Young FathersDEAD

Wenn es darum geht, HipHop ein neues Image zu verleihen, geht dieses Trio mit gutem Beispiel voran. Young Fathers reichern ihre Musik mit den verschiedensten Zutaten an, bedienen keinerlei Klischees und verlassen sich vor allem auf Gefühl und Intuition.

HipHop wurde immer wieder mal für tot erklärt. Dass mit solchen Aussagen vorsichtig umgegangen werden sollte, hat die Vergangenheit wiederholt bewiesen. Genres werden gemixt, lösen sich auf – die Musik wird vielschichtiger. Man könnte sagen, die Genres gehen verschiedenste Beziehungen ein und mutieren zu außergewöhnlichen Hörerlebnissen, wie sie uns auch Young Fathers nach ihren letztjährigen EPs mit dem Debütalbum „DEAD“ eines bescheren. Manche nennen es Psych-HipHop, andere füllen den Topf einfach mit Assoziationen wie Grime, Afro-Beat, R’n’B, Indie, Pop, Elektro-Punk. Bereits die Geschichte der Akteure ist ein gutes Beispiel, dass Schubladendenken eher der Vergangenheit angehört.

In Edinburgh, das eher für seine Indie- und Elektroszene bekannt ist, gab es seit den 90er-Jahren eine Jugendparty namens „Lickshot“, auf der sich minderjährige HipHop-Fans treffen konnten. Der gebürtige Liberianer Alloysious Massaquoi und Kayus Bankole, schottischer Sohn nigerianischer Eltern, kannten sich von der High School. Für sie war diese Partyreihe eine schöne Alternative zum Alltag und schnell lernten sie dort den Schotten Graham Hastings kennen, welcher zu Hause mit einem einfachen Musikprogramm an Beats bastelte. Er lud die beiden zum Songschreiben ein, von da an nahm die Geschichte von Young Fathers ihren Lauf. Inzwischen sind sie Mitte zwanzig, haben ihren eigenen Stil gefunden und die richtigen Leute kennengelernt – unter anderem Timothy London, der ein eigenes Studio in Edinburgh besitzt und ihr Produzent wurde.

„DEAD“ spielt mit den Genres, ohne Klischees zu bedienen oder es auf die Spitze zu treiben. Es klingt natürlich, authentisch, hat Gefühl und doch den nötigen Druck durch den Wechsel zwischen energisch und dezent, Rap und Gesang, unberechenbar und doch in sich stimmig. Schon der Eröffnungstrack „NO WAY“ präsentiert das Spiel mit den Stilmitteln. Er beginnt mit Ziehharmonika, ein Bassklopfen setzt ein, ergänzt mit Vibrato-Geheul. Dann verselbstständigt sich der Beat, ein rotziger Rap geht in Gesang über, begleitet von „No-ho Way“-Zwischenrufen und gefolgt von einem treibenden Chor-Gesang, der gegen Ende durch Synthesizer und klopfenden Beat an Dynamik und Tempo zulegt. Im Track „GET UP“ dröhnen die Bässe dagegen wie aus Nebelhörnern und in „LOW“ werden R’n’B, HipHop, Pop und elektronische Einflüsse so intelligent ineinander verwebt, dass der Song auch nach mehrmaligem Hören noch fasziniert.

Young Fathers haben mit „DEAD“ ein Album geschaffen, welches weder unter- noch überfordert. Trotz nachdenklich stimmender Texte wie „AK47 take my brethren straight to heaven“ oder „Mmm did I see you planting seeds in the forest, is it for the green of the dollars? Now don’t go telling me it’s for the needs of the poorest. Now ima take a shit in your palace“ ist die Musik selbst niemals schwermütig. Diese Platte möchte Aufmerksamkeit, man spürt, dass Gefühl, Intuition und Identität eine große Rolle spielen. Mit „DEAD“ lässt sich feiern, nachdenken und schweigen – das muss man erst einmal schaffen. Und wenn sich noch jemand über den Titel wundern sollte, dann gibt es auch dafür eine schöne Begründung: „It’s called DEAD because I can say it loud and it means nothing“.

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