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Rezension: Surfer Blood – Astro Coast

Rezension: Surfer Blood - Astro Coast

Klassischer 90er Indierock Marke Built To Spill, gekoppelt mit hippem Psychedelic-Beach-Lo-Fi à la Girls meet Kurt Vile und das derzeitige Szene-Wort schlechthin direkt im Bandnamen – da dürfte nichts schiefgehen.

Schon Wochen vor der Veröffentlichung von „Astro Coast“ waren Surfer Blood in vielen Blogs und Magazinen Thema, der Appetizer „Swim (To Reach The End)“ konnte auch schon reichlich abräumen, u.a. bei Pitchfork, und spätestens das öffnet ja bekanntlich Tür und Tor. Und wieder einmal – wer kann das heutzutage eigentlich noch hören? – soll der Indierock gerettet werden, jaja, das bekannte Spielchen eben.

Zumindest das Label Kanine Records geht ungewöhnlich und erstaunlich clever mit der Situation um und nimmt diesen Worten gewissermaßen ein wenig den Wind aus den Segeln, indem auf der eigenen Homepage schon vorab gar nicht verleugnet wird, dass es sich hier um einen Hype handelt und, um das Ganze auf die Spitze zu treiben, sogar auf einen Artikel  verweist, in dem in einer Art Ranking die genauen Prozentzahlen angegeben werden, die den Aufruhr um die Band zu erklären versuchen. Ein gewagter Schritt, der den Labelbetreibern ohne Frage Sinn für Humor attestiert und zudem ein wenig die Spielregeln verändert. Sympathisanten der Koketterie dürften zu Recht ihre helle Freude haben.

All das täuscht aber nur wenig darüber hinweg, dass es – mal ganz abgesehen vom Bandnamen, der in Zeiten des anhaltenden Surf-Hypes nicht gerade übergroßen Witz versprüht – „Astro Coast“ an Originalität und Einfallsreichtum mangelt. Ohne tief in der Vergangenheit der Rockmusik buddeln zu müssen und alte Recken als Vorreiter finden zu wollen, zeichnen sich die Parallelen, selbst abgesehen von 90er-Indie-Ikonen deutlich ab. So ruft der Opener „Floating Vibes“ Real Estate ins Gedächtnis, das eingangs erwähnte und schnell nervtötende „Swim“ vereint halbgaren Lo-Fi-Pop mit einer happigen Portion Weezer, erinnert stellenweise sogar an einen dürftigen 80er-Gröhler. Und ist vielleicht gerade deshalb erfolgreich. „Take It Easy“ wiederum klingt, als hätten Abe Vigoda einen Remix für Vampire Weekend angefertigt, später bei „Slow Jabroni“ sind es dann die Dodos, die sich klar zu erkennen geben – der Faden ließe sich sicher weiter spinnen.

So gelingt es Surfer Blood, selbst wenn der Versuch längst nicht so plump erscheinen mag wie bei den unglaublich einfallsreichen The Drums und ihrem Möchtegern-Überhit, der sich, oh Wunder, “Let’s Go Surfing” schimpft, noch nicht, die eigene Identität preiszugeben und Flagge zu zeigen. Es fehlt an Ecken und Kanten, an Überraschungen, an Alleinstellungsmerkmalen; die befreundeten Japandroids etwa konnten vor nicht allzu langer Zeit mit überhohem Energielevel und mitreißender Aufbruchsstimmung punkten. Auch wenn sich wie in dem kurzzeitig punkig zuckenden „Neighbour Riffs“ oder dem Pinkertonschen „Catholic Pagans“ der ein oder andere nette Moment finden lässt, erweist sich „Astro Coast“ in erster Linie als ziemlich konturloses Werk. Das soll den jungen Herren aber gnädig verziehen werden, die Persönlichkeit will schließlich erst noch geformt werden.

Wertung: 48

Label: Kanine

Referenzen: Built To Spill, Cymbals Eat Guitars, Weezer, Girls, Japandroids, Real Estate, Vampire Weekend, Abe Vigoda, The Drums, The Dodos, Ganglians

Links: Kanine, MySpace

VÖ: 22.01.2010 (US)


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3 Kommentare zu “Rezension: Surfer Blood – Astro Coast”

  1. [...] Soft Pack klingen nach 2003 mit einer gewissen Surfer-Attitüde und sind vor allem auf gute Laune denn auf Rock’n’Roll-Authentizität aus. Das Schlagwerk [...]

  2. [...] – das Silvester-Musikorakel dabei stets im Hinterkopf. Während vor allem Vampire Weekend, Surfer Blood, The Drums oder The Soft Pack für durchaus geteilte Meinungen sorgten, war man sich im Falle von [...]

  3. [...] Hinsicht geglückt ist. Denn wo sich kommerziellere Ausläufer des Genres, wie zum Beispiel Surfer Blood und The Drums, lediglich auf die selbst kreierte Super-8-Patina stützen und in punkto Songwriting [...]

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