Tornado WallaceLonely Planet
Seinen Nom de Plume scheint Tornado Wallace schwer ironisch gewählt zu haben, gleicht „Lonely Planet“ unter den meteorologischen Phänomenen doch am ehesten einer warmen (und gewiss nicht trockenen) Brise. Die soften Balearic-Töne seines Debütalbums sind jedoch eigentlich ziemlich extrem für den Melbourner Lewie Day, der – ähnlich wie sein langzeitiger Szene-Wegbegleiter Mic Newman unlängst auf „Altitude Attitudes“ – Abstand vom Floor-affinen Hardware-House seiner zahlreichen EPs nimmt. Einzig „Today“, dem NO ZUs Becky Sui Zhen auch ausnahmsweise Vocals beisteuert, weist überhaupt markante Schlagzeugkicks auf, prägender als der leicht verschlurfte Beat sind aber die dezent gedehnten Gitarren- und Synthstriche, die auch im vorangegangenen „Trance Encounters“ eine innengewandte Zentrifugalwirkung erreichen. „Kingdom Animalia“ oder der Titeltrack beziehen ihren seichten Groove aus verwobenen Perkussions-, Tropensample- und Synthkaskaden-Mustern, treiben in harmonischen Wellenschüben voran und sind zugleich mit ihrem komplexen, üppigen Innenleben nicht zu simpel. Das Kronjuwel des Albums ist aber „Voices“, das als umflötetes Schemen beginnend graduell konkretere Melodie- und Bassform annimmt und im krautigen letzten Drittel unter wehmütigem Tastenspiel auseinanderdriftet – hier glänzt Days Entschleunigungsmusik einmal nicht durch körnige Texturen oder innere Struktur, sondern als Gesamtkomposition.


