Das alte Lamento kehrt mantra-artig immer wieder zurück: Musikfernsehen ist tot und damit oftmals die Chance, Musik in den Kontext eines Gesamtkunstwerkes einzufügen. Musikvideos als visuelle Unterfütterung von Tönen sind dennoch nicht ausgestorben. Viele Künstler aus dem Indiebereich bewahren das bewusste Zitieren, Verweisen und Verknüpfen, indem sie für wenig Geld fantasievolle Videos kreiert haben, die ihrem Schaffen eine weitere Zugangsebene eröffnen. Sei es die gelungene 1:1-Umsetzung einer Atmosphäre oder das Neukonstruieren einer Geschichte – in unserer Top 10 des ersten Quartals treffen gelungene Ideen auf brillante Umsetzungen. Ganz ohne Björk und Radiohead.

PLATZ 10: Mastodon – Divinations

Ein Video, das in den klassischen Bühenperformance-Segmenten am Stärksten ist. Digitale Schneestürme, gleißendes Licht – nur die heroischen Bergsteiger-Szenen wirken unfreiwillig komisch. Zumindest bis das Video selbst gänzlich ins Ironische kippt.

PLATZ 09: Department Of Eagles – No One Does It Like You

Der Kampf der Geschlechter wörtlich inszeniert – mit schaurigem KKK-Gespenst und Taliban-Turban. Eine Choreographie des Grauens mitten in der Unwirtlichkeit der Wüste. Absurd und gebrochen.

PLATZ 08: Bat For Lashes – Daniel

Die englische Artpop-Hoffnung umringt von schwarzen Schatten: Düstere Ahnungen? Spiegel der Seele? Oder Abgründe der Menschheit? Ein Video mit Wirkmacht.

PLATZ 07: Death Cab For Cutie – Grapevine Fires

Waldbrände in Kalifornien bedrohen Existenzen und die Popper von Death Cab For Cutie singen wieder nur im Wollwatte-Modus. Wie immer in Katastrophenvideos überlebt der Hund – ob das aber auch für alle Bewohner gilt?

PLATZ 06: Slagmalsklubben – Sponsored By Destiny

Eine Nährwert-Tabelle der tattrigen Oma? Braucht jeder Wolf! Die von einem Röyksopp-Video inspirierte Animation ist kurzweilig, skizzenhaft und stellt die bekannte Geschichte angenehm in den Hintergrund.

PLATZ 05: The Big Pink – Velvet

Ein Video mit Lust an Effekten und kraftvollen Bildern. Die schwarz/weiß-Ästhetik untermalt die Industrial-Beats, die schnellen Schnitte sorgen für Dynamik und untermalen hervorragend die Dramatik des Songs.


PLATZ 04: DM Stith – Pity Dance

Die Kunsthochschul-Karriere von DM Stith macht sich bemerkbar in diesem eigenwilligen Sequenz-Video, das jegliche Anhaltspunkte zur Auflösung und Einordnung dieser Geschichte verweigert. Mafiamord? Ehedrama?

PLATZ 03: Hjaltalín – Traffic Music

Dieses wunderschöne Collagen-Video ist ein prächtiges Beispiel, um die Tradition von Bildern und Gesellschaftskonventionen erklären zu können. Nostalgie und Liebesgeschichte – was soll bei diesem Video der Isländer noch schieflaufen?

PLATZ 02: Röyksopp – Happy Up Here

Röyksopp waren immer schon bekannt für gute Videos, dieses ist im wahrsten Sinne “erleuchtet”. Zudem ist der Zitatschatz riesig – von urbanen Mythen bis Computerspielen, von Alien-Videos bis Las Vegas-Ästhetik. Ein herrlicher Rausch!

PLATZ 01: Fever Ray – When I Grow Up / If I Had A Heart

Die absolute Kongruenz zwischen Song und visueller Entsprechung schafft Karin Drejer mit ihren Videos zum Debütalbum. Morbide und gespenstisch, düsterer als dunkel. Tolle Kameraeinstellungen, intensive Bilder, ein beklemmender Spuk.

5 Kommentare zu “Spezial: Beste Musikvideos | Januar-März 2009”

  1. […] ohne konstruierte Sex-Elemente aus. Hier befinden sich übrigens unsere anderen Quartalsfavoriten: Januar bis März, April bis Juni und Juli bis […]

  2. […] von hohen Ambitionen, die die Sound-Umsetzung noch nicht recht einzulösen vermag. Angelehnt an die fantastischen Fever-Ray-Videos wird mit Eskapismus-Metaphern, Verkleidung und Umformung gespielt. Spätestens im nächsten Monat […]

  3. […] aufregende Musikmomente. Die entmenschlichten Gesänge einer Fever Ray aus dem Jahr 2009 und die schauderhafte Optik ihrer Videos gehören genauso in diese Kontexte wie die hochfliegenden Wolkenklänge von White Ring, die ebenso […]

  4. […] [2009; Cooperative| Universal] Rezension, MySpace, Musikvideos Januar – März […]

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