TwerpsRange Anxiety
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Label:
Merge
VÖ:
30.01.2015
Referenzen:
The Clean, The Go-Betweens, The Bats, The Pastels, The Feelies, Real Estate
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Autor: |
| Klaus Kuhlenbeck |
Schon wieder Australien. Schon wieder Melbourne. Der musikalische Ausstoß dieser Stadt ist nach wie vor bemerkenswert. Im vergangenen Jahr landeten Total Control und The Peep Tempel vollkommen zu Recht weit vorne in unseren Jahrescharts, Ende März wird das mit ziemlicher Sicherheit großartige Debütalbum von Courtney Barnett folgen. Und zwischendurch zur Überbrückung: Twerps.
Musikalisch im besten Sinne unaufdringlich steht das Quartett auch mit seinem zweiten Album in der guten Tradition von Labels wie Neuseelands Flying Nun Records oder Englands Creation Records, die in den späten Achtzigern Weltmarktführer in Sachen außergewöhnlichem Gitarrenpop waren. Dabei stellt sich die auf den Albumtitel „Range Anxiety“ bezogene Frage, wie weit man als Band tatsächlich kommen kann, wenn man wie Twerps knietief in dieser, seit jeher etwas stiefmütterlich behandelten, Musikepoche steckengeblieben ist. Nun: Weiter als man denkt, wenn man in Betracht zieht, dass sie mittlerweile bei Merge Records untergekommen sind, zuletzt in ihrer australischen Heimat als Support von Belle And Sebastian und The War On Drugs unterwegs waren und im Rahmen ihrer diesjährigen US-Tour auch auf dem South By Southwest zu finden sein werden. Dieses offenkundig gesteigerte Interesse an einer Band, die nicht versucht zu beeindrucken, sondern mit einfachsten Mitteln überzeugt, verdient eine genauere Betrachtung.
Nach einem kargen Keyboard-Intro folgt direkt der beste Song der Platte. „I Don’t Mind“ ist das vertonte morgendlich unentschlossene Herumwälzen im Bett: „I don’t mind if you stay, I don’t mind if you go“. Wäre es Punk Rock, würde vermutlich „I don’t care!“ samt einer rausgebrüllten Beleidigung folgen und der Song wäre wenige Momente später vorbei. Twerps aber steigern Tempo und Intensität nur ganz behutsam und liefern damit ein bittersüßes Stück allerbester Popmusik ab. Nach dieser anfänglichen Zaghaftigkeit wird anschließend mit „Back To You“ ganz offiziell der Frühling eingeläutet. Ein Vorteil von Australien ist schließlich, dass die frierenden Bewohner der Nordhalbkugel auch im Winter mit wärmenden Klängen versorgt werden können – hat die Globalisierung also doch etwas Gutes. „White As Snow“ ist ein weiteres ungelenk schunkelndes Highlight dieser Platte und mit „Simple Feelings“ wird vorsichtig auf die unerreichten Ikonen des australischen Gitarrenpops, die Go-Betweens, geschielt.
Dass unterm Strich anstelle von gepflegter Langeweile das Gefühl von Vertrautheit und Wärme dominiert, liegt auch am wechselweisen Gesang von Martin Frawley und Julia McFarlane, die ein relativ breites Spektrum von melancholischer Nachdenklichkeit bis zu euphorischem Kindergeburtstag abdecken. Insgesamt vielleicht eine Spur zu harmlos ist „Range Anxiety“ doch ein unscheinbares Kleinod, das verdeutlicht, dass es im Leben oftmals die ganz einfachen und banalen Dinge sind, die einen erstaunlich zufrieden zurücklassen können. Twerps sind eine Band für Diejenigen, denen Real Estate immer schon etwas zu aufgeräumt und berechenbar waren. Man sollte sie auf dem Zettel haben. Und Melbourne generell. Und Australien sowieso.


