fever-rayDead Woman

Die skurrile Pestmaske hat Karin Dreijer Andersson vorerst abgelegt. Ohne ihren Bruder Olof Dreijer steht die The Knife-Sängerin nun mit einem Solo-Projekt in den Startlöchern und versteckt sich von nun an hinter dunklen Sonnenbrillen. Ihre Medienscheu hat die kühle Schwedin als „Fever Ray“ beibehalten. Allein das beklemmende Video zur ersten Single “If I had a Heart“ – Dreijer zeigt sich hier lediglich unter schwachem Licht des Mondes als Skelett geschminkt –  reichte aus, um in der szenetreuen Blogosphäre und bei heimischen Musikmagazinen wie der Spex euphoriegeladene Lobesgesänge erschallen zu lassen. Hören wir hier den ersten großen “Hype“ des noch jungen Jahres? Und wie klingt ein Album, das nach eigenen Angaben durch David Lynch und Jim Jarmusch inspiriert wurde?

Düster und minimalistisch gibt “If I had a Heart“ den Auftakt. Durch Autotunes und Vocoder verfremdet klingt Karin Dreijer Andersson im vielleicht untypischsten Song des Albums ebenso, wie es ihr kurzer Auftritt im Video visuell untermalt: gespenstisch. Basslastige Synths schleppen den Song mühsam voran. Der Zenit bedrückender Atmosphäre wird bereits im Opener erreicht. Langsam wagt sich das Album mit “When I grow up“ aus den Schatten. Ein entrückter Dancehall-Beat und gespenstisches Karibikflair erwischen den hypnotisierten Hörer auf dem falschen Fuß. Wirkliche Sonnentage sind auf “Fever Ray“ dennoch spärlich gesäht. Karin Dreijer Anderssons prägnante, eisige Stimmfarbe hält die kunterbunten und klangvollen Elektro-Kompositionen zusammen. In einer vielfältigen Schnittmenge aus Trip-Hop, Dancehall, Dubstep und Minimal-Elektro erzeugt sie auf ihrem Solo-Debüt den idealen Soundtrack für den Nachtspaziergang durch verschneite skandinavische Wälder. Hartnäckig graben sich “Dry and Dusty“, “Seven“ oder “I’m not done“ mit ihren schwungvollen Melodiebögen in den Gehörgang und lassen dem Hörer auch des Nachts keine Ruhe von ihrem Spuk.

Mit Fever Ray entfernt sich Karin Dreijer Andersson von der zügellosen, leichtfüßigen Grundstimmung ihres Hauptprojekts The Knife und ummantelt ihre Stimme mit einem deutlich passenderen Gewandt. Es ist die Aufforderung zum Hexentanz, wo Grusel und Lustbarkeit sich zufrieden in den Armen liegen. “If I had a voice I would sing“.

7.7 / 10

Label: Rabid Records

Spieldauer: 48:04

Referenzen: The Knife, Björk, Múm, Portishead, Air France, Animal Collective

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 18.03.09 (physisch) / Digital-Download in diversen Shops schon erhältlich

8 Kommentare zu “Review: Fever Ray – Fever Ray (2009)”

  1. Pascal sagt:

    Gute Platte, die leider nicht ganz die Klasse von The Knife erreicht, aber dennoch einige echt gute Songs parat hat. 7,3 von mir;)

  2. Markus sagt:

    Das letzte The Knife-Album war ein Knaller von vorn bis hinten. Das hier ist aber unbestritten bedrohlicher, existenzieller und von der Ästhetik in der Popwelt so eigene und unverkennbar. Dachte zunächst, die Tracks langweilen etwas mit Redundanz. Nach 10x hören, mit Rotwein und in abgedunkeltem Zimmer: Das hier ist ein Geniestreich.

  3. Pascal sagt:

    Heute Abend: Der berühmte Funken und so…

  4. […] normalerweise  nicht mit Artikeln und Hinweisen geizt, wenn es um die Schweden von The Knife oder Fever Ray (Soloprojekt der Sängerin Karin Dreijer) […]

  5. […] Cooperative| Universal] Rezension, MySpace, Musikvideos Januar – […]

  6. […] Live haben sie sich einiges abgeschaut von der grandiosen Umsetzungstechnik von The Knife oder Fever Ray und werten ihre durchaus starken Songs auch noch visuell auf. Aber noch mehr eint dieses Projekt […]

  7. […] eine gewisse Stille im Hause Dreijer. Eine Ausnahme bildete Karin Dreijer Anderssons grandioses Fever Ray-Soloalbum im Jahr 2009, während Olof Dreijer als Oni Ayhun auf seinem gleichnamigen Label […]

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