dead Oceans]

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Nach Jahren auf Tour mit den Psych-Folkern Woods und The Babies zieht Kevin Morby vor den Aufnahmen zu seinem dritten Soloalbum nach Mount Washington, Los Angeles und kommt ein wenig zur Ruhe. Für die Songs von „Singing Saw“ gilt das nur bedingt, denn im siebenminütigen Titelstück verwandelt sich ein nächtlicher Spaziergang durch seine neue Nachbarschaft in einen Albtraum, als der 28-jährige Songwriter von einer singenden Säge verfolgt wird. Auch „I Have Been To The Mountain“ will keine Ruhe geben, beklagt die Ermordung des Afroamerikaners Eric Garner durch Polizisten, dazu treiben Mariachibläser und Frauenchöre den Song in höchste Höhen: „And have you heard the sound/ Of a man stop breathing, pleading?“ Nach dem spröden Vorgänger „Still Life“ poliert Morby seinen 70er-Jahre-Folk für „Singing Saw“ mit Streichern, Bläsern und tatsächlich auch singenden Sägen mächtig auf, schreibt vor allem aber die besten und vielseitigsten Songs seiner Karriere. (Daniel Welsch)


19

Sioux Falls

Rot Forever

[Broken World Media]

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Diese Band existiert nicht mehr, jedenfalls namentlich nicht. Gut ein halbes Jahr nach Veröffentlichung ihres Debüts beschlossen Sioux Falls, sich in Strange Ranger umzubenennen. Für genug Gesprächsstoff hat die Band freilich auch ohne diese Entscheidung gesorgt, denn „Rot Forever“ ist ein nur so vor Kraft strotzendes Album, dem die Beschreibung „Emo“ zwar ansatzweise gerecht wird, dessen Wurzeln aber um einiges tiefer liegen. Post-Hardcore, Indie Rock und ja, auch eine wuchtige Portion Emo der ersten Tage sind dabei, wenn sich die Gruppe aus Portland auf gleich doppelter Albumlänge austobt. Dabei verliert sie auch in den längeren Songs nie den Fokus, sorgt dafür, dass der nächste Ausbruch nie weit entfernt ist und hält somit die Intensität auf höchstem Niveau. (Felix Lammert-Siepmann)


18

Mykki Blanco

Mykki

[Dogfood MG]

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Mykki Blancos Debüt nur auf seine Entstehungsumstände oder Blanco selbst zu reduzieren, wäre sowohl frevel- als auch schablonenhaft, schließlich ist „Mykki“ eben nicht nur aufgrund von Blancos Identitätswirrwarr eine großartige, queere wie campe Trap- und HipHop-Revue geworden. Den Popappeal besorgt Woodkid und zwingt „Mykki“ so trotz aller Bedeutungsschwere und Themenvielfalt auf die Tanzfläche. Zum dystopisch blubbernden „My Nene“ lässt es sich meisterhaft zappeln und die hymnische Verneigung „For The Cunts“ bedarf ob des Titels keiner weiteren Worte. Der selbsternannte „non-binary genderqueer post-homo-hop musical artist“ streicht seinen Regenbogen in mutigen und kraftvollen Farben – und wird so zum dringlichen wie charmanten Gegenentwurf des beyoncierten Popkosmos. (Carl Ackfeld)


17

Palace Winter

Waiting For The World To Turn

[Tambourhinoceros]

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Wenn 2014 das Jahr von The War On Drugs war, schlug in diesem Jahr Palace Winters Stunde. Carl Coleman und Caspar Hesselager machen Musik über den Moment, nach dem alles anders wird – und der doch so oft nie endet. Die Songs auf „Waiting For The World To Turn“ klingen nach Erwartung, eher getrieben von Sehnsucht nach Anderem als von der Verbitterung über Bestehendes. Damit ist die Platte trotz der Qualität ihrer Einzelstücke in erster Linie eine 42-minütige Reise, die am Ende versöhnlich stimmt, aber trotzdem nicht die so sorgsam kultivierte Melancholie über den Haufen wirft. Ein Meisterwerk. (Benedict Weskott)


16

Mitski

Puberty 2

[Dead Oceans]

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Auf ihrem vierten Album ist Mitski Miyawaki mit ihrer Gitarre nicht nur stimmlich auf sich allein gestellt, auch ihre Arrangements destilliert sie nach Bemessen aufs Nötigste. Für „I Bet On Losing Dogs“ webt sie dafür Bass und Schlagzeug um eine dramatische Synth-Wallung und noch weiter desorientierende Stimmvermengungen. Über metronomischem Klackern und Pochen hallt in „Thursday Girl“ nur der gelegentliche Anschlag auf, doch nicht die Dichte der Instrumentierung ist auf diesem Album ausschlaggebend – hier ist es vielmehr der Hallklang, der Miyawakis suchende Stimme geduldig bettet. Im Paradestück des Albums singt sie „You’re an all-American boy/ I guess I couldn’t help trying to be your best American girl/ Your mother wouldn’t approve of how my mother raised me“ auch bei getragenem Tempo mit einer sich überschlagenden Intensität, während ihr ohnehin kathartisch glühender Gitarrenrausch subtil um einen letzten hoffenden Glimmerton veredelt wird. (Uli Eulenbruch)


15

Show Me The Body

Body War

[Loma Vista]

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Ist das, was Show Me The Body machen, noch Rap oder doch eher Punk? Anfang/Mitte der 90er hätte man es vielleicht – bevor diese Genrebezeichnung, wie so viele vor und nach ihr, völlig verbrannt worden ist – Crossover genannt. Denn das Trio aus New York präsentiert sich zwar als Rockband, geht aber in der Performance darüber hinaus. Der langhaarige Bassist sieht aus und grimassiert wie ein Metalfreak, der Schlagzeuger groovt sich durch die Songs und der kahlköpfige Sänger sprechsingt sich die Seele aus dem Leib und malträtiert sein Banjo, dem er Töne entlockt, die ebenso an Loops wie an Noisegeschredder geschult sind. Wie nebenbei fällt auch noch der eine oder andere veritable Hit ab und weil dem allem so ist, findet sich „Body War“ folgerichtig in unserer Lieblingsliste. (Mark-Oliver Schröder)


14

Marlon Williams

Marlon Williams

[Dead Oceans]

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Ein Songwriteralbum, auf das sich fast alle einigen können sollten. Das Solodebüt des Neuseeländers Marlon Williams hat fast alles an Bord, was man sich in diesem Genre wünschen könnte: die Uptempo-Nummer im flotten Sixties-Gewand („Hello Miss Lonesome“), die locker jangelige Beatles-Reminiszenz („After All“), obskure 70er-Jahre-Cover (I’m Lost Without You“) und als krönende Höhepunkte ein wehmütiges Folk-Noir-Kunststück („Dark Child“) und androgyn überkrusteten Jazz der Marke junge Billy Holiday („When I Was A Young Girl“). Allein schon wie Williams in diesen, das Mark des Lebens aussaugenden Minuten eins mit der sich in Erinnerungen suhlenden Protagonistin des Stücks wird, verdient jeden Platz der Welt in den Jahreshitparaden. (Carl Ackfeld)


13

Touché Amoré

Stage Four

[Epitaph]

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Auf dem Vorgänger „Is Survived By“ schlichen sich eine überraschende Zufriedenheit und sanfter Optimismus in die Texte von Jeremy Bolm. Im Zentrum des dritten Albums von Touché Amoré stand deshalb auch die Frage, wie man überhaupt noch verzweifelten (Post-)Hardcore schreiben kann, wenn man optimistisch in die Zukunft blickt: „It’s hard to write content.“ Doch die Krebserkrankung und der Tod von Bolms Mutter machten solche Fragen überflüssig und bereiteten dem vorsichtigen Optimismus gleich wieder ein Ende. Stattdessen betreiben Touché Amoré mit den elf Songs von „Stage Four“ Trauerarbeit, die für Sänger wie Hörende ähnlich aufreibend ist. Wirklich abgeschlossen wirkt dieser Prozess noch nicht, weshalb Bolm keine Antworten findet – aber immerhin wieder leichte Zuversicht: „I’m not sure what I believe/ Well I think that’s understood/ But I know she’s looking out for me/ The way she said she would.“ (Daniel Welsch)


12

Leonard Cohen

You Want It Darker

[Columbia]

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Niemals geht man so ganz. Mit „You Want It Darker“ hat Leonard Cohen für nichts anderes als ein letztes und darüber hinaus großartiges Vermächtnis gesorgt. Engelsgleiche Chöre überhöhen die altersweisen und von bittersüßer Melancholie durchzogenen Texte, die Cohen, brüchig an Stimme und Gedanken, in den Nachthimmel krächzt. Nie war ein stimmloses Singen atemraubender als in diesem letzten Werk. Mit Pauken und Trompeten, Schalmeien und Streichern betreibt Cohen ein letztes Mal eine Art Himmelfahrt. „Hineni, Hineni“ oder eben „hier bin ich“ – selten war ein Wort so sehr Losung, Wegzeichen und Stimmungsfänger in Einem. Wir wollten ihn immer so dunkel wie möglich. Am Ende ist alles schwarz. (Carl Ackfeld)


11

The Range

Potential

[Domino]

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Woher kommt der Ruhm? Wie schaffe ich es an die Spitze – oder überhaupt erst mal, aus der Masse herauszustechen? The Range beschäftigt sich mit diesen Fragen, ohne dabei selbst das Wort zu ergreifen. Sprechen lässt er Youtuber*innen, deren Gesangsamples er in seine Songs einbaut. So schwingt auf „Potential“ in jeder Sekunde eine herzzerreißende Mischung aus Hoffnung, Unsicherheit und Enttäuschung mit: „Right now, I don’t have a backup plan for if I don’t make it/ But even if /I‘d just decide to move on.“ James Hinton setzt den Neverbeens der YouTube-Welt ein Denkmal und produziert dafür einen Sound, der fast schon exemplarisch für 2016 gelten kann. Trap, HipHop, IDM, Dubstep und Elektropop mischen sich zu einem vielschichtigen Musikerlebnis, das die Fallhöhe zwischen „alles geschafft“ und „nichts erreicht“ perfekt vertont. (Benedict Weskott)


10

Ian William Craig

Centres

[130701]

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Man ahnt es nicht gleich, aber Ian William Craig ist vor allem ein Arbeiter der Stimme. Fast alle seine Songs basieren auf Stimmfragmenten, Lautmalereien und vokalem Beatboxing, die er verfremdet und geloopt auftürmt, zerdehnt, vaporisiert und schichtet. Genau das ist auch die inhärente Nähe, die seine experimentelle Ambientmusik funkeln lässt wie kaum eine andere. „A Single Hope“ alleine! Dieser zerflatterte Ergreifungsmoment, wenn die Stimme am Ende entgleitet oder wie bei „Set To Lapse“ in irisierendem Kristall aufgeht. Maschinengemachte Schönheit klang zwischen fies waberndem Analogbild-Rauschen und über digitale Klippen geworfenen Stimmen selten überzeugender. (Markus Wiludda)


9

Nicolas Jaar

Sirens

[Other People]

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Man hält es kaum für möglich, aber „Sirens“ ist nach seinem Debüt von 2011 tatsächlich erst der zweite Langspieler von Nicolas Jaar. Okay, es gab schon Single-Sammlungen, auch dieses Jahr, denn Jaar veröffentlicht konstant (vor allem auf seinen eigenen Label Other People) Tracks, aber „Sirens“ ist eben doch der erste offizielle Nachfolger im Albumformat und man kommt nicht umhin zu sagen, dass Jaar alles richtig gemacht hat. Das liegt auch daran, dass Jaar dieses Format bestens zu nutzen weiß. Seine Alben sind Alben im besten Sinn: Stringent im Aufbau, geschlossen in der Gesamtkonzeption und getragen von seinem unverkennbaren Sounddesign, welches er diesmal noch um Anleihen bei Rock’n‘Roll und Früh-80er-Synth erweitert. (Mark-Oliver Schröder)


8

The Body

No One Deserves Happiness

[Thrill Jockey]

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Das Sludge/Doom-Duo Chip King (Gitarre, Gesang) und Lee Buford (Schlagzeug, Programmierung) alias The Body hauen seit 2013 eine nicht abreißende Kette von Veröffentlichungen – oft in Kollaboration mit anderen Größen des metallenen Kosmos, beispielsweise dieses Jahr mit Full Of Hate – auf gleichbleibend hohem Niveau raus. Dabei ist ihre Herangehensweise an das Genre mit experimentell, nahezu elektronisch und industriell zu beschreiben. Die beiden legen einen zersetzenden Teppich und King singt dazu aus den tiefsten Abgründen einer Gummizelle im Arkham Asylum. Das ist schon lange atemberaubend, aber was „No One Deserves Happiness“ über alle bisherigen Großtaten erhebt, ist der Einsatz der Stimme von Maralie Armstrong. Diese verleiht dem Dargebotenen eine sinistere Festlichkeit, mischt Pop und Pathos in den immer latenten Nihilismus und ist in dieser Ausprägung einzigartig. (Mark-Oliver Schröder)


7

Blood Orange

Freetown Sound

[Domino]

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Für die USA war es ein mehr als bewegtes Jahr. In den Schlagzeilen ganz vorne dabei: Die Debatte um institutionellen Rassismus und Polizeigewalt gegen People of Color. Schwarze Musiker*innen nutzten ihre Plattformen, um auf die alltäglichen Diskriminierungen und Verletzungen aufmerksam zu machen und schafften damit die besten Musikmomente des Jahres. So auch Dev Hynes, der mit „Freetown Sound“ ein inhaltlich dichtes wie musikalisch mitreißendes Album veröffentlichte. Seine eigenen Migrationserfahrungen und -erzählungen mischen sich mit Fragen zu Geschlechterbildern, Sexismus und Religion. Die Musik täuscht über die inhaltliche Tiefe und Schwere im ersten Moment hinweg, fügt sich bei jedem Hören aber mehr ins konsistente Bild hinein. Ein Album, das lange bleibt. (Benedict Weskott)


6

The Drones

Feelin Kinda Free

[Tropical Fuck Storm]

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The Drones spülen auf „Feelin Kinda Free“ das politische Zeitgeschehen Australiens in den Orkus und haben diebische Freude daran, Monotonie und Alltag aufzubrechen. Breitbeinig, bellend und beißend berserkert sich Gareth Liddiard zum Beispiel durch „Boredom“, das die australische Flüchtlingspolitik behandelt, das Duett „To Think That I Once Loved You“ ist durchzogen von tränenverhangener Alltagsromantik und „Sometimes“ schleppt sich unter Fiona Kitschins Stimme durch ein unheilschwangeres Kabarett der Nacht. Ohne Frage haben The Drones ihren Stil seit dem Vorgänger „I See Seaweed“ noch einmal lauter, ungestümer und vor allem dreckiger angelegt, doch genau das macht „Feelin Kinda Free“ zum bisherigen Höhepunkt in einer nahtlos großartigen Diskographie. (Carl Ackfeld)


5

ANOHNI

HOPELESSNESS

[Rough Trade / Beggars]

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Kaum ein Album wurde 2016 ausführlicher musikmedial begleitet als „HOPELESSNESS“. Das Bekennen zum wahren Geschlecht und die Musikästhetik fernab der gewohnten Pfade von Antony And The Johnsons bieten eben die perfekte Story. Doch ANOHNI bringt viel mehr als das: den Soundtrack für ein Jahr, das sich in in eine scheinbar unausweichliche Abwärtsspirale immer weiter hineinsteigerte. Die Schwere der Themen auf „HOPELESSNESS“ ist fraglos erdrückend, die Produktion von Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never ist es nicht. Und so entsteht aus ANOHNIs unnachahmlicher Stimme, ihrem Sendungsbewusstsein und kultivierten Weltschmerz ein maximal zeitgemäßes Album, das aneckt und aufrüttelt. (Benedict Weskott)


4

David Bowie

Blackstar

[RCA]

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„Drop my cellphone down below“, singt Bowie in „Lazarus“.Auch wenn der gebürtige Brite mit den Technologien der Zeit vertraut schien, ist sein letztes Werk ein zeitloses. Opulenter, klassischer, jazziger und psychedelischer als die Vorgänger türmt „Blackstar“ seine sieben Songs zu einem Album auf, dessen Qualität immer auch ein wenig überlagert wird von einer Geste des wohlwollenden Abschieds: David Bowie – bereits im Video zur überragenden Single „Blackstar“ krebsgezeichnet – verstarb im Januar 2016. Seine essenziellen Beiträge zur Popgeschichte sind zahllos, „Blackstar“ ist jedoch mehr als bloß ein Alterswerk, sondern ein schwelgerisches, gekonnt inszeniertes und nie gefälliges Album. Es bleibt ein Symbol seines Lebensmutes, seiner Kreativität und steten musikalischen Neuorientierung. „Ain’t that just like me?“. Dafür und immer ein Danke, Starman! (Markus Wiludda)


3

Nick Cave & The Bad Seeds

Skeleton Tree

[Bad Seed Ltd.]

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Dass man Nick Cave noch nie so zerrissen und nackt erlebt hat wie auf „Skeleton Tree“, versteht sich von selbst. Die Trauer um seinen Sohn stellt ihn als Sänger aber auch in den Mittelpunkt: Begleitet von dunklen und verletzlichen Arrangements erhebt sich seine Stimme in einem ganz anderen Kosmos, weit weg davon, sich auf die musikalische Untermalung einlassen zu wollen. Zurückgezogen und doch mit fester Stimme wird klar, dass er diesen Weg komplett auf sich allein gestellt gehen will. Man merkt, wie er mit sich ringt, wie er die Antwort auf seine Fragen aufspüren will. Schließlich scheint er kurz vor Schluss auf der Suche nach Trost im „Distant Sky“ fündig zu werden, schreckt letztlich aber doch wieder zurück. In diesem Sinn wird bis zum Schluss nicht klar, ob die schier unmenschliche Trauerarbeit, die auf „Skeleton Tree“ dokumentiert ist, wenigstens für ein kleines Licht am Horizont gesorgt hat. (Felix Lammert-Siepmann)


2

Beyoncé

Lemonade

[Columbia]

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Keine Überlänge. Keine unfertigen Songskizzen. Ein kompaktes, kohärentes, vielschichtiges Ganzes. „Lemonade“ setzt abermals den Standard des modernen Popalbums, ist abermals von einer Komplettverfilmung begleitet, die das ohnehin facettenreiche Werk um weitere Deutungsmöglichkeiten bereichert. Doch die Bilder sind ebensowenig essentieller Hintergrund wie die Spekulationen um biographische Hintergründe der thematisierten Beziehungskrise oder welche KollaborateurInnen welchen Anteil an den Songs hatten (ohnehin lautet die Antwort darauf fast immer „Wir hatten anfangs diese Idee und sie hat daraus irgendwie DAS gemacht“). Ob handfester politischer Protest im finalen Ausrufezeichen „Formation“ oder fiktive Trennungserzählung, was zählt ist die Überzeugungskraft der Songs – und im Überzeugen ist Beyoncé Meisterin. In Wortwahl, in der Stilwahl, mit der sie neben simpler Pianonummer und atmosphärischer Elektronik die afroamerikanischen Traditionen des Country und Rock aufgreift, in der physischen Ausreizung ihrer stimmlichen Möglichkeiten. Letzteres erhebt sie auf ein neues Niveau, wenn sie Höhen wie Tiefen mannigfaltig verraucht, verkratzt und klar ausdrückt, ein monotones Schwelen ebenso eindringlich wie der Stimmenmodus- und Tonlagensprung in „All Night Long“. (Uli Eulenbruch)


1

Danny Brown

Atrocity Exhibition

[Warp]

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Die Abwärtsspirale dreht sich weiter. „And it’s the downward spiral, got me suicidal/ But too scared to do it so these pills will be the rifle“, rappte der Detroiter MC vor fünf Jahren auf seinem Mixtape „XXX“, auch auf seinem vierten Album „Atrocity Exhibition“ widmet er gleich den ersten Song der „Downward Spiral“ aus Drogen, Depressionen und Paranoia. Nach den hedonistischen, EDM-befeuerten Partytracks auf dem Vorgänger „Old“ widmet sich Brown auf „Atrocity Exhibition“ vor allem den Stunden nach der Party, wenn er sich schwitzend und Zähne knirschend in sein Hotelzimmer verkrochen hat und von den Drogencocktails, mit denen er seine Dämonen bekämpft, nur noch die Nebenwirkungen übrig sind. Passend zu dieser zurückgezogenen Stimmung verzichtet der MC mit der Quäkstimme – abgesehen vom großartigen Posse-Track „Really Doe“ mit Kendrick Lamar, Earl Sweatshirt und Ab-Soul – auf Gäste, dokumentiert seinen Selbstzerstörungstrip stattdessen im Alleingang über scheppernde Beats von Paul White, The Alchemist und Black Milk. (Daniel Welsch)

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