Dean BluntBlack Metal
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Label:
Rough Trade / Beggars
VÖ:
31.10.2014
Referenzen:
Hype Williams, copeland, Julia Holter, Daughn Gibson, Cocteau Twins
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Ich verstehe Dean Blunt nicht. Vielleicht versteht sogar niemand Dean Blunt. Ob sich das mit dem zweiten Solowerk nach dem großartigen „The Redeemer“ ändern wird?
Selten genug fällt Musik einfach so vom Himmel. Als 2012, in meinem zweiten AUFTOUREN-Jahr, gleich zwei Rezensionen zu Dean Blunt auftauchten, hat mich das noch wenig interessiert und bis heute habe den beiden Alben noch kein Ohr leihen können. Zu seltsam klangen die Referenzen, die der werte Kollege Constantin Ruecker aufrief, zu eigenwillig das zu erwartende Hörerlebnis. Auch dem Nachfolgewerk und somit dem direkten Vorgänger „The Redeemer“ schenkte ich erst nach seinem guten Abschneiden im letztjährigen „Jahr In Tönen“ meine Aufmerksamheit, die sich schnell in deutliches Wohlwollen verwandelte. Umso gespannter war ich auf „Black Metal“, das nun direkt und unmittelbar um Gehör buhlt.
Es ist mal wieder das Spiel mit den Genres, das Blunt auch bereits auf „The Redeemer“ mit wahrer Begeisterung praktiziert hat. Was „Black Metal“ hier verspricht, deckt eine Pop-Bandbreite ab, die von den verwaschenen Dream-Pop-Avancen Marke Cocteau Twins bis hin zu den countryesken Noir-Entwürfen eines Daughn Gibson reicht. Das Herz des Albums bilden aber sicherlich die beiden Überlänge-Experimente „X“ und „Forever“, die mit ihren zusammen fast zwanzig Minuten Spielzeit einen Großteil des Albums beherrschen.
Zunächst ist da das schleifenartige „Forever“, das sich stoßweise in Wellen auf den Hörer zu bewegt und innerhalb seiner starren kompositorischen Form einstweilig nur durch Nebengeräusche für Varianz sorgt. Doch andersherum können genauso dessen schräges Saxophon-Motiv und die es begleitenden, teils ziemlich dissonanten Flötentöne als Impulsgeber fungieren. „X“ scheint dagegen zunächst nicht mehr als zufällige Geräuschkulisse zu sein und hält dieses Grundgerüst auch ziemlich lange aufrecht. Doch irgendwann erheben sich Gesangsspuren in den Vordergrund, ohne dabei aber aufdringlich nach traditionellen Melodiemustern zu greifen. „Let it Go, let it go“. Alles fließt. Pantha rhei.
Blunt scheint sich auf „Black Metal“ tatsächlich vor allem auf diese beiden Kernstücke konzentriert zu haben, da sie doch allein thematisch das Album trennen und die atmosphärischen Dreampop-Stücke vom Beginn wie bei einem Lentikularbild nach dem Kippen andere Betrachtung erfahren. Der Bildwechsel findet aber auch in den Songs selbst statt und so ist es nicht verwunderlich, dass „Punk“ in Wahrheit Dub und „Country“ eigentlich perfider Elektro-Noise ist. Nahm sich Blunt auf „The Redeemer“ des Zitierens einzelner stilprägender Bands an, sind es auf „Black Metal“ somit die Genres selber, denen er ihre Grenzen aufzeigt und sich den zugehörigen, mit sperrigen Hilfsbegriffen versehenen Schubladen konsequent verweigert.
Es schreit somit sicherlich nach Metamusik, schließlich verwischen sich hier die Ebenen zwischen Musik und Rezeption zu einer kreativen, leider aber aber auch ziemlich körperlosen Melange. Kreativ, weil sich Blunt an so vielem versucht und dazu nicht viel Neues benötigt. Aber eben auch körperlos, weil das Zusammenspiel aus Kunst und Ordnung trotz allen Ineinanderfließens auf halber Strecke versiegt. Doch wenn das wiederum Stilmittel ist? Man kann sich bei Blunt nicht sicher sein, bis zu welchem Gedankengang er „Black Metal“ tatsächlich ausformuliert hat. Doch reichen hier sicherlich nicht wenige Hördurchgänge, um den Musiker tatsächlich kennenzulernen.
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