Alex AnwandterAmiga
Fans chilenischer Popmusik ist Alex Anwandter bereits als ein Drittel der Anfang des Jahrzehnts mit Javera Mena und Gepe aufgekeimten Pop-Speerspitze des Landes bekannt, international trat er kürzlich aber auch als Regisseur ins Rampenlicht. Sein Film „Nunca Vas A Estar Solo“, der im Vorfeld der Berlinale den Jurypreis des Teddy-Awards erhielt, zeigt noch bedrückender als 2010 Anwandters erstes Soloalbum als Odisea die tödliche Intoleranz gegenüber LGBTQ-Personen in seiner Heimat. Wie bei seinem 2011er-Album unter eigenem Namen sind auch die Tragödien auf dem tiefgängigen „Amiga“ vorwiegend emotionaler Natur, wenngleich diesmal gänzlich unverhohlen aus einer queeren Perspektive. Diese Repräsentation allein macht seine Songs bereits politisch, wie auch Mena setzt er sich von konservativ-heteromaskulinen Gitarrenbands aber vor allem stilistisch mit discoidem, delikatem Synthpop ab. Oft trägt er ferne Echos von Andenfolk mit sich wie beim gitarrendurchzupften „Traición“, welches wie auch das scheinbar locker trompetend-klatschende „Intentarlo Todo De Nuevo“ im Verlust einer Beziehung den letzten Rest eines lebenswerten Daseins schwinden sieht. Doch das warme Finale „Te Enamoraste“ mit Küstenblick, samtigen Begleitvocals und luxuriösen Streichern blickt optimistischer zurück auf die vergangene und vorwärts in die neue Liebe, erneut mehrdeutig eröffnet hingegen „Siempre Es Viernes En Mi Corazón“ („In Meinem Herzen Ist Immer Freitag“) das Album: Das um rollende Handperkussion und glasige Lichttupfer bereichterte, in Spannungsmomenten zuckende Treiben ist ein hedonistischer Aufruf zum Feiern, aber auch zur Brandstiftung an den bigotten Institutionen von Kirche und Politik.


