Mux MoolSkulltaste |
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Pommes ohne Schranke, Sommer ohne Urlaub, Sex ohne Orgasmus? Manche Dinge gehören einfach zusammen und sind nur vereint ein gutes Team. Eine Blitzumfrage gerade unten auf der Straße hat auch festgestellt: 9 von 10 Personen sind der Meinung, dass Beats ohne Gesang keine wirkliche Musik darstellt. Und das ist gar nicht einmal so abwegig, haftet doch reinen HipHop-Abstraktionen immer etwas Unfertiges und Skizzenhaftes an und fordert ein geschulteres Ohr, um das Vokabular von Details, Brüchen und Bässen zu verstehen. Dass das lohnt, zeigen in den letzten Jahren immer mehr Künstler, die ganze Alben mit instrumentalen Beat- und Samplekonstruktionen veröffentlichen und dabei so deutlich wie nie auch die unterschiedlichen Produktionsarten offenlegen und somit selbst zum Thema machen. |
Alcoholic Faith MissionLet This Be The Last Night We Care |
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Es fällt schwer über dieses Album zu schreiben, ohne dabei Alcoholic Faith Missions letzjähriges Überraschungsalbum „421th Wythe Avenue“ und die dazugehörigen Konzerte zu erwähnen. Während mich letztere in ihrer von jeglichem Gepose befreiten Herzlichkeit sofort übermannten und seit langer Zeit mal wieder klarstellten, dass modernes Hippietum in seiner positivsten Auslegung soviel mehr meinen kann, als bloß Fusselbärte und neonbunte Gesichtsbemalung, mauserte sich ersteres nämlich erst im Laufe der Zeit und mit Blick auf die so langsam Staub ansetztende Plattenhülle direkt neben dem Player (bzw. die lastfm-Langzeitstatistik) zum echten […] |
Montags-Preview: Caribou – Swim |
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„Andorra“ ist in weite Ferne gerückt: Nach den romantischen Frühlingsausflügen des Vorgängers findet Dan Snaith nun Gefallen an der Vorstellung einer verspielten, pochenden Elektro-Platte für die Tanzfläche. Ein ambitioniertes Projekt, das manchmal vor lauter Schaffenslust die Zielrichtung aus den Augen verliert und vor allem dann gewinnt, wenn die Spuren der Vergangenheit zumindest noch schemenhaft zu erkennen sind. |
The Besnard LakesThe Besnard Lakes Are The Roaring Night |
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Je älter man wird, desto professioneller geht man mit seinem Emotionen um, man beobachtet, kategorisiert und versucht, sich nicht von jeder Stimmung mitreißen zu lassen, etwas, dass man als Teenager noch nicht kann oder aber auch einfach nicht können möchte. Leicht macht man es sich mit der Verwaltung der eigenen Gefühlen nicht, es raubt Kräfte, sich nicht mehr einfach in den nächstbestenMoshpit begeben zu wollen oder können, weil das Gemeinschaftsgefühl der Jugendlichkeit immer mehr schwindet und Naivität nach und nach durch Reflexion […] |
GonjasufiA Sufi And A Killer |
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Knapp 60 Minuten und 20 Songs, die auch dem wieder einmal aufmüpfig pöbelnden Leader der hippen Kifferclique gleich neben Aldi Süd lässig den Joint auspusten: Gonjasufis Debüt „A Sufi And A Killer“ provoziert, fordert heraus und spaltet die Gemüter – nicht zuletzt wegen seiner Genrelosigkeit. |
GoldfrappHead First |
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„I’m feeling alive again.“ „I wanna life, I want it now forever.“ „My whole world in light, head first in love.“ Keine Frage, Alison Goldfrapp geht es gut. Nicht nur auf dem Cover von „Head First“, dem fünften Album das sie zusammen mit Will Gregory unter ihrem Nachnamen in die Welt gesetzt hat, schwebt ihr Kopf in rosig bis blauen Wolken. Da sich, im Gegensatz zu manch einem Buch, bei Goldfrapp-Alben sehr wohl vom Artwork auf die Musik schließen lässt, macht schon dieser Anblick klar dass die melancholische, angefolkte Naturverbundenheit von „Seventh Tree“ einem schwelgerischen, farbenfrohen Synthesizer-Soundbild gewichen ist: Goldfrapp setzen dem 80er-Revival dezent die Krone auf. |
Titus AndronicusThe Monitor |
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Welch Freude: Titus Andronicus machen genau den erhofften Schritt auf The Hold Steady zu, plustern ihre Songs gehörig auf und holen sich prominente Sprecher für die historische Umrandung ihres eigenen lyrischen Manifests. Nebenbei wischen sie sich im Vollrausch den Bierschaum aus dem Mundwinkel und stoßen munter auf das Elend der menschlichen Existenz an. Verehrte Brüder, erhebet die Gläser! |
The Tallest Man On EarthThe Wild Hunt |
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Die Sonne steht hoch am Himmel, der Wind pfeift über die Prärie. Sträucher und dünnästige Bäume versuchen wenig Angriffsfläche zu bieten und ducken sich nach unten weg, wo sie können. Draußen im Dreck steht ein schmächtiges Kerlchen in Unterhemd, Hosenträgern und Bluejeans. Die Gitarre wirkt wie festgewachsen […] |
The Ruby Suns / GeographerFight Softly / Animal Shapes EP |
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Die irrwitzigen Tropical-Schnipseleien von El Guincho kamen Ende 2007 etwas zu früh: Erst im letzten Jahr wuchs sich karibisches Flair zu einem Trend aus, den besonders die amerikanischen Weird-Folk-Künstler etablierten. Im Frühling 2010 starten deren Epigonen eine neuerliche Veröffentlichungswelle. Grund genug für ein kleines Multivitamin-Spezial |
Dinosaur Feathers / Tanlines Fantasy Memorial / Settings EP |
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Manchmal hat man das Gefühl, die Konsumindustrie verfolgt einen cleveren Masterplan. Im Sommer 2009 schien die Modewelt so farbenfroh wie zuletzt irgendwann in den 90ern. Überall sah man bunte T-Shirts in grün, gelb, orange, rot, blau, türkis und violett. Passend dazu wirbelte das Animal Collective mit „Summer Clothes“ durch den Raum und versprühte ein tropisches Aroma, das viele weitere Indiebands zum Anlass nahmen, ebenso fruchtige Klänge zu veröffentlichen. Der Rhythmus war wieder wichtig geworden, das kosmopolitische Flair ebenso und so gab es zuhauf eine Renaissance von Steeldrums und geloopten Afrobeat-Samples, die sich nur allzu gut in eine Umgebung des amerikanischen Indie einfügten. In diesen Tagen schwappt eine zweite Welle heran, die zwischen Weird Folk und eine globalem Kulturraum hin- und herpendelt und dabei eine angesagte Mischung braut, die sommerlich, exotisch und beschwingt zugleich agiert. Wir stellen euch einige ausgesuchte Platten vor: […] |
FURWitches |
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„Witches“ gibt sich nicht gerade Mühe anders zu klingen als die Genrekollegen. Es ist ein Imaginarium der instrumentalen Art und lässt viel Freiraum für die eigenen Gedankenbilder, die passend zur Musik in Wellen heranschwappen als seien diese verhangenen Klänge ein Katalysator für Empfindungen und Assoziationen. Bryce Isbell alias FUR montiert schrullige Geräusche auf rhythmische Strukturen. Mal minimalistisch trocken, mal mit gehaltvollen Knistereien, die wie ein digitaler Schneesturm über die Kuppen wehen. Chillwave und Ambient sind die Genresysteme, die aber durchaus nicht ganz so schleppend ausgefüllt werden, sondern sich im frostigen Gleichgewicht zwischen trippoppiger Gelassenheit und aufwühlenden Abstraktionen wiederfinden. |
White HinterlandKairos |
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„Kairos“? Da bemühen wir doch einmal fix die Suchmaschine: „Vom Bildhauer Lysippos wird Kairos als blühender Jüngling mit geflügelten Schuhen dargestellt, dem eine Haarlocke in die Stirn fällt, während er am Hinterkopf nur spärliche Anzeichen von Haarwuchs erkennen lässt.“, das sagt Wikipedia, und obwohl über dem Eintrag ein Vermerk vor fehlenden Belegen warnt wollen wir heute einmal nicht so kleinlich sein, schließlich passt das alles viel zu gut. |
Fang IslandFang Island |
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Schuppen, Haare, der Schweiß der letzten Tage und Nächte überziehen wie ein schmieriger Film den Körper. Es riecht nach Anstrengung, Arbeit und Dreck. Die fünf Jungs von Fang Island sind vermutlich eher nicht die Hygienebeauftragten ihres Viertels in New York-Downtown, denn schließlich verlangen ihre Instrumente ihnen einiges ab: Die Gitarren schrummeln, das Schlagwerk wird stur geknüppelt […] |
jjjj n° 3 |
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„jj n° 3“ beginnt nichts Gutes verheißend. Eine rauchige Stimme mit minimaler Autotune-Verfremdung am Rand intoniert andächtig „Dear Lord, you done took so many of my people / I’m just wonderin‘ why you haven’t taken my life / Like what the hell am I doin‘ right?“, perfekt untermalt von melancholischem Pianospiel. Die Worte in „My Life“ jedoch hat sich nicht das Duo ausgedacht das vielen von uns letztes Jahr mit „jj n° 2“ einen unverhofften Sommertraum bescherte, sie sind dem gleichnamigen Stück des US-Rappers The Game entnommen und werden dort von Lil Wayne, jjs großes Idol dessen „Lollipop“ sie bereits so grandios zu „Ecstasy“ vernebelten, gesungen. Gen Ende der Ouvertüre schweift die Stimme in ein Kinderlied-artiges „Na na na na na, it goes around the world“ ab, auch hier sind Text und Melodie anderswo entwendet worden: einer käsigen Eurodance-Produktion aus den Fingern Alex Christensens. |
Joanna NewsomHave One On Me |
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„Ys“ war eine Bürde, ein zentnerschwerer Klotz, der sich auf den Rücken festsetzte und langsam die Luft zum Atmen abschnürte. Was sollte nach diesem Album auch noch kommen? Es schien alles gesagt, hier am Ende der gangbaren musikalischen Straße, wo nun zwischen Schönklang, exaltiertem Songwriting und 32-Mann-Orchesteraccessoire fünf Monolithen stehen, die grenzenlose Bewunderung einforderten und immer noch einfordern. „Ein Wunder“, titelte damals Spiegel Online, die Heiligsprechung durch das Publikum erfolgte postwendend. Zumindest durch die Masse derjenigen, die Joanna Newsoms Stimme nicht als Konfrontationskurs begriffen und sich Zeit nahmen, um ihren Exkursionen ins Harfenreich zu folgen, die dann rasch die Hand am blutenden Herzen hatten. So wunderecht, stilvoll und grundgütig eigen waren diese elfenbeinfarbenen Mini-Epen, die zudem unendlich kostbar und unsterblich schienen. |
SambassadeurEuropean |
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Was für ergiebige Zeiten! Während ein Künstler wie Gonjasufi unsere Vorstellung von Wohlklang erweitert und Yeasayer diesen in einer Welt suchen, in der Batikhemden durchaus als schick gelten und sie ungestraft einer Art globalem Synthie-Soulpop frönen (etwas, das bei einer Band wie Midlake, die sich in weit entfernte Landstriche des Folk zurückziehen, undenkbar wäre), erlöst uns Pantha Du Prince von dem engstirnigen Vorurteil, das Techno seelenlos sei. Doch all das würde nur halb so viel Freude bereiten, wenn es keine Bands wie Sambassadeur aus Schweden gäbe, die sich mit ihrem Indiepop weit ab von all dem befinden. |

















