No JoyCreep EP

So sieht der Gipfel des Shoegaze-Revivals aus: Zur Jahresmitte 2017 erscheinen innerhalb weniger Wochen neue Alben von Slowdive und Ride, wenige Wochen nach dem ersten Studiowerk von The Jesus And Mary Chain in diesem Jahrtausend. Umso schwerer fällt es da ins Gewicht, wenn sich neue Bands mit wenig mehr als drei seichten Akkorden und schnell zusammengegoogelten Pedalen begnügen – aber No Joy standen schon von Beginn an etwas weiter draußen. Über drei Alben haben Laura Lloyd und Jasamine White-Gluz ihr Faible für wunderbar unwirkliche Vocal-Positionierungen um Melodien mit emotionalem Gewicht, Mut zu mehr Tempo und variablen Soundausrichtungen angereichert, doch die vier Songs auf „Creep“ wirken geradezu wie ein furchtlos vehementer Ausbruchs aus bewährten Klangräumen. „Fluorescent Dread“ ist bis auf ein paar Gitarrenstriche und wolkenartiges Stimmhauchen synthige EBM, deren Industrial-Züge das bellend aufröhrende „Tearing Apart The Dark“ noch um einiges an Ruppigkeit übertrifft. Wo No Joy dort mit ambienten Schwebepassagen kontrastieren, findet das ambitionierte „Hellhole“ die Anmut im erdrückenden Basstosen, greift zudem „Fluorescent Dread“s Synthesizerläufe auf und kulminiert wie schon „Califone“ im Gitarrensolo – frei nach dem Motto „Lieber zuviel versucht als zuwenig“. Es gelingt, auch deswegen, weil Produzent und gelegentliches Bandmitglied Jorge Elbrecht die komplexen Soundgeflechte zwischen großer Wucht und lähmender Sanftheit in schwer zu greifender Intensität herausarbeitet. So schaut neben der Vergangenheit doch glatt auch die Shoegaze-Zukunft wieder abgründig spannend aus.

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