JapandroidsPost-Nothing

„The boys are leaving town, the boys are leaving town!“ Kaum ist die Klinke auch nur leicht gedrückt, die Tür einen Spalt offen, hetzt der kanadische Vierbeiner wie von der Tarantel gestochen ins Freie. Dieser winzige unaufmerksame Moment am anderen Ende der Leine wird konsequent ausgenutzt, mit weit aufgerissenem Maul und entschlossener Miene geht es hinaus in die weite Welt. Offenes Visier. Die Drums peitschen von allen Seiten (selbst Steve Albini hätte hier vermutlich nicht mehr rausholen können), Kompromisse gibt es nicht. Stattdessen nur noch frontal gegen jede Wand, koste es, was es wolle. Der Schmerz ist längst besiegt, vollkommene Ekstase der Normalzustand.

Brian King (Gitarre/Vocals) und David Prowse (Drums/Vocals) von den Japandroids hauen sich – den Welpenschutz vor einiger Zeit abgelegt – mit aller Macht ins Getümmel. Der Titel ihrer Debüt-LP „Post Nothing“ lässt dabei reichlich Spielraum für Interpretationen. Komplette Genre-Verweigerung und kreative, angepisste Antihaltung der guten alten No Wave-Ära? Oder doch „nur“ die vorweggenommene Antwort auf jedwede denn da kommende Frage nach den Einflüssen? Womöglich sogar die tollkühne Behauptung, mit diesem Werk eine Antwort auf das große Nichts und vor allem die Bedeutungslosigkeit der heutigen Casting-Musikwelt zu geben? Im Prinzip aber auch alles gar nicht so wichtig, rückt der Spaßfaktor erst einmal in den Vordergrund: „It‘ raining in Vancouver but I don´t give a fuck, cause I’m far from home tonight“ schallt es in bester vorsommerlicher Laune aus den Boxen. Die Band hält in Zeiten tiefsitzender Depression und anhaltender Überlebensängste das Unheil bewusst auf Distanz.

Irgendwo zwischen den ungestümen McLusky und den musikalisch sonnendurchtränkten Thermals haben die Japandoids ihre Decken ausgebreitet, achten dabei aber sorgfältig darauf, nicht zu nah an die Spielwiesen der anderen zu kommen. Die Authentizität ist ihnen zu keiner Zeit abzusprechen – hier machen zwei Herren aus Vancouver ähnlich wie letztjährlich die Mannen von No Age  aus dem entfernten LA einfach nur ihr Ding; ob das in Zukunft dann mit  Garage, Post Punk oder Lo-Fi in Verbindung gebracht wird, interessiert niemanden mehr, solange die Jungs weiterhin so geschickt, verschachtelt und doch jugendlich unbekümmert Hit um Hit aus dem Ärmel schütteln. Exemplarisch für das Gesamtwerk können wohl „Wet Hair“, „Rockers East Vancouver“ oder „Sovereignty“ gesehen werden; hier ist auch der hinterletzte Winkel so raffiniert ausgelotet, dass die Songs scheinbar zu jeder Zeit stetig an Fahrt aufnehmen. Getreu dem Motto: Immer ein paar Meter neben der eigentlichen Spur, stets einige Schritte voraus, niemals die schon mit reichlich Dreck versehene, befahrene Straße nutzend. „I don’t wanna worry about dying/ I just wanna worry about those sunshine girls!“ heißt es schließlich, die Finger nicht gekreuzt, in der schon seit geraumer Zeit im Netz kursierenden Ansage „Young Hearts Spark Fire“. Der Appell sitzt. Die Lebensfreude ist geweckt, letzte Zweifel ohnehin abgeschüttelt. Lieber nochmal rein in die Massen, wir werden schon fündig…

8.7 / 10

Label: Unfamiliar Records

Spieldauer: 35:28

Referenzen: McLusky, The Thermals, No Age, Black Lips,  Oxford Collpase, Future Of The Left, Titus Andronicus, Pissed Jeans, Modern Lovers, Times New Viking, Mika Miko

Links: MySpace, Unfamiliar

VÖ: 28.04.2009 (USA – exklusiv über Insound zu erwerben)

6 Kommentare zu “Review: Japandroids – Post-Nothing”

  1. Philip sagt:

    großartiges album!

  2. Sven sagt:

    Warum hab ich das erst jetzt kennengelernt? Wirklich überragend das Ding.

  3. […] Es fehlt an Ecken und Kanten, an Überraschungen, an Alleinstellungsmerkmalen; die befreundeten Japandroids etwa konnten vor nicht allzu langer Zeit mit überhohem Energielevel und mitreißender […]

  4. […] strammen Schrittes auf die 30 zugehen, aber jegliche Anzeichen von Abnutzung ihres bereits auf „Post-Nothing“ manifestierten Mottos mit der Bierbüchse in der Hand abschmettern. Wer glaubt, das Duo würde […]

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