DELSPetals Have Fallen
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Label:
Big Dada
VÖ:
31.10.2014
Referenzen:
Young Fathers, Dead Prez, Kate Tempest, The Streets, Micachu, Childish Gambino, Theophilus London, Kwes.
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Neben dem vertrackten Ghostpoet – mit dem Kieren Gallear, so heißt DELS im bürgerlichen Leben, bereits zusammengearbeitet hat – zählen vor allem Big Dadas Kate Tempest und die frisch mit dem Mercury Prize ausgezeichneten Young Fathers zu den innovativsten britischen Rap-Acts, die sich das Attribut „genreübergreifend“ gar nicht mehr auf die Fahne schreiben müssen, weil flüssige Konturen im Rap für sie ohnehin eine Selbstverständlichkeit sind. Genau das gilt auch erneut für ihren Labelkollegen DELS, dessen neues Album man auf keinen Fall verpassen sollte.
Der insistiert weiterhin auf einer echten Band und setzt auf handgemachte Beats, die nach einer Fusion von The Roots und New Order klingen sollen. Ob das eventuell einer der Ratschläge von Radiolegende John Peel war, der den jungen Rapper damals in seine Sendung einlud? Oder doch Joe Goddard von Hot Chip, der sich schon früh für den Rapper interessierte und ihn bereits remixte? Beides möglich, wie dem auch sei: Namedropping hat DELS nicht nötig.
„Petals Have Fallen“ könnte sich durchaus als innovativstes HipHop-Album in diesem Jahr bewerben lassen. Grimmige Synthies düstern auf „Fall Apart“, bei dem DELS flowtechnisch brilliert und ein wenig nach 50 Cent klingt, um nach Blitzsekunden des Silentiums in anderem Modus weiter zu rappen. „House Of Commons“ beweist kompositorische Vielseitigkeit und mischt in das Beat- und Padgeflecht selbst verträumte Klavierpassagen, die auf dem ganzen Album einen zentralen Teil einnehmen. Daneben stehen wiederum ganz auf Demonstration seines Raptalents hinarrangierte Stücke.
Neben elektronischen Skizzen wagt sich DELS auch in verträumt souliges Terrain, das im Falle von „Burning Beaches“ niemand Geringeres als R’n’B-Modernist Kwes. fabriziert hat, der auch für das gesamte Album als ausführender Produzent agiert. Höhepunkt ist aber das romantisch neblige „You Live In My Head“, das sich in einer leichten, entrückten Dubstruktur präsentiert, sowie das verknotet fransige „Bird Milk“, auf das ein Timbaland oder Pharrell Williams in querdenkerischen N.E.R.D.-Zeiten stolz gewesen sein dürfte, als er sich noch nicht mit beliebigem Soulpop zufrieden gab.
Abgesehen davon, dass die temporeicheren Nummern für energetische Livedarbietungen nahezu prädestiniert sind, überzeugt DELS aber auch in den leiseren Momenten, wie ein Childish Gambino des UK. Auch wenn er nicht immer die Qualität des spannungsgeladenen Narrativs von Mike Skinner erreicht, nimmt man ihm sogar kontemplative Zeilen wie „Oh, I am lost in words, I can´t believe, I´m writing this verse“ ab, die im wohl persönlichsten Track „Lost In Worlds“ nicht einmal für kurze Zeit aufgesetzt wirken. Jene Nummer scheint einem verstorbenen Freund namens Oscar gewidmet zu sein und von hier aus ergibt dann auch der düster entrückte Eröffnungstrack „Limbo“ Sinn, da der Limbo eben ein Tanz ist, den man der Tradition zufolge nach einem Begräbnis tanzt.
DELS, das Wunderkind oder besser: DELS, das Musterbeispiel für die Vereinigung von Flow, inhaltlicher Tiefe und musikalischer Innovation. Die Zukunft wird zeigen, ob er mit seiner Selbsteinschätzung Recht behalten muss: „I´m a walking contradiction“.


