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Josh T. Pearson: Allumfassende Traurigkeit

Josh T. Pearson: Allumfassende TraurigkeitÜber Josh T. Pearson kann man eine Menge erzählen. Nicht nur, dass er vor Jahren bereits musikalische Fußspuren hinterlassen hat und mit seiner Band Lift To Experience und dem Album „The Texas-Jerusalem Crossroads“ einen echten Kritikerliebling fabriziert hat. Er hat auch mit so namhaften wie unterschiedlichen Künstlern wie Bat For Lashes und Mitgliedern von The Paper Chase und My Bloody Valentine musiziert und veröffentlicht nun sein erstes und vielleicht sogar einziges echtes Soloalbum, welches unsagbar passend „Last Of The Country Gentlemen“ betitelt ist.

Allumfassende Traurigkeit spiegelt sich nämlich auf den sieben, teilweise ellenlangen Titeln wieder, die in der Regel allein von Pearsons sentimentalem Gitarrenspiel begleitet werden. Seine Stimme schlingert zwischen Resignation und Rezitation hin und her, Strukturen und gar ein erkennbares Grundkonstrukt fallen der trüben, aber dennoch leidlich warmherzigen Stimmung zum Opfer. „Sweetheart, I Ain’t Your Christ“ bebt und zittert er sich durch den herausragendsten Song des Albums, nicht ohne spätestens eine halbe Stunde später die Entschuldigung parat zu haben: „Sorry With A Song“. Irgendwie erinnert „Last Of The Country Gentlemen“ frappierend an die Solowerke Mark Kozeleks, dessen Virtuosität an der Gitarre Pearson aber nicht erreicht. Diese fehlende instrumentale Meisterkraft macht der bärtige Sänger aber durch ein Unmaß an traurigen und todernsten Facetten wieder wett. Wenn ihn die trunkenen Geigen in „Woman, When I’ve Raised Hell“ noch tiefer in seine eigenen Abgründe ziehen, wenn ihn die Angst schier zum Verzweifeln bringt oder wenn er, wie in „Drive Her Out“, einen letzten verzweifelten Versuch zur Selbstkasteiung begeht.

Es ist ein Wagnis und bedarf Durchhaltevermögen, sich auf die intensive Zerfleischung des gottesfürchtigen Sängers einzulassen, doch wer keine Angst vor der wohl traurigsten und einsamsten Platte der letzten 10 Jahre hat, wird hier reichlich mit lyrischer Strahlkraft mitten aus dem einsamen Herzen versorgt.

„Last Of The Country Gentlemen“ ist auf Mute – Aip erschienen

Links: Albumstream | Tourdaten


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9 Kommentare zu “Josh T. Pearson: Allumfassende Traurigkeit”

  1. Pascal Weiß sagt:

    Riesiges Werk. Erster Hördurchgang ist eine ähnlich intensive Angelegenheit wie bei Bright Eyes’ Lifted oder 2006 bei Flying Canyon. Wird wohl Platte des Jahres.

  2. Pascal Weiß sagt:

    Carl, so langsam wirste mir unheimlich: Erst die Cult Of Youth, jetzt dieses unbeschreibliche Ding. Vielen, vielen Dank, was wäre mir hier durch die Lappen geganen!

  3. Carl sagt:

    ach dafür nicht…manchmal passiert so etwas einfach!

  4. “Resignation und Rezitation”… da hätte gut noch “Resonanz” gepasst. aber jetzt will das album erst einmal gehört sein.

  5. Pascal sagt:

    Mein Album des Quartals. Nächste Woche in Köln im Studio 672 – das kann was geben.

  6. [...] Shanty-Wahnsinn von Cult Of Youth sind wir ebenso verfallen wie der untröstlichen Verzweiflung von Josh T. Pearson – wenn das in einigen Jahren nicht zum absoluten Klassiker geadelt wird. Darüber hinaus träumen [...]

  7. [...] manchmal völlig ausreichen, um einem Album trotzdem Aussagekraft zu verleihen, hat unlängst erst Josh T. Pearson bewiesen, auch wenn seine todtraurige Trunkenboldlyrik thematisch weniger diffizil daherkommt. [...]

  8. [...] gern nuschelt. Der Songs wie das brillante „Country Dumb“ seines nicht minder brillanten Albums “Last Of The Country Gentlemen” auch gern noch über die 10-Minuten-Marke ausdehnt, Geschwindigkeit rausnimmt, komplette [...]

  9. [...] Resignation und Wut, Kummer und doch Aufbegehren. Hoppla, gab es da nicht vor circa einem Jahr eine ähnliche Charakterisierung? Es wäre jedoch ein nahezu ein Unding, Elliott und Pearson miteinander in einen Topf zu werfen, so [...]

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