M83Junk
Hollywoods Studios kennen diesen einen tollen Trick, um schlechte Rezensionen herauszuzögern: Für die schreibende (oder auch filmende) Kritikzunft gibt es einfach keine Vorführung im Voraus, so dass sie sich ihre Meinung über den Film erst zusammen mit dem zahlenden Publikum bilden kann. Womöglich hätte Anthony Gonzalez eine ähnliche Geheimniskrämerei geholfen: Auch wenn er sein siebtes Album als M83 nur fünf Wochen vor Erscheinen ankündigte, stieß „Junk“ von der Veröffentlichung des Covers an auf wenig Optimismus. Halte was man wolle von der Überlänge des Vorgängers, aber auf „Hurry Up, We’re Dreaming“ war Gonzalez ganz in seinem maximalistischen Element. Wie die 2007er Ambient-Exkursion „Digital Shades“ lässt das schon im ironischen Titel leicht verschämt auftretende „Junk“ hingegen seine Stärken eher vermissen. Dass er darauf 80er-Ästhetiken umarmt, die als kitschig oder trashig angesehen werden können, ist kein Problem, „Midnight City“ wurde schließlich mit Saxophonsolo zum Welthit. Dem ebenso Sax-gekrönten „Go!“ beispielsweise mangelt es vielmehr an griffiger Melodie, der proggig durchwustete Studio-Exzess wäre wie auch der Lite-Funk „Moon Crystal“ letztendlich auch zu leblos für ein Nostalgiekino à la Daft Punk. Die hommagierende Mimikry ist durchaus charmant, auch wenn mehr Einfälle wie der VHS-Qualitätsbruch in „The Wizard“ gut getan hätten, Gonzalez‘ Enthusiasmus für die Popkultur seiner Jugend ist wenn nicht spür-, so zumindest hörbar. Die Songs auf „Junk“ entsprechen letztlich nicht jenen, die man damals im Radio hörte, sondern deren Nachahmungen für B-Movies, die sich selbst keinen stargefüllten Soundtrack leisten konnten.


