Ryley Walker ist schon ein sehr eigener Musiker. Nachdem er sich mit dem wundervollen „Primrose Green“ fast zufällig für die Vorherrschaft im psychedelisch angehauchten Folk mit 60er-Jahre-Prägung empfohlen hatte, taucht dieser auf seinem neues Werk „Golden Sings That Have Been Sung“ zwar auf, bekommt aber entscheidende Konkurrenz. Ausbrüche ungezähmter Lust bändigt Walker inzwischen in gediegeneren und abgetönten Arrangements, denen die Freude an der Improvisation noch nicht verlorengegangen ist. Doch färben eher vertrackt-synkopierte Jazzminiaturen die deutlich sanfteren Stücke wie das virtuose „The Halfwit In Me“. Aber auch softe Popmomente verbinden die aus der Zeit gefallenen Songs, die sich wie schon auf „Primrose Green“ aus geschickt gestaffelten Instrumentalpassagen und erzählerischen Gesangssequenzen zusammensetzen. Das gelingt mal außerordentlich gut, doch schafft Walker es nicht immer hundertprozentig, zum Höhepunkt zu kommen und verliert sich ein wenig in seiner Virtuosität. Wenn „Funny Things She Said“ gar nach einem croonenden Walker verlangt, setzt dieser seiner eher jungenhaften Stimme rotweinschweren Jazzpop entgegen, der zwar süffig klingt, aber doch nach ein wenig mehr Körper gebrauchen könnte. Nichtsdestoweniger arbeitet der Musiker konsequent an der Wiedererweckung musikalischer Tugenden und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass „Golden Sings That Have Been Sung“ ein feines Album geworden ist.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum