Plattenkritiken


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Elbow – Build A Rocket Boys

Elbow standen schon immer für bittersüßen Britrock. Ihre Alben sorgten für entrückte, tiefgründige Momente, für viele waren sie die edle Alternative zum Stadion-Bombast Coldplays. Nun ist ihr fünftes Studio-Album „Build A Rocket Boys!“ erschienen: Ein opulentes, kräftiges Album, das seine Spannung nicht über die gesamte Spiellänge aufrecht erhalten kann.

Der Anfang gestaltet sich melodramatisch: „The Birds“ ist eine achtminütige Hymne, das folgende „Lippy Kids“ eines der schönsten und monumentalsten Stücke in Elbows Karriere. Guy Garveys Stimme hängt irgendwo in den Wolken, das Piano legt ein Fundament, Background-Chöre und behutsam weckendes Pfeifen veredeln das Stück.

Die zweite Albumhälfte ist deutlich getragener, düsterer. Und doch stellen sich kaum mehr Gänsehautmomente ein. „The River“ ist so zum Beispiel ein etwas zu aufgesetzter und selbstverliebter Song. Schön hingegen gerät das stakkatoverliebte „Open Arms“, bis auf einmal der Chor einsetzt und der olle Onkel Pathos wieder die Oberhand gewinnt. „Build A Rocket Boys!“ ist kein schlechtes Album, enthält es doch einige der ergreifendsten Elbow-Momente ihres gesamten Schaffens. Und doch sollte man danach erst einmal eine Runde Liturgy hören: das Equilibrium wieder herstellen. (Kevin Holtmann)

Referenzen: Coldplay, Doves, Kashmir, Gomez

VÖ: 15.04.2011 | Label: Fiction | Links: Homepage / Facebook

No Joy - Ghost Blonde

Obwohl es eher Denkfaulheit war, als der NME die Raveonettes als Quelle des jüngsten Schrammelpop-Revivals auszumachen meinte (anstatt jener Gruppen, an denen sich die Raveonettes seit jeher genauso orientieren wie heutige US-Bands), übt eine Hälfte des dänischen Duos mittlerweile tatsächlich transatlantisch Einfluss auf. Allerdings am Studio-Mischpult. Neben der neuen EP der Dum Dum Girls verpasste Sune Rose Wagner auch dem Debütalbum von No Joy einen wunderbar ausformulierten Gitarrendröhnsound, der jedoch den Eindruck erweckt, hier regiere Style über Substanz. Das Schlagzeug klatscht abgedumpft, Gesänge nuscheln Süssliches unter einer Decke aus Feedbackhall ohne dass dabei mitreißende Hooks hervortreten.

Doch sind emotionale Distanziertheit und Unklarheit eben das Ziel dieser Musik, wie wenn man in “Indigo Child” die Melodie zwischen zischelnd verschleppten Zeilen finden muss. “Ghost Blonde” wirkt zwar als Album fragmentiert, trotzdem finden sich die interessantesten Stücke – abgesehen vom Deerhunterig ausgedehnten Finale – in seiner Mitte, so dass es schon schade ist wenn “Still” zwar nett, aber allzu konventionell daherkommt. Anders “Pacific Pride”, das von sanftem Jangle unvermutet Fahrt aufnimmt und geradezu zum Ende sprintet. Stücke wie dieses machen das Debüt zu einem vielversprechenden, das man nicht abfeiern muss aber das anweist, dieses Duo im Auge zu behalten. (Uli Eulenbruch)

Referenzen: Ride, Women, Lush, Sonic Youth, The Raveonettes, Deerhunter

VÖ: 27.05.2011 | Label: Cooperative | Links: Facebook / Myspace


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