Der Name Ariel Pink dürfte für viele Jahre eher zu Assoziationen mit einer Waschmittelsorte als mit einem verkannten Musikgenie geführt haben. Ariel Marcus Rosenberg, so sein bürgerlicher Name, macht schon seit den 90ern Musik, ist aber erst in den frühen 00ern so wirklich „entdeckt“ worden und gilt seitdem tatsächlich als eine Art Ikone einer bestimmten Lo-Fi und Nostalgie-Ästhetik, die einen großen Einfluss auf das Chillwave-Genre und die gesamte Indie-Szene ausgeübt hat. Würde es ein adeliges „House Pink“ geben, sein Siegel wäre wahrscheinlich die Audiokassette, so retromanisch ist sein Sound.

Mit „Dedicated To Bobby Jameson“ veröffentlicht Ariel Pink den Nachfolger zum bahnbrechenden „pom pom“ aus dem Jahr 2014 – bahnbrechend deswegen, weil jenes Werk so verspielt, so experimentell, so aberwitzig und wahnsinnig war, dass es selbst in Pinks Diskographie eine Besonderheit darstellt. Eine verwaschene Lo-Fi Ästhetik paarte sich dort mit unkonventionellen Pop-Hits, die manchmal sogar wie Werbejingles aus den 90er Jahren klangen.

Auch auf „Dedicated To Bobby Jameson“ experimentiert Mr. Pink wieder mit allerhand Musikstilen herum. Zwischen 1960 und 2000 scheint es kein Genre zu geben, das dem Multitalent zu groß zu sein scheint. Mal springt er von schmalzigen Synthesizer-Romanzen („Just Like Heaven“) zu krachenden Hardrock-Hymnen („Time To Live“), um dann wiederum einen Song wie „Bubblegum Dreams“ einzustreuen, der sich zwischen Surfrock und Werbejingle-Sounds bewegt. Doch in all diesem Potpourri der Nostalgie schafft es Ariel Pink, einmal mehr, richtige Hits zu schreiben. „Dedicated To Bobby Jameson“ ist voll mit Ohrwürmern, die den Pop auf ihre eigene Art und Weise zelebrieren – Poppourri statt Potpourri.

„Another Weekend“ ist ein verträumter Singer-Songwriter-Ausflug und ein weiteres Highlight – wobei es seltsam klingt, von Highlights zu sprechen, denn davon gibt es hier einige. Im Vergleich zum Vorgänger fällt das Album trotzdem sehr zahm und erwachsen aus, reiht sich damit aber perfekt in Pinks Diskographie ein. „Dedicated To Bobby Jameson“ ist verspielt, „pom pom“ quasi sein wahnsinniger großer Bruder.

2017 hat schon eine Reihe starker Alben von Singer-Songwritern hervorgebracht, die bestimmte Spielarten des Pops nicht nur zitieren, sondern auch zelebrieren. Alex Camerons 80er-Jahre-Charakterstudie in „Forced Witness“ kommt da ins Gedächtnis, oder Kirin J Callinans Pop-Pastiche-Projekt „Bravado“. Ariel Pink reiht sich mit seinem neuen Werk in eben jene musikalische Sehnsuchts-Thematik ein.

Und doch hätte das Album gerne etwas stärker enden können. „Do Yourself A Favor“ übertreibt es etwas mit dem 90er-Jahre-Kitsch („Got your favorite cassette/ in my pocket“) und wirkt deshalb einfach zu banal – mit den gruseligen Vocoder-Eskapaden im Rausschmeißer „Acting“ wollen wir gar nicht erst anfangen. Trotzdem schmälern diese beiden Songs nicht den Gesamteindruck. Ariel Pink setzt sich mal wieder in eine Zeitmaschine und liefert ein Album voller Nostalgie triefender Popjuwelen.

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