Human AbfallForm Und Zweck
2014 ließ „Tanztee Von Unten“, das Debüt der Stuttgart-Berliner Formation Human Abfall, durch einen Post-Punk-Noise-Ansatz gepaart mit (post-)dadaistischer Lyrik aus den Untiefen des deutschen Absurdistans unsere Herzen noch übers Jahresende hinaus schneller schlagen. Zwei Jahre sind seither durch die Republik gezogen und die Verhältnisse sind nicht unbedingt besser geworden. Folglich sollte es doch genügend Stoff geben, den Sänger und Texter Flávio Bacon in seiner gewohnt deklamatorischen Art intonieren könnte. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß, dass er auch auf der Bühne eher die Pose eines Agitators annimmt als dass er wie ein Sänger einer Punk-Rock-Band aufträte. Musikalisch hat „Form Und Zweck“ auch durchaus streckenweise was zu bieten, verneigt sich tief vor Grauzone, Fehlfarben und anderen 80er-Helden, produktionstechnisch tritt die Musik im Vergleich zur Stimme allerdings stark in den Hintergrund. Hier liegt auch einer der größten Knackpunkte, denn Bacons Gesangsstil variiert in keiner Weise und die bloße Wiederholung von Textzeilen macht noch keine Wut, impliziert keine Dringlichkeit. Bei „Tanztee Von Unten“ hatten sich Stimme und auch Band noch überschlagen, auf „Form und Zweck“ erscheint nun vieles wie auf der Therapeutenliege improvisiert, tiefenentspannt, skizzenhaft, und so freut man sich, wenn die Band wie am Anfang von „Zurück Zum Brutalismus“ mal drauflos poltert. Wobei selbst das nicht an die Schmerzgrenze geht, sondern irgendwie soft klingt – Soft-Noise-Rock, gewissermaßen. Und so ist leider das Beste, was bleibt, ein tolles Covermotiv, das sich gerahmt sehr dekorativ an der Wand machen würde.




„Und so ist leider das Beste, was bleibt, ein tolles Covermotiv, das sich gerahmt sehr dekorativ an der Wand machen würde.“ – Hört sich sehr nach „Schmähreview“ an.