School Of Seven BellsSVIIB

„Open your eyes, love/ You’ve got me crying“ – eines vorab: Es ist leicht, die Schönheit von „SVIIB“ auch ohne seine Entstehungsgeschichte zu erkennen. Vor dem tragischen Hintergrund entfaltet sie sich aber noch mehr, noch tiefer, noch intensiver.

Das vierte Studioalbum von School Of Seven Bells kam zustande, nachdem Sängerin Alejandra Deheza den wohl steinigsten Weg ihres Lebens beschritten hatte. Als ihr Exfreund und Bandkollege Benjamin Curtis Ende Dezember 2013 im Alter von viel zu jungen 35 Jahren verstarb, stand Deheza vor einem sprichwörtlichen Scherbenhaufen: Bereits vor seiner Krebsdiagnose und auch noch während der Chemotherapie hatten die beiden das Album fast zwar fertiggestellt, aber vor lauter Trauer gelähmt zog sie sich zunächst zurück. Dass sie nun, etwas mehr als zwei Jahre nach Curtis’ Tod, endlich die Kraft findet, „SVIIB“ zu veröffentlichen, ehrt Deheza. In gewisser Weise ist es auch ein Geschenk für ihre Hörer. Und noch so vieles mehr.

Denn man sollte das Album auch als Denkmal sehen: für Benjamin Curtis, aber auch für die Band als Gesamtwerk. School Of Seven Bells selbst, die einst als Trio starteten und schließlich zum Duo wurden, werden auf „SVIIB“ mehr denn je zelebriert. Die Liebe und Freundschaft zwischen Curtis und Deheza war immer der Hauptfaktor hinter ihrem gemeinsamen Schaffen, das wird hier einmal mehr deutlich und in jedem der insgesamt neun Songs vor Augen geführt. „SVIIB“ ist kein vertonter Abschied. Es ist kein Tschüss. Es ist ein Auf Wiedersehen.

Es ist auch keine Platte über Traurigkeit. Schon der synthiestarke „Ablaze“ sorgt zur Eröffnung innerhalb weniger Sekunden für einen spontanen Anflug von Euphorie und ebnet den Weg für eines der besten Popalben des Jahres: Deheza hebt Curtis auf ein Podest und beschreibt den elektrisierenden Moment, wenn man jemanden kennenlernt und weiß, dass das Leben danach in positiver Weise niemals wieder wie vorher sein wird. Es ist ein Zeichen des Vertrauens und der über jegliche irdische Existenz hinausgehenden Loyalität zwischen zwei Menschen.

„SVIIB“ ist auch ein Versprechen. Wenn Deheza in „A Thousand Times More“ aus tiefstem Herzen bekennt, dass sie ihrem Gegenüber gern seinen Schmerz abnehmen würde („If I could go through this pain for you/ I would“), geht das trotz des wärmenden Glücksgefühls vor allem an die Nieren. Mehr noch, wenn man sich das davor platzierte und fast schon melancholische Albumhighlight „Open Your Eyes“ anhört und der Sängerin dabei lauschen kann, wie sie sich nach dem generellen Wohlbefinden erkundigt. Sie tröstet, setzt sich mit auf den Boden und hält die Hand fest in ihrer eigenen. Aber sie steht auch wieder auf und zieht mit sich: „You come close when you’re in pain/ Do you feel better, babe?/ Then you go because you’re afraid/ You’ll fall in love again.“

Mit der Doppelspitze aus dem düster-mystischen „Elias“ und der Scharfkantigkeit von „Signals“ geht es derweil nicht nur zurück in den Sommer 2012, als das Album geschrieben wurde – laut Deheza eine der kreativsten Zeiten, die die Band je erlebt hat –, sondern auch zu einer möglichen Inspirationsquelle. Das Album wurde gemeinsam mit Justin Meldal-Johnsen produziert, der wohl vor allem durch seine Arbeit an M83s Meisterwerk „Hurry Up, We’re Dreaming“ bekannt sein dürfte. Beide Stücke erinnern daran, aber schaffen sich in diesem Rahmen ihre eigene, kleine Klangwelt.

„Our time is indestructible“, singt Deheza schließlich im epischen Abschlusstrack „This Is Our Time“ und sorgt damit für ein weiteres, letztes Ausrufezeichen auf einem Album, das zeitweise mit vielen Fragezeichen verkümmerte. Es ist der perfekte Abschluss des bisherigen Kapitels von School Of Seven Bells, das perfekte Vermächtnis von Benjamin Curtis und vor allem der perfekte Gruß von Alejandra Deheza. An ihren ehemaligen Partner und an ihre Vergangenheit – vor allem aber auch an ihre Zukunft. Man wünscht ihr eine wunderschöne.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum