TindersticksFalling Down A Mountain |
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Warum sollte man es sich schwer machen, warum den neuartigen Einfall suchen, um die werte Leserschaft davon in Kenntnis davon zu setzen, dass die Tindersticks seit neunzehn Jahren mit unerhörter Lässigkeit die lust- und schmerzbetonte Leidenschaft zelebrieren? Die Aufgabe der Hoffnung, man könne dieser Band mit Bildhaftigkeit und Metaphern gerecht werden und ihr Tun in ein paar einleitenden Sätzen skizzieren, ist auch beim achten Studioalbum die beste Form der Ehrerbietung […] |
The Soft PackThe Soft Pack |
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2003 schaffte man sich Mopeds an und erkaufte sich damit viele Vorteile: Anstatt die heimische Garage mit einem bulligen Personenkraftwagen zuzustellen, blieb so noch Freiraum für das Bandinstrumentarium, ohne dass einem die Luft ausging oder man womöglich den guten Lack ankratzte. Dann wurde unbedarft drauf los gescheppert, den wilden Eskapaden der 60er und 70er Jahre des dahingeschiedenen zwanzigsten Jahrhunderts Tribut gezollt. Die einzige Richtung war der Blick in den Rückspiegel. Das birgt natürlich Gefahren, gerät man durchaus oft in die Situation, dass das zu enge Auffahren auf den Vordermann nur knapp dem Unfalltod ein Schnippchen schlägt. Aber die Formelhaftigkeit zwischen raubeinigen Gitarren und Lederkluft war Erfolgsgarant, wenngleich nicht immer musikalisch spannend […] |
Gil Scott-HeronI'm New Here |
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Wer weiß warum, aber Großstädte bei Nacht erzeugen eine ganz bestimmte Atmosphäre. Die hat wenig mit dem Trubel des Tages zuvor zu tun. Wie ein Nebel legt sie sich um die Häuser und in die Straßen. Das ist kein neues Phänomen. Hundert Jahre nach dem Expressionismus scheinen sich das Bild und die Schlechtigkeit der Menschenansammlungen nur noch in verregneten, dunklen Nächten abzuspielen. Erstaunlich ist dabei, dass es immer wieder neue Facetten in dieser Grundstimmung gibt. Gil Scott-Heron schafft mit „I’m New Here“ nun eine weitere dunkle Gasse, die doch keiner anderen gleicht […] |
Xiu XiuDear God, I Hate Myself |
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Angela Seo meidet den Blick in die Kamera. Unvermittelt steckt sie sich den Finger in den Hals, doch der erwartete Brechreiz stellt sich nicht ein. Sie probiert es wieder, tiefer, führt sich die halbe Hand in den Rachen. Tränen steigen ihr in die Augen. Würgen, Husten, ihre schlanken Finger beginnen zu zittern […] |
Owen PallettHeartland |
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Dass Musik oft nur im richtigen Kontext funktionieren kann lässt sich an zwei Konzerten Owen Palletts, damals noch Final Fantasy, im Rahmen des Haldern Pop Festivals ganz besonders gut belegen. Konnte er anno 2006 im nächtlichen Spiegelzelt noch jeden der Anwesenden allein mittels der geloopten Geige und seines Charmes verzaubern, so war er im letzten Jahr unter der unbarmherzigen Nachmittagssonne, verloren auf der Hauptbühne stehend, naturgemäß zum Scheitern verurteilt. Die Intimität und Nähe zum Publikum machten hier ganz alleine den wesentlichen Unterschied zwischen einem großartigen und einem misslungenen Konzert aus […] |
Yamon YamonThis Wilderlessness |
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Großen Plattenfirmen wird oftmals die bis zur absoluten Beliebigkeit führende Normung und Nivellierung von Musik angelastet, und setzt man sich dem Programm privater Radiosender aus, wird nicht klar, warum dem widersprochen werden sollte. Nun ist es aber von höchster Wichtigkeit, zweierlei zu vermeiden: keinesfalls darf man private Radiosender hören und geringe Umsatzsummen mit ästhetischer Qualität gleichsetzen […] |
SpoonTransference |
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Dunkler, roher, kantiger: Mit dem selbstproduzierten „Transference“ schreiben Spoon eine klassische Indie- und vor allem Rockplatte und entgegnen den Erwartungen ganz einfach mit dem womöglich unterschätztesten Album ihrer Karriere […] |
Los Campesinos!Romance Is Boring |
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Ob positiv oder negativ, dieser Tage wird mehr denn je im randlosen Sammelbecken des „Indie“ über Bands diskutiert, die andere Stile und Einflüsse in ihre Musik einfließen lassen. Der Kritiker Simon Reynolds nennt dieses Phänomen „Indie-not-indie“, Nitsuh Abebe betrachtete es ausgiebig in seinem Jahrzehnt-Essay auf Pitchfork und scheinbar die ideale Plattform, um diesen Vorgang aufzuzeigen, ist die „Influences“-Sektion in Myspace-Profilen, in der jeder von den Hörgewohnheiten des Künstlers auf dessen Musik schließen kann. So direkt funktioniert dies allerdings praktisch nie, wer 100 aufregende Experimentalbands auflistet klingt am Ende doch nur wie ein x-beliebiger Joy-Division-Abklatsch […] |
JónsiGo |
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Für musikalische Alleingänge gibt es bei genauer Betrachtung nur drei legitime Gründe: 1. Die Überbrückung finanziell schwieriger Zeiten, 2. Die Verwertung bisher unveröffentlichten Materials, das zu schade ist, nie eingespielt zu werden und 3. Das Ausbrechen aus dem Bandgefüge, um Kompromissen zu entgehen, die Experimente und die Entfaltung des eigenen Egos unterbinden […] |
Gekommen um zu bleiben | Tocotronics „Schall und Wahn“ |
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Was muss Musik? Eine Frage, die wieder und wieder durch den Popdiskurs gejagt wird. Kaum eine Band, die in diesen Topf geworfen wird, die nicht aus der Hamburger Schule stammt oder zumindest deren Hausaufgaben in der Pause erledigt hat. Und nun Tocotronics neues Album „Schall und Wahn“, der Abschluss einer so nie gedachten Trilogie. Kulturteil i hör dir trapsen […] |
GigiMaintentant |
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Wie furchtbar schön die Liebe doch ist: das Projekt „Gigi“ besingt die Wonnen und Qualen der Teenager, bevor sie die Welt verändern wollten. Es wird unwahrscheinlich gelitten, gelitten an der Liebe, der Sehnsucht und, vor allen Dingen, der Ignoranz. Weinerlich geht es dabei einzig in den Texten zu, musikalisch führt ein Ensemble wunderhübscher Stimmen durch […] |
Surfer BloodAstro Coast |
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Klassischer 90er Indierock Marke Built To Spill, gekoppelt mit hippem Psychedelic-Beach-Lo-Fi à la Girls meet Kurt Vile und das derzeitige Szene-Wort schlechthin direkt im Bandnamen – da dürfte nichts schiefgehen […] |
Four TetThere Is Love In You |
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Die einen nennen die Besteigung des Lambha Pahar, andere den Tod ihres Hundes. Nicht wenige nennen die neue große Liebe und manch einer schlicht Drogen. Fragt man aber Kieran Hebden alias Four Tet nach der entscheidenden Inspiration für ein Album, so fällt die Antwort länger aus. Zum einen sind viele verschiedene Phasen und Umstände in seinem Leben für den übergeordneten Sound verantwortlich, zum anderen sind einzelne Personen und Momente Ton für Ton, Geräusch für Geräusch in die Werke eingewoben […] |
PawelPawel |
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Es ist der Ursprung allen Lebens, sprudelt glucksend aus tiefen Quellen hervor und gilt in seiner Natürlichkeit als eines der perfektesten Produkte überhaupt: Wasser. Kaltes klares Wasser. Entsprechend sollten Mineralwasserhersteller an dieser Stelle aufmerken, denn Pawels Debütalbum ist die stimmigste musikalische Analogie, die man sich nur vorstellen kann. Aufgeräumt und kristallin und mit eben diesem seriösen Image ausgestattet, wie man es auch von einem guten, kohlefasergefilterten Wasser erwarten darf […] |
LiarsSisterworld |
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Die Stadt der Engel scheint in all ihrer Ambivalenz schon immer ausschlaggebend für das Schaffen unzähliger Künstler gewesen zu sein – liefert die Metropole doch schon im Alleingang den Stoff, der in den Hollywood Hills so oft zu Gold gemacht wird. Doch wie bewahrt man sich angesichts eines Konstruktes aus Lügen, falschen Versprechen und oberflächlichem […] |
DelphicAcolyte |
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„Unsere Musik soll wie ein Nachhauseweg klingen“, das sagt Sänger James Cook selbst über seine derzeit in allen Blogs und Gazetten hoch gehandelte Band Delphic. Und tatsächlich gelingt es den vier jungen Mancunians auf ihrem Debütalbum „Acolyte“ ganz genau diejenige Stimmung einzufangen, die eintritt, nachdem die Party ihren Höhepunkt langsam überschritten zu haben scheint und pure Euphorie sich mit Wehmut zu vermischen beginnt […] |

















