The Tallest Man On EarthDark Bird Is Home
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Label:
Dead Oceans
VÖ:
08.05.2015
Referenzen:
Bob Dylan, Johnny Flynn, Laura Marling, Bon Iver, Fionn Regan, M. Ward, Sufjan Stevens
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Autor: |
| Jennifer Depner |
„Suddenly the day gets you down/ But this is not the end/ no, this is fine“ – Kristian Matsson alias The Tallest Man On Earth beweist auf seinem vierten Album endgültig, dass er mehr ist als eine bloße Neuauflage von Bob Dylan.
Seit 2008, als sein Debüt „Shallow Grave“ ihn in die große weite Welt beförderte, muss sich der mittlerweile 32-jährige diesem Vergleich schon stellen. Freilich ähneln sich die Stimmen der beiden Sänger, und auch der im Erwachsenenalter stets spürbare jugendliche Charme vereint Dylan und Matsson. Auf seinem bis dato persönlichsten Werk „Dark Bird Is Home“ befreit sich der Schwede dennoch von dem Stempel: Zwischen Selbstsicherheit und Zerbrechlichkeit wandelt er, gibt sich mal nachdenklich, mal aufmüpfig. Nicht immer ist die Grenze zwischen Realität und Traum dabei klar auszumachen – was Matsson geschickt zu seinem Vorteil macht.
Ein großer Unterschied im Vergleich zu seinen früheren Alben ist sicher die Offenheit, die er hier an den Tag legt: Stücke wie das für The Tallest Man On Earth gewiss typische „Singers“ oder auch das darauffolgende „Slow Dance“, dessen Verspieltheit die eigentlich vorherrschende Melancholie nur bedingt überdecken kann, handeln vom Scheitern seiner Ehe. „But then I know that I’m a stranger in this land/ And I wake you up by speaking what you cannot understand“, singt er und versucht, sich krampfhaft an den guten Erinnerungen festzuhalten. Bei aller Dunkelheit, die auf „Dark Bird Is Home“ zu spüren ist, scheint dennoch immer ein Licht am Ende des Tunnels.
Überhaupt ist der Wechsel zwischen Finsternis und Erleuchtung – und auch zwischen Fern- und Heimweh – ein ständiges Thema auf dem Album. Das ambivalente Verlangen nach etwas Neuem, ohne das Alte ziehen lassen zu müssen, bestimmt das fast schon countryeske „Beginners“, ehe die romantische Aufbruchstimmung des hymnischen „Seventeen“ das Ruder übernimmt und ein durchaus staubiges, durchaus überbelichtetes, aber auch durchaus schönes Bild zeichnet, das so auch von Jack Kerouac stammen könnte.
Zurückhaltend gibt sich die Ballade „Little Nowhere Towns“, in welcher Matsson nichts weiter zu benötigen scheint als ein Piano und seine Stimme. Der Inhalt trifft direkt ins Herz: „But now honestly I’m broken down/ By this emptiness I feel/ First you moan, and then you yell it/ And now we don’t answer across the street.“ Im Titeltrack, den sich der Mann aus Dalarna für den Abschluss aufgehoben hat, wird es nicht fröhlicher, aber immerhin versöhnlich. Was hier reduziert und traurig startet, endet in einem fulminanten Feuerwerk, das ein für alle Mal Licht ins Dunkel bringt: „No, this is not the end/ No final tears that we need to show/ I thought that this would last for a million years/ But now I need to go“ – die nächste Tür öffnet sich bestimmt. Auch für den dunkelsten aller Vögel.


