Mykki BlancoMykki

Mykki Blanco ist ist in der Szene schon lange kein Geheimtipp mehr. Viel eher ist der Name fast synonym für Queerness im HipHop und den Anspruch, das so heteronormative und von patriarchalem Mackertum geprägte Genre umzuformen. Entsprechend vehement kommt Blancos Debütalbum „Mykki“ daher. Es ist ein Album wie ein Paukenschlag, das nur so strotz vor fetten Beats und großen Themen – wie könnte das auch anders sein.

Blanco bezeichnet sich selbst als „non-binary genderqueer post-homo-hop musical artist“ und ist damit schon lange einer der besten Beweise für die immerwährende Unzulänglichkeit von Schubladendenken. „High School Never Ends“, die auch in Videoform opulente erste Single aus „Mykki“, tangiert beispielsweise die Themen Jugend und Rassissmus und verpackt sie in cineastischen Sound, der auf das Konto des Gastkünstlers und Produzenten Woodkid geht. Ansonsten überwiegt auf dem Album autotune-getränkter Trap-Hop.

Im zweiten „Interlude“ offenbart Blanco in verzerrten Spoken-Word-Passagen den sehr persönlichen Kampf mit einer Identität abseits der Norm. Homo, hetero, transgender, nicht-hetero, transsexuell, nicht-binär, queer, pan – keine Kategorie passt. Warum sollte sie auch? Als gäbe das Themenspektrum zwischen Rassismus, Homphobie, Transphobie und Identitätsbehauptung nicht schon genug her, kommt in „You Don’t Know Me“ noch Blancos positiver HIV-Status dazu.

Die Gewichtigkeit der Texte und das Sendungsbewusstsein Blancos sorgen aber trotzdem für keine Überfrachtung. Jeder Song sucht sich eine Message, dennoch funktionieren die Stücke auch abseits des Inhalts für den Dancefloor. Eindrücklich arbeitet sich auch „My Nene“ aus bedrohlich düsteren Tiefen bis zur dancehall-infizierten Cluburgewalt hoch. „Rock N Roll Dough“ dreht ganz zum Schluss nochmal einmal den Swag hoch, die Schwulenclub-Hymne „For The Cunts“ bereits vorher. Aber auch die Clubkultur selbst bekommt mit „The Plug Won’t“ ihr Fett weg.

Mykki Blancos Debütalbum holt alle direkt vor Ort ab und platziert zu mainstreamtauglichem, maximal zeitgemäßem HipHop große Themen in den Köpfen. Ohne Hemmungen, Leerstellen oder Blatt vor dem Mund. „Mykki“ ist damit nicht weniger als das queere Pendant zu Beyoncés „Lemonade“ – mindestens.

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