Rezension: ceo – White Magic |
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Im Winter kommt man mit dem gefühlten Wissen aus dem Bett, dass der Tag nach der Arbeit schon so gut wie gelaufen ist. Im Sommer ist das ganz anders. T-Shirt, kurze Hose und die Sonne im Nacken. So schnell lässt sich dort kein Wässerchen trüben. Ein Klischee, auf das viele Bands abzielen, aber welches nur von wenigen so gekonnt umgesetzt wird wie vom Schweden Eric Berglund, der sich hinter ceo verbirgt. |
Mount KimbieCrooks & Lovers |
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Ein Blick in die Ramschläden der Nation offenbart viel über eine Ästhetik, die längst wie ein Generalbass nicht nur das Prekariat, sondern einen Großteil des privaten Lebens der Deutschen untermalt. Grell muss es sein, etwas kitschig und auf eine schreckliche Weise so gewöhnlich, dass man sich beispielsweise im dänischen Nachbarland wie auf einem anderen Planeten wähnt. Während dort sogar eigene Gratismagazine die architektonische und visuelle Zeitgemäßheit thematisieren, glühen im hiesigen KingBillig besonders die güldenen Accessoires an der Ladenkasse. Ein Phänomen, dass sich auch ebenbildlich in der Musik wiederfindet: Abstrakte Elektronik, buschige Klangwälle und klinische Aufgeräumtheit versprühen immer noch das Parfüm von nerdiger Hochkultur, von sperriger Avantgarde. Berührungsängste sind da nicht ausgeschlossen. |
Sun Kil MoonAdmiral Fell Promises |
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Der Soundtrack für diese heißen und schwülen Sommernächte kommt sicherlich nicht von Sun Kil Moon. Das ist eher was für den Herbst, könnte man jetzt angesichts der ersten Töne und Klänge von „Admiral Fell Promises“ denken und das konnten die ja schon immer (und die Vorgänger „Red House Painters“ nicht minder), solche herbst- und winterliche Alben mit unglaublich ausgedehnten Liedern, die sich ins Unendliche verlängern und immer wieder mit neuer Spannung vor sich her mäandern. |
M.I.A./\/\/\Y/\ |
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Ein bisschen Sorgen durfte man sich in den letzten 1-2 Jahren um Mathangi Arulpragasam machen. Zuvor war sie immer eine Künstlerin gewesen, die es verstand, die Darstellung ihrer Persönlichkeit und ihre Musik in harmonischem Einklang zu halten und als untrennbare Einheit vorzuführen, authentisch als Entkommene der Dritten Welt, die einer grauen Masse eine (oft kontrovers diskutierbare) Stimme geben konnte und die über eine Fülle an künstlerischem Talent verfügt, sodass die Leute ihr auch zuhören. Mit dem Erfolg ihres Meisterwerks „Kala“, das sie an Chartsspitzen und auf die Bühnen der Grammy- und Oscar-Verleihung brachte, kamen aber auch die ersten Zweifler und Missgünstigen, die nicht zwingend im Recht waren, auf die M.I.A. aber auch nicht immer souverän reagierte, bis plötzlich die öffentliche Person M.I.A. mehr Raum einnahm als ihre Musik. Was tut sie auf ihrem dritten Album „/\/\/\Y/\“ um gegen zu wirken? |
WavvesKing Of The Beach |
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Nathan Williams aus Kalifornien ist in den 20ern und weiß um den Umstand, dass Jugend auch ein Verfallsdatum hat. Entsprechend beeilte er sich in den letzten beiden Jahren mit dem Musik machen und bot Bloggern 2008 gleich eine Reihe von schrammeligen Demos an, die lechzend weiterverteilt wurden. Und das, obwohl außer schlechtem Gitarrenspiel und völlig zerschossenem Gesang kaum Substanzielles auf der Habenseite stand. Aber anscheinend gab es ein großes Verlangen nach unbekümmertem Sound (man könnte von No-Fi sprechen, hätten nicht vor Jahren bereits The Thermals diesen Begriff okkupiert), der alles zusammenfasste, was beim Heranwachsen begehrenswert erscheint: Authentizität, Lebendigkeit und Emotionalität. Sein neues Album ist nicht ganz so rau produziert, aber ebenfalls eine Empfehlung. |
The RootsHow I Got Over |
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2010 darf jetzt schon als einer der besten Jahrgänge der Urban Music in die Geschichtsbücher eingetragen werden. Erykah Badu, Drake, Janelle Monáe, Flying Lotus und Big Boi haben bereits großartige Alben abgeliefert, The Roots aus Philadelphia setzen dem nun mit ihrem neunten Album „How I Got Over“ die vorläufige Krone auf. |
ParlovrParlovr |
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Zwei Jahre sind eine lange Zeit. In dieser kann beispielsweise die Qualifikation für ein großes internationales Fußballturnier ausgespielt werden, während eine afrikanische Elefantendame ihr Junges austrägt oder das Debütalbum einer dreiköpfigen kanadischen Band den weiten Weg über den Atlantischen Ozean zurücklegt, um schlussendlich in Deutschland anzukommen. Während wir die ersten beiden Phänomene aufgrund kalendarischer und biologischer Eigenarten jedoch recht gut verstehen können, bleibt das Letztgenannte zumeist ein Rätsel. Und wirft vor allem eine Frage auf: Warum? |
Big BoiLuscious left foot: The son of Chico Dusty |
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Zerfallserscheinungen sind oft das Ergebnis, wenn ein Bandmitglied einen Soloausflug unternimmt. Nicht nur die Band betreffend, sondern auch die Qualität der Songs, die zuvor vom Zusammenspiel oder kreativen Wettkampf belebt wurden. Bei Big Bois „Sir Luscious Left Foot: The Son Of Chico Dusty“ liegt der Fall aber im doppelten Sinne anders. Zum einen ist die Platte nicht wirklich sein Solodebüt, bestand doch schon das Doppelalbum seiner Band Outkast „Speakerboxx/ The Love Below“ aus einer Scheibe mit den Songs seines Bandkollegen André 3000 und einer mit denen Big Bois. Zum anderen wischt sein neuer Output jeden Gedanken an Zerfallserscheinungen mit einem lässigen Schnipser beiseite. |
StarsThe Five Ghosts |
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Torquil Campbell, Amy Millan und Co. sind nun auch schon Mitte 30, aber sie werden auf ewig jugendlich bleiben. Sie wissen bestens Bescheid über die Herzensangelegenheiten des Lebens, sind abgeklärt und weise, aber sie haben nicht vergessen, wie es sich anfühlt ein Teenager zu sein, der an gebrochenem Herzen leidet. Die kleinen Momente des Lebens reichen ihnen seit jeher aus, um große Luftschlösser damit zu bauen. Das brechende Herz wird so lange zum poetischen, schicksalhaften Ereignis aufgebauscht, bis daraus ein bittersüßer, triumphaler Kino-Höhepunkt geworden ist. Auf „The Five Ghosts“, ihrem mittlerweile fünften Studioalbum, legen die Kanadier mal eine Pause ein, Songs für dich und mich und den Kinofilm unseres Lebens zu schreiben. Stattdessen haben sie eine Songsammlung zusammen geklöppelt, die vortrefflich geeignet ist, um das Leben von Grey’s Anatomy-Charakteren zu beschallen – lau, oberflächlich und schnell wieder vergessen. |
Wolf ParadeEXPO 86 |
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Wie müssten sich wohl McCartney und Lennon gefühlt haben, hätte es zu Beatles-Zeiten ein alles beobachtendes und analysierendes Internet gegeben? Fanpaparazzo-Bilder bei Monogum, „I hate Yoko“-Facebook-Gruppen, aber vor allem die endlose Diskussion, die sich mit jedem neuen Werk in tausenden Foren aufs Neue entfachte: „Wer ist besser: John oder Paul?“ Mit letzterem Vergleichszwang müssen Dan Boeckner und Spencer Krug seit jeher leben, auch das dritte Album von Wolf Parade wird von vielen in zwei Hälften betrachtet werden. |
Nina NastasiaOutlaster |
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Dass Nina Nastasia mittlerweile von Hollywood nach New York gezogen ist, rückt das Bild, das man als beständiger Hörer und Bewunderer ihrer Lieder bekommen haben mag, ein wenig gerader. Denn nichts läge den oft spröden und meist freudlosen Kompositionen dieser Frau ferner, als der Gedanke an Palmen, Prachtboulevards und rote Teppiche. |
Bear In HeavenBeast Rest Forth Mouth |
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Auf einmal ist es ganz abrupt zu Ende. Lässt den Hörer allein in einem weiten Raum, der noch ein wenig nachhallt von den vorhergehenden 40 Minuten. „Es“ heißt in diesem Fall „Beast Rest Forth Mouth“ und ist das zweite Album von Bear In Heaven, das ansonsten aber eher auf Überraschungsmomente verzichtet. Im Gegenteil: Hier zählt das große Ganze, nicht ein einzelner Moment oder ein ausgewählter Song. Das wiederum ist erstaunlich, schließlich sind die insgesamt zehn Stücke keine ausufernden Klanggebilde, die eng miteinander verwoben sind, sondern ähneln zumindest von der Länge her eher klassischen Popnummern. |
Laurie AndersonHomeland |
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Wer Laurie Anderson zuhört, hat nicht den Eindruck es mit einem normalen menschlichen Wesen zu tun zu haben. Auf „Homeland“ gleicht die legendäre Performance-Art-Künstlerin eher einem transzendentalen Überwesen, eine Inkarnation des wissenden amerikanischen Bewusstseins. Es gibt sogar Beweise für Andersons übersinnliche Fähigkeiten. Als die Lou-Reed-Gattin vor fast zehn Jahren, nur zwei Wochen nach 9/11, ihren unwahrscheinlichen UK#2-Hit „O Superman“ in New York performte, hatte der 20 Jahre alte Song plötzlich eine beunruhigend orakelnde Bedeutungswendung genommen: „Here come the planes. They’re American planes. Made in America. Smoking or non-smoking?”. Viele Jahre sind seither wieder ins Land gezogen, Jahre, die die Amerikaner vor zahlreiche Herausforderungen, Probleme und Rückschläge gestellt und die die 63-Jährige dazu veranlasst haben, ein weiteres Mal ihre Stimme zu erheben. Auf „Homeland“ erzählt sie, in intensive Meditationen eingebunden, apokalyptische Geschichten aus dem Hier und Jetzt. |
MenomenaMines |
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Es war ja durchaus zu befürchten, dass das nimmermüde Kreativtrio von Menomena nach dem 2007er „Friend And Foe“ trotz so mancher wunderbarer zusätzlicher Spielwiese wie Brent Knopfs Ramona Falls oder Danny Seims Lackthereof für „Mines“ jeden Stein so lange umdrehen, Details verschieben und Sounds aufeinander türmen […] |
FarAt Night We Live |
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Far sind als Randnotiz groß geworden. Erst „posthum“ schien man die Band um Jonah Matranga so richtig wahr zu nehmen. Mit zwei beinahe-Meisterwerken Namens „Tin Cans With Strings To You“ und „Water & Solutions“ aus der Mitte der Neunziger und enger Verknüpfung zu dem, was man heutzutage nicht mehr Emo nennt, sind sie nun doch präsent, in den Büchern der Musikgeschichte. Da wären wir auch schon beim richtigen Stichwort, denn Geschichte ist, was einmal war. Far hingegen sind nun wieder. |
Sleigh BellsTreats |
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Vergesst den Hype, der bereits Monate vor dem Erscheinen von „Treats“ anhand einiger Demos um das New Yorker Duo Sleigh Bells gemacht wurde. Vergesst die Faktenlage, dass es sich hierbei um ein Projekt des ehemaligen Gitarristen der Post-Hardcore-Band Poison The Well, Derek E. Miller, und Alexis Krauss, Ex-Mitglied der nie aus den Startlöchern gekommenen Teen-Girlband Rubyblue, handelt. Vergesst die Versuche, den Sound der Sleigh Bells in Worte zu fassen oder in irgendeine Referenzliste einzubinden. Und vergesst auch gleich die Bedenken, die aufkommen könnten, die Frage, ob das alles in ein paar Monaten noch genauso heiß ist wie jetzt gerade. Wenn die Sleigh Bells aus den Boxen oder Kopfhörern dröhnen, ist es ohnehin völlig unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. Das Wort „überwältigend“ wird heutzutage leichtsinnig verwendet, in diesem Fall gibt es keinen treffenderen Begriff, wortwörtlich, im Sinne von kinetischer Energie. Diese Songs haben eine derart klangliche Wucht, dass sie in ihren besten Momenten nichts anderes neben sich dudeln und das Hier und Jetzt bis zum Anschlag ausfüllen. Und sie sind vortrefflich geeignet, um sich das Trommelfell raus zu blasen. |

















