The DecemberistsThe King Is Dead |
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Rückschritt ist immer erstmal blöd und die Ankündigung einer Band, dass das nächste Album sich wieder stärker auf die eigenen Wurzeln zurückbesinnen werde, meist bloß als Zeichen von Hilflosigkeit und kreativer Kapitulation zu lesen. Etwas anders verhält es sich da bei den Decemberists, die sich auf ihrem letzten Album „The Hazards Of Love“ in einem einigermaßen größenwahnsinnigen Unterfangen etwas zu sehr im manchmal leicht faulig riechenden Prog-Sumpf verrannt hatten. Tief durchzuatmen und schnellstmöglich überflüssigen Ballast loszuwerden schien da plötzlich mehr als naheliegend, um den Karren nochmal aus dem Dreck zu ziehen. |
Anna CalviAnna Calvi |
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Wer kennt sie nicht, die zehennagelaufrollenden Plattenbesprechungen neben den Kreissparkassen-Anzeigen, die auf „ehrliche, handgemachte Rockmusik“ hinweisen und die „Rockröhre“ loben, die eine Stimme hat, mit der sie „Tapeten von den Wänden singt“. Arme Anna Calvi, wir sehen das Unheil schon nahen, was der jungen Engländerin von Rezensenten bereitet werden wird, deren Horizont gleich hinter den Kuschelrock-Compilations (Teil 3 bis 43; allesamt mit „Rockröhre“ Anastacia) endet. Denn wenn Anna Calvi eines hat, dann ist das eine kolossale Stimme. |
City Light ThiefLaviin |
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Ach, was war das nur für eine verrückte Zeit damals, Anfang des Jahrtausends: Wir trugen schwarz gefärbte Haare mit ausufernden Ponys, kritzelten überall Herzchen oder Sternchen hin und das Kajal lief uns die Wangen runter. Aber das war okay, schließlich waren alle so. Doch seitdem ist viel Zeit vergangen, der Hype ist vorbei, die Jugend […] |
Girl TalkAll Day |
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Girl Talk verschenkt wieder einmal ein Album. Zwanzig, gar dreißig Originalspuren geben sich pro Song die Klinge in die Hand, beschnuppern sich und gehen ungewöhnliche Kombinationen ein. Die kumulierte Überfrachtung. So nimmt Depeche Modes „Can’t Get Enough“ Pitbull huckepack und Arcade Fires “Wake Up” trifft auf Ginuwines “Pony”. Phoenix‘ „1901“ geht eine Allianz mit Ludacris ein und bevor man merkt, was eigentlich geschieht, windet sich der Song um die nächste Ecke, um dort wieder das passend zu machen, was nicht eben nicht wirklich passt, sich aber dafür umso eigenwilliger anhört. |
AgallochMarrow Of The Spirit |
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Ein erster Frühlingsgeist oder ein später Herbstfaun scheint sich für die ersten Töne von „Marrow Of The Spirit“ mit seinem Cello an einem munter plätschernden Gebirgsbach niedergelassen zu haben um eine wohlfeile Melodie zum Besten zu geben. Ein Idyll, ein Klang voller Harmonie, ein Quell voller sinnlicher, unbeschwerter Stimmung. Es bedarf nun allerdings keiner prophetischen […] |
Going missing for a while: Carl Barât & Paul Smith |
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Es passiert immer und immer wieder: Ein Mitglied einer bekannten Band ist offenbar nicht ganz durch das gemeinsame Schaffen ausgelastet und veröffentlicht ein Soloalbum. Mal gelingt dieses Vorhaben, mal weniger, oftmals ist es einfach nur egal. Vor kurzem haben auch die Sänger zweier nach wie vor recht angesagter Britpop/-rock-Bands des letzten Jahrzehnts ihre ersten eigenen […] |
Twin ShadowForget |
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Wer interessiert sich denn jetzt noch für eine Twin-Shadow-Rezension? Ganz im Ernst. Wer bisher noch nicht darüber gestolpert ist, wird’s entweder nie oder eben in den zahllosen Jahresendlisten der nächsten Wochen. Als das Album im September in den USA erschien, folgten wie selbstverständlich die Lobeshymnen in den Medien. „Forget“ wurde überall gefeiert. Kaum kritische Stimmen waren darunter. Auch für mich stand schnell fest, dass Twin Shadow neben How To Dress Well das eigenständigste und wichtigste Popalbum des Jahres abgeliefert hatte. Die Frage schien eigentlich nur noch, ob das Album es am Ende des Jahres auch bei den wichtigen Kritikern aufs Treppchen schaffen würde oder nicht, dachte ich. Und dann? Dann sah ich diesen Livemitschnitt eines Auftrittes von Twin Shadow in New York und konnte mir „Forget“ für Wochen nicht mehr anhören… |
Ebo TaylorLove and Death |
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Das neue Werk von Ebo Taylor gefällt sich im globalen Outfit. Bereits in den 60er Jahren etablierte der gebürtige Ghanaer den afrikanischen Highlife-Klang in England und war zusammen mit Fela Kuti, Tony Allen (Nigeria) und Mulatu Astatke (Äthiopien) einer der maßgeblichen Afrobeat-Begründer, die den musikalischen Dialog seit jeher einforderten. |
Giardini di MiròIl Fuoco |
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Zugegeben, ich habe Giovanni Pastrones Stummfilmklassiker „Il Fuoco“ (deutsch: Das Feuer) nie gesehen. Sofern man sich auf die Google-Übersetzung der italienischen Wikipedia-Seite verlassen kann, geht es in diesem um die Beziehung zwischen einem Maler und einer erfolgreichen Dichterin, vielleicht aber auch um etwas völlig anderes. Vertraut man Giardini di Mirò, der nicht nur besten italienischen […] |
Marnie SternMarnie Stern |
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In den letzten Jahren erlebte aus diversen Gründen – unter anderem durch seinen Einsatz in höchst unterschiedlichen Fernsehserien – der olle Journey-Klopper „Don’t Stop Believin’“ eine mehrfache Renaissance, sowohl im Original wie als Cover. Wobei im letzteren Fall nahezu alle Bemühungen überflüssig waren, sie verblassten neben der Interpretation von Marnie Stern, die noch mehr Glaubwürdigkeit in den hoffnungsvollen Refrain des Songs investierte als die Band, die ihn einst in die Welt setzte |
How To Dress WellLove Remains |
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Allein die Tragik des Menschlichen wird auf „Love Remains“ verhandelt. Manchmal etwas trist, unbarmherzig und entrückt, als seien die Songs direkt einem dramatischen Traum entronnen. In den sensationellsten Momenten sind sie jedoch gleichzeitig von der Art Schönheit geprägt, die der Protagonist in „American Beauty“ empfindet, als er das anmutig tänzelnde Laubblatt filmt. Die Hoffnung blinzelt eben auch im Dunklen. Wenn man ganz genau hinhört. |
The WalkmenLisbon |
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„Lisbon“, das sechste Album von The Walkmen, ist für und aus dem (musikalischen) Moment heraus gemacht. Momente, die einen dazu zwingen, immer wieder zurück zu spulen und wegen denen man manisch vor der Anlage sitzt. |
WarpaintThe Fool |
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Um die Jahre 2009/2010 lässt man es, wie schon knapp eine Dekade zuvor, als "Quiet" plötzlich für ganz kurze Zeit "The New Loud" war, zumindest musikalisch gerne einmal ruhig angehen. Harmonieseliger Dreampop, wie ihn Beach House auf ihrem diesjährigen dritten Album perfektionierten ist wieder en vogue, alberne neue Genrebezeichnungen wie "Chillwave" werden aus der Taufe […] |
Sufjan StevensThe Age Of Adz |
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Neulich am Stromhäuschen… „Was haben wir?“ „Songwriter. Stromschock.“ „Uh. Schon wieder? Kommter durch?“ „Erstaunlich gut. Is‘ nur ziemlich durch den Wind.“ „Hat wer was gesehen?“ „Jep. Und gehört. Ein Typ meinte, der habe ziemlich schönes Zeug von sich gegeben als er so dranhing.“ „Fremdeinwirken?“ „Nene. Nur Neugierde. Die Kids, du weißt schon.“ Man kommt nicht […] |
Brian EnoSmall Craft on a Milk Sea |
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Brian Eno hat alles erreicht. Er hat in jeder Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Ob mit Roxy Music, als Solo-Musiker, mit seinen Kollaborationen und nicht zuletzt als Produzent – eine faszinierendere Reihe als Bowies Berlin-Trilogie sucht man bis heute vergebens. Das ist die offensichtliche Komponente für die Verehrung Enos. Die zweite ist eher in der Psychologie zu verorten: Wie schafft es ein Mann, der kommerziell und vor allem künstlerisch seit nunmehr 30 Jahren in höchste Höhen emporsteigt, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren und dabei noch immer Musik abzuliefern, die wie selbstverständlich allem anderen überlegen und nahezu unangreifbar zu sein scheint? Auch wenn die von Eno zuletzt produzierten Alben (Coldplay, U2) zu bodenständig daherkommen, bleiben seine eigenen Ideen nach jahrzehntelanger Bestandsaufnahme extrem diskursiv und flink, so dass sie zu keinem Zeitpunkt zu fassen, geschweige denn aufrichtig zu analysieren sind. |
Belle & SebastianBelle & Sebastian Write About Love |
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Belle & Sebastian, die ewige Lieblingsband aller Wimps und unerbittlich romantischen Kassettenmädchen und Kassettenjungen, legen endlich die Karten auf den Tisch. Sie schreiben, wie sollte es anders sein, über die Liebe, die Königsdisziplin des Pop. Ehrlich gesagt machen sie das eigentlich schon seit nun beinahe 15 Jahren, auch wenn vom scheuen Rehaugen-Folk auf „Tigermilk“ bis […] |

















