Ariel Pink's Haunted GraffitiBefore Today |
|
Ariel Pink war im zurückliegenden Jahrzehnt ein wahrer Meinungsspalter. Es gab vehemente Verfechter der Lo-Fi-Qualitäten seiner Musik und diejenigen, die seine verschleierten, chaotischen Heimaufnahmen entweder als die neuen Kleider eines talentlosen Kaisers ansahen oder als unnötigen Ballast großartigen Songwritings. „Wenn er doch nur mal in ein richtiges Tonstudio käme..,“ fingen alle Seiten Gedankengänge mit unterschiedlichem Ausgang an. Nun steht mit seinem ersten Studioalbum endlich Klärung an: Pendelt sich auf „Before Today“ der Tiefglanz-Zauber im Softrock-Mittelmaß aus, oder wird Pink als das enthüllt was er angeblich schon immer war – ein Nichtskönner bzw. Popgenie? |
WovenhandThe Threshingfloor |
|
Die Geister rufen erneut zum Tanz. Wovenhand besinnen sich auf alte Tugenden, schlagen den auf dem rockigen Vorgänger „Ten Stones“ vernachlässigten Weg der Rückbesinnung wieder ein und balgen sich wie auf ihrem Meisterwerk „Mosaic“ mit allerlei lichtscheuem und imaginärem Gesindel vor einer pittoresken Wüstenlandschaft. Immer dabei: David Eugene Edwards als gruseliger Zeremonienmeister. |
BathsCerulean |
|
Will Wiesenfeld ist Anfang 20 und stammt aus Chatsworth. Das einzige Gute an Chatsworth ist, dass die City von Los Angeles nur 30 Kilometer entfernt ist. Und natürlich, dass Kevin Spacey kurzfristig die lokale High School besucht hat und sogar Xzibit, Kevin Federline und Marilyn Manson irgendwo dort am Rande der Cali Hills zeitlebens mal eine Behausung hatten. So etwas schafft Identität und gaukelt ein wenig Relevanz vor. Will macht das Beste draus: Er macht Musik. |
The DrumsThe Drums |
|
Mit einer eingängigen Pfeif-Melodie ging im Herbst letzten Jahres die Karriere der Drums schlagartig los. Ihr Song „Let’s Go Surfing“ eroberte in Windeseile die Musikblogs und landete just sogar in einem deutschen Autowerbe-Spot. „Wake Up, it’s a beautiful morning“, heißt es da und dies könnte glatt das Motto ihres Debütalbums sein, das so freundlich angewedelt kommt, wie der Nachbarshund zur täglichen Begrüßung.Gemäß dazu bestehen die Songs der Drums auch zu gefühlten 89% aus mitsingtauglichen Melodien und extrem simpel gestrickten Pop-Rock-Songs. |
Band Of HorsesInfinite Arms |
|
Betrachtet man die US-amerikanische Indierock-Landschaft mal aus der geographischen Perspektive, stößt man schnell auf einen erstaunlichen Dualismus. Während sich an der Ostküste, vornehmlich natürlich New York, die verschiedensten Trends und Spielarten jagen, überlagern und teilweise kaum noch auseinanderhalten lassen, Afrobeat auf Psychedelic auf Noise-Punk folgt und so im Monatsrhythmus neue Genres aus der Taufe gehoben werden, hat sich an der Westküste um die Metropolen Seattle und Portland ein wesentlich ruhigerer Gegenpol bilden können. |
Beach FossilsBeach Fossils |
|
So langsam aber sicher fragt man sich, ob in gewissen Musikerkreisen auf einen ominösen Bandimage-Generator zurück gegriffen wird, dessen ikonographisches Repertoire lediglich aus vergilbter Urlaubsnostalgie besteht. Dabei spricht der offenkundige Umgang mit den sonnigen Referenzen dem Zuhörer doch meist jegliche Phantasie ab. Leider befinden sich unter diesem semantischen Deckmantel oft durchschnittliche Rockbands, die halt auch nur mal ein paar Sandburgen bauen wollen. Und nun die Beach Fossils aus Brooklyn. Braucht die Welt eine weitere Band von diesem Schlag? In diesem Fall lautet die Antwort deutlich: „Ja!“. |
Dum Dum GirlsI Will Be |
|
Das Bilden von Bands, das Zusammenraufen von Individuen zu einer mehr oder weniger festen Gruppe um gemeinsam Musik zu kreieren und live darzubieten, scheint bei zunehmend vielen Künstlern zum Nebengedanken zu geraten. Oft in Punk/Hardcore-Zirkeln verwurzelte Solokünstler wie Jay Reatard, Zola Jesus, Blank Dogs und Wavves oder auch die dem Synthpop hingewandten à la Memory Tapes, Nite Jewel oder Toro Y Moi warteten in jüngerer Zeit mit Werken auf, die auch ohne menschliche Unterstützung Gesang und so viele Instrumente unter einen Hut brachten, dass meistens nicht mal festzustellen war, wie viele Personen nun dahinter steckten. |
Hans UnsternKratz Dich raus |
|
Wer bloß ist dieser Hans Unstern? Eine Frage, die sich wohl vielen stellte, als sie im Laufe des letzten Jahres über seinen so wundersamen wie traumhaft schönen Song „Paris“ samt des dazugehörigen Trickfilms stolperten. Ein liedgewordenes Rätsel, das stakkatohaften Gesang, leiernde Orgel, Xylophon und lyrisch ambitionierte aber dennoch sperrige Textkonstruktionen voller vager, romantisierender Erinnerungen zu einem vier Minuten währenden Moment zusammenfasste, der aufhorchen ließ, den man so noch nicht gehört hatte in dieser Form, in dieser Sprache. |
LCD SoundsystemThis Is Happening |
|
Vor gut acht Jahren war es eine erste Single, die sich völlig unbeschwert an dem Aufzählen von angesagten Bands und Örtlichkeiten aus der Pophistorie ergötzte, gleichzeitig in unbeschreiblicher Manier Killing Jokes „Change“ in eine andere Zeit, ja, auf eine andere Ebene projizierte und als Tanz-Wüterich bis heute kraftstrotzend mitreißt. Auch für das inzwischen dritte und vermutlich letzte Album von LCD Soundsystem musste die DIN-geprüfte Plattenkiste wieder herhalten, jedoch skizziert „This Is Happening“ trotz entschlossen fordernder Beinfreiheit einen zweifelnden, reflektierenden James Murphy, inzwischen jenseits der 40, der sich vor allem nach Geborgenheit sehnt. |
Jamie LidellCompass |
|
Jamie Lidell, der Fuchs, die Rampensau, der Wunderknabe, der Sexy Motherf****r. Nach seinem letzten Album „Jim“ kamen doch tatsächlich vereinzelt Anschuldigungen auf, er wäre zu konservativ geworden, versuche jetzt nur noch mit anachronistischem Retrosound seinen persönlichen Anteil am grassierenden Soulrevival um Amy Winehouse und Konsorten abzuschöpfen. |
GayngsRelayted |
|
Da tobt seit Jahren die 80er-Revivalwelle in schamlosen Ausmaßen, aber die schäbige Kaufhaus-Variante hat es dann doch kaum mehr aufs musikalische Tablett getrieben. Keine Mellotron-Popper, die Chris de Burgh vorwiegend zur Weihnachtszeit unters Volk brachte, kein arabesk-souligen Harmlosigkeiten in der Machart von Phil Collins oder zärtelnde Saxophon-Soli […] |
The Radio Dept.Clinging to a Scheme |
|
Es soll Menschen geben, die kommen mit einem freundlichen Lächeln durchs Leben. Sie reihen unspektakuläre Geschichten aneinander, tauchen in Städten unter, lieben, werden verletzt und verlassen, beschweren sich aber nicht und kommen für ein nettes Gespräch bei Einladung auf ein Bier vorbei. Oder gehen zur nächsten Person über, die ihnen etwas zurückgibt, die sich ihrer annimmt. Es soll Menschen geben, für die das reicht, die damit bestens durchkommen und glücklich werden. Es gibt aber auch solche, die dann und wann explodieren. Und die Stadt dreht sich kurz um und fragt, ob alles in Ordnung sei. Und alles ist in bester Ordnung, und die Stadt bewegt sich weiter. |
The NationalHigh Violet |
|
Behutsam, aber zielstrebig schreiten sie zur Tat. Jeder kennt seine Position, jeder seine Aufgabe. Mit großer Geste wird das Zeichen gegeben. Dann spannen sie den Himmel auf. Es schießen noble Wörter durch den Kopf. Diese Musik würde man am liebsten mit „erhaben“ oder „stimmungsvoll“ zerreden und sich dabei von Matt Berningers Bariton ebensolche Begriffe unwiderruflich einschärfen lassen. Aber wie schon bei den überragenden Vorgängern „Alligator“ und „Boxer“ sollte man auch auf dem fünften The-National-Album „High Violet“ nicht lediglich bei dieser Stimme hängen bleiben, die Ruhe und Unruhe gleichermaßen verbreitet. Allem voran aber unpassende Vergleiche. |
Foals / Crystal CastlesTotal Life Forever / Crystal Castles (II) |
|
2008 war nicht nur das Jahr, in dem sich der Kapitalismus selbst überholte (und gehörig auf die Schnauze flog), sondern auch eine äußerst ergiebige Zeit für musikalische Hypes, die fast über ihre eigenen Füße stolperten. Neben hippiesken Psychedelic-Poppern und Ethno-Preppys, schossen auch die Foals und Crystal Castles erstmals aus den Tiefen der Blogosphäre an die Oberfläche. Beide Bands hatten von Anfang an mit dem Vorwurf zu kämpfen, lediglich eine mediale Luftblase zu sein, die spätestens mit dem Zweitwerk platzen sollte. Dass beide Kapellen durchaus handfeste Qualitäten unter Beweis stellten, wurde dabei gerne unter den Teppich gekehrt. |
65daysofstaticWe Were Exploding Anyway |
|
Die Liveauftritte des britischen Quartetts 65daysofstatic scheinen in kuriosem Kontrast zu ihren Studioaufnahmen der letzten Zeit zu stehen. Im Konzert jagen sie den Dezibelmesser nur zu gern bis an die Grenze des Erlaubten, nicht immer zugunsten des Gesamtklangs. Legt man jedoch ihr neues Album in die Musikanlage, mutet es trotz sofort hervorstechender Beats im direkten Abspielvergleich mit aktuellen Veröffentlichungen wie der neuen von The Hold Steady irgendwie reserviert an. |
The Hold SteadyHeaven Is Whenever |
|
Wer sich von bösen Referenzen abschrecken lässt, wird „Heaven Is Whenever“ verteufeln, so viel steht fest. Denn: Bryan Adams muss ab jetzt hin und wieder genannt werden, Bon Jovi auch, selbst Kid Rock war mal weiter entfernt. Gleichzeitig klingt die Band insbesondere aufgrund Tad Kublers facettenreicherer Gitarrenarbeit in einigen Momenten sperriger als auf den vergangenen Werken. Was aber einzig und allein zählt: Dies hier sind trotzdem unverkennbar The Hold Steady. |

















