Ani Up Suf Walk Gang (I): Ein 8-Tage-Festival, selbstgemacht

Die Mission: 8 Tage, 4 Städte, 6 Konzerte: Fucked Up, Animal Collective, noch mal Animal Collective, Gang Gang Dance, Sufjan Stevens und The Walkmen. Was danach noch übrig ist – eine Kurzgeschichte zwischen unbestreitbaren Tatsachen und verwaschenen Illusionen.

Der Start ist immer wichtig. Man muss gut reinkommen. Die Kollegen wünschen viel Spaß. Auf die Frage wo es denn jetzt hingehe, antworte ich kurz, aber präzise. „Fucked Up“; verdutzte Blicke, der ist doch nicht ernst zu nehmen. Trotzdem ein ehrliches Lächeln. Sie meinen es gut mit mir: „Na dann. Pass auf Dich auf.“ Na klar.

Ziemlich genau zwölf Stunden später liege ich rücklings im Beet. Weiche Blüten haben den Sturz leicht abgefangen. Der knapp zwei Meter hohe Maschendrahtzaun, der zwischen dem Astra-Aktivisten aus Schleswig-Holstein, mir und unserer ausgeklügelten Optimalroute steht, wird schlichtweg unterschätzt. Oder vielmehr falsch eingeschätzt. Dieses verdammte Ding gibt einfach zu schnell auf. Doch lässt es sich gut lachen im Morgengrauen, wenn man nach schwitzigem, behaartem und umarmendem Konzert noch fünf Stunden um die Häuser ziehen muss. Der erste Zug fährt erst gegen fünf, hat man uns jedenfalls gesagt. Wir sollen ihn nicht ansatzweise bekommen.

Aber jetzt liege ich erstmal hier, im Hinterkopf pochen noch einprügelnde Gitarren und ein bärtiger Kaventsmann, der von sich behauptet, nicht kickern zu können. Der dafür aber nicht gerade wenig dazu beiträgt, dass dieses verdammte Konzert ähnlich gewaltig und eindrucksvoll ausfällt wie die knapp 80-minütige, vierteilige Hardcore-Oper um „Queen Of Hearts“, die in wenigen Tagen erscheinen wird. Da ist Dampf drin. Wie überhaupt in diesen Tagen. Kleiner Makel: Die unnötige Niederlage am Kickertisch. Dabei war Sandy Miranda sicherlich nicht die schlechteste Wahl als Partnerin. Es ihr in die Schuhe zu schieben, wäre nicht fair.

Ja, jedenfalls liege ich jetzt hier, dem Gespött des munter Spottenden ausgesetzt: „Wie ein Käfer! Wie ein Käfer“, prasselt es immer wieder auf mich ein. Derweil zeigt er mit dem Finger auf mich, genau so, wie man kleinen Kindern immer wieder beibringt, dass sie es eben nicht tun sollen. Dabei bemerken wir vor lauter Lachen kaum, dass eine entsetzte Dame an der Tür gerade panisch um ihren Vorgarten bangt.

Nunja, lieber mal weiter. Erst viel später – irgendwann zwischen Innerer Kanalstraße und Köln-Nippes – sollten wir feststellen, dass die Abkürzung beileibe keine war. Festzuhalten aber bleibt auch, dass Ehrenfeld unter der Woche einiges zu bieten hat für Leute, die nicht wissen, wohin. Mit sich und der Welt. Alleine das urige „Simrock“, ach, ihr habt ja keine Vorstellung: Das sind Läden, da wird selbst frühmorgens um vier noch mit der liebenswerten Barkeeperin angestoßen. Heile Welt. Das denke ich auch, als ich fast gegen zwölf zu Hause eintrudel und den Leuten dabei zusehe, wie sie ausgehungert ihre Mittags-Fritten vertilgen.

Als ich schließlich wieder aufwache, muss die geliebte „Mad Men“-DVD stundenlang Schleifen im Root Menu gedreht haben. Ich frage mich ernsthaft, ob ich diese Woche wohl durchhalte. Aber dafür sorgen andere. Animal Collective zum Beispiel. Denn da geht es als nächstes hin, im Rahmen des Electronic Beats. Und wie! Dieses psychedelische, energetische Set ist mehr, als manchem Zuschauer lieb ist: „We Tigers! We Tigers! Ahhh!“ – man bekommt einen lebhaften Eindruck davon, was Panda Bear gemeint haben muss, als er im Zuge seiner neuen Solo-Platte von der Energie diverser Rockbands wie Nirvana oder den White Stripes gesprochen hat. Es ist schon ein Stück Glückseligkeit, einen der persönlichen Favoriten im siebten Anlauf noch mal eine Spur besser zu sehen als je zuvor.

Was jetzt schon feststeht: Es wird wieder diesen einzigartigen Run auf die Youtube-Livemitschnitte geben, ähnlich wie im Vorlauf von „Merriweather Post Pavilion“, als man bereits ein Jahr vor den Studioaufnahmen einigen in unmittelbarer Umgebung ziemlich auf den Wecker fiel. All das geht mir gerade durch den Kopf, denn ich werde von einem verantwortungsvollen Fast-Nachbar (nochmals vielen Dank!) und einer Beinahe-Nachbarin gemeinsam mit meiner Liebsten sicher nach Hause kutschiert.

Es ist nicht mal drei, als wir uns angeregt in Erzählungen über die Bedeutung und Prophezeiung von Vic Chesnutts „At The Cut“ verlieren. Erstmal zu Hause, denke ich kurz nach. Noch ein Youtube-Video? Doch folge ich lieber dem Rat eines weisen Kollegen, entscheide mich dagegen. Denn nach solch einem Event die Band nochmals von Band oder am Monitor zu hören, ist das nicht, als ob man direkt nach euphorischem Geschlechtsverkehr mit sich selbst spielt? Und morgen in Berlin, da gibt es ja die nächste Gelegenheit. So lange sollte man durchhalten können.

4 Kommentare zu “Ani Up Suf Walk Gang (I): Ein 8-Tage-Festival, selbstgemacht”

  1. Fridi sagt:

    Kanns mir bildlich vorstellen und freue mich schon auf die Fortsetzung ;-)

  2. Wahrscheinlich willst du das gar nicht lesen und hören, aber vielleicht – unter Kollegen quasi – ja doch:

    Hier kannst du lesen, wie es mir beim Sufjan Stevens Konzert in Leipzig gefallen hat:
    http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/sufjan_stevens_traenen_und_ekstase_sufjan_stevens_live_im_leipziger_centraltheater.html

    So oder so: Viel Spaß, Namensvetter… :)

  3. Pascal sagt:

    Und ob ich das lesen will, klar;) Gern verlinke ich Deine Rezi auch irgendwo im nächsten Teil.

  4. […] Die ersten Tage mit Fucked Up und Animal Collective waren ein aufregender Start in das selbstgemachte Festival, nun führt der Weg nach Berlin. Auch hier nicht gänzlich ohne Komplikationen. […]

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