Zur Lieblingsplatte all derer, die für gewöhnlich mit klassischem Indierock, unaufdringlichem Herzblut-Pathos und “Scottish Accent” zu ködern sind, entwickelte sich vor zwei Jahren etwas verzögert und im Verborgenen “The Midnight Organ Fight”, das zweite Werk von Frightened Rabbit, fünf Jungs aus dem beschaulichen Städtchen Selkirk  an der Südgrenze Schottlands. Von vielen zunächst etwas stiefmütterlich behandelt, offenbarte dieser kleine große Wurf von einem Album erst auf der langen Strecke seine wahren und ziemlich altmodischen Qualitäten.

Melodien, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen wollten und Textzeilen so herzerwärmend wie ein Flachmann voll Whisky. “It takes more than fucking someone to keep yourself warm.” Ganz langsam, still und heimlich ist es Frightened Rabbit so gelungen, eine ganz beträchtliche Schar glühender Anhänger um sich zu scharen und die Erwartungshaltungen für den hier vorliegenden Nachfolger auf ein erhebliches Level zu schrauben.

Nun also “The Winter Of Mixed Drinks”, ein Titel, der Blockhütten und Schnaps zusammen denkt und damit dem Thema der ewig wärmenden Emo-Flamme, die jedem Song dieser Band ins  kämpferische Herz verpflanzt zu sein scheint, schon einmal ziemlich treu bleibt. Auch die bereits im letzten Jahr veröffentlichte erste Single “Swim Until You Can’t See Land” deutete bereits an, was sich spätestens beim siebten oder elften Hören des neuen Albums bewahrheiten sollte: Frightened Rabbit machen hier wieder einmal nur wenig anders und deshalb so gut wie alles richtig. Gestartet wird mit “Things”, einem sich klassisch steigernden Opener, der mit Gitarrenecho und Scott Hutchinsons verletzlicher und doch kämpferischer Stimme schon einmal ordentlich an der Bombast- und Pathosschraube dreht um schlussendlich in  bereits erwähnter  Hitsingle zu münden, deren vezweifelt mit den Armen kraulende und  den Füßen schlagende Melodie in “Man/Bag Of Sand” auch noch einmal in leicht abgewandelter, gespenstisch von Geräuschen und Stimmen umwehter Akustikvariation auftaucht und damit ein zentrales Thema des Albums bildet. Als Neuzuwachs im Frightened Rabbit-Kosmos kann man auf “The Winter Of Mixed Drinks” neben dem hier so ungebrochen wie noch nie erscheinenden und auch mal mittels Geigen artikuliertem Willen zum Bombast insbesondere einige noisige Passagen zählen. Besonders in “Skip The Youth” wird deutlich, was die Band im Opener schon einmal vorsichtig andeutete. Frightened Rabbit zelebrieren hier zunächst ihren ganz persönlichen Sonic Youth-Moment, nur um dann doch noch die hymnischen Chöre und verspielten Melodien auszupacken, die am Ende wie selbstverständlich wieder den Kern dieses Albums ausmachen.

Wie kaum eine zweite Band dieser Tage schaffen es Frightened Rabbit, Umarmungen in Popsongs zu verpacken und diese in all ihrem vor Herzblut triefendem Pathos auf den Hörer loszulassen ohne dabei jemals aufdringlich oder affektiert rüberzukommen. So offensichtliche Hits, wie das als nächste Single auserkorene “Nothing Like You” oder das die titelbildende Textzeile vom “Winter Of Mixed Drinks” beinhaltende “Living In Colour” könnten in diesem Sommer so manche Indiefestivalcrowd zum gegenseitigen In-den-Armen-Liegen bringen und immer wieder geschickt platzierte und das Tempo des Albums im richtigen Moment drosselnde Streicherkitsch- und Gänsehautmomente wie “The Wrestle” oder “Not Miserable” sind in kalten Tagen wie diesen Gold wert. Die endgültige Qualität von “The Winter Of Mixed Drinks” wird man wahrscheinlich frühestens in einem halben Jahr würdig bewerten können, doch die Zeichen stehen bereits jetzt sehr gut, dass  fünf Angsthasen aus Selkirk auch im Jahr 2010 wieder eine Band der Herzen sein könnten.

80

Label: FatCat

Referenzen: We Were Promised Jetpacks, The Twilight Sad, My Latest Novel, The Wrens, Friska Viljor, Arcade Fire

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 05.03.2010

6 Kommentare zu “Montags-Preview: Frightened Rabbit – The Winter Of Mixed Drinks”

  1. […] via Fat Cat veröffentlichte Nachfolger "The Winter Of Mixed Drinks" erwies sich schon vorab als weiteres kleines Juwel und hat ebenfalls gute Karten, sich am Ende des Jahres einen der […]

  2. […] Andronicus, Los Campesinos! (die nebenbei für unser bisheriges Konzerthighlight gesorgt haben!), Frightened Rabbit oder Spoon aber wieder auffangen […]

  3. […] Frightened Rabbit und die Blood Red Shoes ruppig das Gaspedal durchdrückten und dabei sichtlich Spaß hatten, lief […]

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