Nadia ReidPreservation

Es passt zur Fokussiertheit von Nadia Reid, dass sie ihren Folk nicht mit vorab geschürten Erwartungen oder überhaupt einem Label debütierte, sondern ganz souverän ihr erstes Album in die Welt setzte, deren Rest erst einmal zu ihr aufschließen musste. Ihr zweites, diesmal von Beginn an stärker beachtetes Werk erweckt den Eindruck, als habe die Neuseeländerin das Albumformat schon nahezu gemeistert: Auch ohne einen Blick aufs Tracklisting erscheint das sanft gezupfte „Hanson St Part 2 (A River)“ als organischer Endpunkt für die A-Seite, auf den folgend „Right On Time“ umso wirkungsvoller langsam wieder anzieht. Reid versteht es, Songs aufeinander abgepasst zu beginnen und zu beenden, Intensität oder Helligkeit abzuwägen, dazwischen hat sie auch im Einzelnen ihr Songwriting weiter raffiniert. Nicht gerade als souverän in allen Lebenslagen offenbart sie sich in unbeschmückten Texten, die sie direkt aus ihren Gedankengängen zu kanalisieren scheint – ein Effekt, zu dem ihre Stimme beiträgt: Hing sie auf dem Debüt noch etwas distanziert über dem Geschehen, steht sie diesmal so im Zentrum, wie sie auch frontal gerichtet vom Cover aus blickt. Die Anschläge an ihrer Seite knarzen kaum noch elektrisch verzerrt aus dem Verstärker, selbst dann nicht, wenn sich der Sound bei den schlagzeugbetriebenen, rhythmisch enger gestrickten „Richard“ oder „The Way It Goes“ verdichtet. Klangprägend für „Preservation“ sind vielmehr die umwölkten Echoräume, das sphärische Nachklingen der Saiten, das „I Come Home To You“ einen Hauch von Mazzy Star verleiht und sich in „Te Aro“ dermaßen weit zersetzt, dass es in einem See aus diffundiertem Twang aufzugehen scheint.

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