Nicht nur innerhalb des in die Jahre gekommenen und längst viel zu eng gewordenen Korsetts Conscious Rap sind The Roots ein Phänomen. Über streng genommen arg muckermäßige Liveshows bis zu einem Engagement als Late-Night-Hausband gab es nichts, was dem Coolness-Grad der wahrscheinlich verlässlichsten Gruppierung im HipHop etwas anhaben konnte. Selbst so ein seltsam anachronistisches Ansinnen wie ein Konzeptalbum brachten The Roots 2011 mit „Undun“ souverän über die Bühne. „…And Then You Shoot Your Cousin“ soll diesen Ansatz weiterfolgen, geht dabei jedoch alles andere als konsequent vor.

So ist es weniger ein stringenter Plot, der die verschiedenen Monologe und Charaktere dieses nunmehr elften Roots-Albums zusammenhält, als die omnipräsent düstere Atmosphäre. Denn auch wenn oftmals leichtfüßige Pianomelodien die Basis der Tracks bilden, klangen Questlove und Co. selten so apokalyptisch wie hier. Musikalisch entfernt man sich mehr denn je von einstigen Rap-Wurzeln, Lead-MC Black Thought stellt seine Anteile merklich in den Hintergrund. Neben den rappenden Dauergästen Dice Raw und Greg Porn sind es vor allem die GastsängerInnen, die davon mit denkbar unorthodoxen Auftritten profitieren. In „Never“ performt Patty Crash irgendwo zwischen Joanna Newsom und Katzengeheul, während Mercedes Martinez auf „The Coming“ gegen zwölftoneskes Klavierstakkato ankämpft.

„…And Then You Shoot Your Cousin“ erstreckt sich über gerade einmal 33 Minuten. Das ist nicht nur für Genre-Verhältnisse wenig, bedenkt man, dass große Teile für Intros und Zwischenspiele draufgehen. Jedoch sind es gerade diese formalen Brüche, die dem Album seinen Charakter verleihen und Gedanken an eventuell mangelnde Substanz gar nicht erst aufkommen lassen. Elektronisches Rauschen, Freejazz-Passagen, Momente der Dissonanz reißen die eigentlichen Songs immer wieder aus ihren Träumen. Der typische und auch hier unverkennbare Roots-Flow hat zu kämpfen. Mehr als nur einmal droht das furchteinflößende Konstrukt, welches die Band sich hier zimmert, unter dem eigenen Gewicht zusammenzustürzen. Da grenzt es fast an ein Wunder, dass Gastsänger Raheem DeVaughn der Platte mit „Tomorrow“ einen zumindest halbwegs versöhnlichen Abschluss verschafft.

Mit diesem in vielerlei Hinsicht seltsamen Album dürfte die Gruppe so einige Fans vor den Kopf stoßen. Bei allem Hang zur Inkonsequenz ist es jedoch gerade die Brüchigkeit, welche „…And Then You Shoot Your Cousin“ so spannend macht und den aufgeschlossenen Hörer reichhaltig belohnt. The Roots, diese ewige Konstante, überzeugen hier zum ersten Mal durch Inkonsistenz.

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