Alles wird gut! Ghostly klopft auf Holz

Das amerikanische Indie-Label Ghostly feiert Ende Juli seine einhundertste Veröffentlichung und putzt sich dafür ordentlich raus: Eine Krawatte darf da nicht fehlen, ebenso wie die passende Musik, die aus den beiden Teilen der jüngst erschienenen Jubiläums-Compilation besteht. Alles verpackt in eine formschöne Holzbox, die den guten Geschmack  unterstreicht, den das Label seit Jahren bei der Auswahl seiner Künstler an den Tag legt. International zählen zum Beispiel School Of Seven Bells, Matthew Dear oder Lusine zu ihrem Label Roster, der sich aber fast permanent auf der Musikspur ganz links außen bewegt. Weit weg vom Mainstream.

Ghostly, das ist inzwischen ein Trademark für feinsinnige Elektronik, spinnerte Beatmacher und fahrig-sphärische Laptop-Künstler, die meist nur eines eint: Die musikalische Ambition und die Geschmackssicherheit, mit der sich im Popkosmos orientiert wird. Einige Alben des Labels haben wir bereits bei AUFTOUREN besprochen und all diese Veröffentlichungen sind auch Monate später hochgradig aktuell und empfehlenswert. Das letztjährige Album von Deastro zum Beispiel ist eine rundum verspielte Angelegenheit und verbindet Indiepop mit kruden Tönen aus dem Computer, ohne dass der wahnsinnige Wust an akustischen Signalen weit weg von konventionellen Hörgewohnheiten wäre. Besonders und ausgefallen ist das Album dennoch – weil es Melodien, Rasanz und künstlerischen Mut zu einem Ideenfeuerwerk und dutzenden Hits verbrennt. An solchen Veröffentlichungen zeigt sich wieder einmal, dass doch die „Größe“ eines Labels über die Bekanntheit eines Künstlers entscheidet, was weiterhin sehr schade ist. Freunde von Why?, MGMT oder Animal Collective sollten sich dieses clevere Werk nicht entgehen lassen. Die neue EP hingegen ist trotz stattlicher Länge von vollen elf Tracks eher halbgar und weniger beachtenswert.

Abseitiger und komplexer geht es natürlich auch. Bereits im letzten Jahr erschien das Ambient-Tech-Album von The Sight Below, was nachhaltig zu begeistern weiß (und es verdientermaßen auch in unsere Liste der „Geheimen Beute 2009“ geschafft hat). Sphärische, raumgreifende Klänge mit ungeheuerlichem Nachhall und statischer Aufladung treffen auf erbarmungslos humorlose Beats. Eine Offenbarung, die das aktuelle, rein ambiente Werk nicht ganz einzulösen vermag. Wer eher auf freundlich umhertollende Beats und HipHop-Abstraktionen steht, der sollte sich das exzellente „Skulltaste“ von Mux Mool nicht entgehen lassen, was im März das Licht der Welt erblickte. Stöbern ist übrigens auf der Ghostly-Homepage nur allzu leicht. Oft gibt es die Möglichkeit, Alben komplett anzuspielen und auch die Gratis-Sektion ist umfangreich und lädt ein, dem Repertoire dieses wirklich tollen Labels auf die Schliche zu kommen. Das geht natürlich auch ganz einfach mit der oben angesprochenen Holzbox, die sich ganz sicher einen Ehrenplatz im Audiozimmer-Schrank verdient hat. Schließlich existieren weltweit davon nur genau 50 Exemplare. Entsprechend ist  eine schnelle „Pre-Order“ bei Gefallen anzuraten, auch wenn der Preis von 117 Euro (inklusive Verpackung und Versand) schon Schmerzgrenzen erfahrbar macht. Und dennoch: Auf mindestens weitere 100 Veröffentlichungen, Ghostly!

Link: Ghostly

Ein Kommentar zu “Alles wird gut! Ghostly klopft auf Holz”

  1. […] fallende Verkaufszahlen vorweisen kann, viele Künstler und Labels bieten umfangreiche, wenn auch kostspielige Vinyl-Boxsets an, die sich häufig trotzdem lohnen, die Nachfrage ist da. Interessant: In Zeiten, in denen sich […]

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