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Rezension: Alcoholic Faith Mission – Let This Be The Last Night We Care

Rezension: Alcoholic Faith Mission - Let This Be The Last Night We CareEs fällt schwer über dieses Album zu schreiben, ohne dabei Alcoholic Faith Missions letzjähriges Überraschungsalbum „421th Wythe Avenue“ und die dazugehörigen Konzerte zu erwähnen. Während mich letztere in ihrer von jeglichem Gepose befreiten, selbstvergessenen Herzlichkeit sofort übermannten und seit langer Zeit mal wieder klarstellten, dass modernes Hippietum in seiner positivsten Auslegung soviel mehr meinen kann, als bloß Fusselbärte und neonbunte Gesichtsbemalung, mauserte sich ersteres erst im Laufe der Zeit und mit Blick auf die so langsam Staub ansetztende Plattenhülle direkt neben dem Player (bzw. die lastfm-Langzeitstatistik) zum echten Lieblingsalbum, das einem die distanzierte, ständig nach Innovationen und musikalischen Sensationen forschende Kritikerbrille ganz langsam aber sicher immer rosaroter und hingebungsvoller zu färben vermochte.

Dabei war das, was die Band dort veranstaltete doch eigentlich nichts anderes als ganz gewöhnlicher, irgendwo zwischen Morr Music und kanadischen Großkollektiven, zwischen Folk-Innerlichkeit und Alkoholrausch oszillierender Indiepop-Eskapismus mit den richtigen Songs und dem gewissen Etwas. So einfach kann das eben manchmal sein.

Nun aber, wo ich mich als ernstzunehmender Rezensent ja quasi schon im Voraus einigermaßen disqualifiziert zu haben scheine, soll es – so wenig Fanboy wie möglich (und soviel wie nötig) – um das Drittwerk der Kopenhagener gehen, das den wunderbaren Titel „Let This Be The Last Night We Care“ trägt und die Entwicklung, die diese Band seit ihrem 2006er Debüt „Misery Loves Company“ durchlebt, konsequent weiterdenkt. Von ihren spartanischen Folkwurzeln haben Alcoholic Faith Misson sich nämlich spätestens mit diesem Album vollständig befreit. Das einstmals nur aus Thorben Seierø Jensen und Sune Sølund bestehende Zwei-Mann-Projekt ist endgültig zur kompletten Band zusammengewachsen. Wo früher noch einzelne Stimmen die Songs dominierten und ganz besonders Sängerin Kristine Permild mit engelsgleich dahingehauchten Zeilen wie „Just cause I’m a whore you know it doesn’t mean I don’t feel it when you fuck me, gently.“ für Aufmerksamkeit sorgte, wird sich diesmal gemeinsam in den Armen gelegen und voller Inbrunst im Chor gesungen. Das Schlagzeug rumpelt energisch während der restliche Instrumentenpark sich selbst kaum im Zaum halten kann und immer wieder zu bläsergetriebenen und symphonischen Bombastmomenten anschwillt, die sich letztendlich in sphärischem Rauschen auflösen.

„Let This Be The Last Night We Care“ macht seinem Namen alle Ehre und schmeißt in 45 Minuten Spielzeit so gut wie alles, was eine aus fünf Personen bestehende Band an Möglichkeiten sowie Leidenschaft so zu bieten hat, in die Waagschale. Immer wiederkehrende zaghafte Momente, wie das hübsche „Snug In To Ride It“ oder die wunderbar ziellose Trompete im abschließenden Hidden Track, stellen ganz selbsverständlich nur einen Teil des hier verarbeiteten emotionalen Chaos dar, welches in ständig mit sich selbst ringendem Auf und Ab durch die omnipräsente Wall Of Sound weht. „You fuck me, you wrong me. I get love from everyone but you.“, da ist Wut, Resignation, süßliche Trauer, Zweifel und letztendlich natürlich  jede Menge Liebe, die den ganzen zwischenmenschlichen Scheiß, um den es hier wie so oft geht, dann doch wieder erträglich und sinnvoll erscheinen lässt. “Sober now, sober now. It’s not too late to be with you.” heißt es halbwegs versöhnlich in „Sobriety Up And Left“, einem der schönsten Stücke dieses Albums, das wenn überhaupt nur ein ziemlich kleines, mehr als verschmerzbares Problem haben dürfte: Mir persönlich gefiel der etwas klarer strukturierte Vorgänger letztendlich dann doch noch ein winziges Quäntchen besser.

Wertung: 75

Label: Pony Rec / Morr / Indigo

Referenzen: Stars, Broken Social Scene, The Most Serene Republic, Headlights, My Latest Novel, The Antlers

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 05.03.2010 


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