My Brightest DiamondThis Is My Hand
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Label:
Asthmatic Kitty
VÖ:
12.09.2014
Referenzen:
Kate Bush, Jesca Hoop, Tori Amos, Portishead, The Revival Hour, St. Vincent
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Hätte man mir Anfang des Jahres gesagt, dass ein Drittel meiner diesjährigen Rezensionen von Frauenstimmen dominiert sind, hätte ich deutlich mit dem Kopf geschüttelt. Noch im Frühjahr hatte ich eher dunkle Töne härterer beziehungsweise obskurer Art für mich vereinnahmt, doch nun pirscht sich nach Angel Olsen, Sharon Van Etten, Mirel Wagner, Xenia Kriisin und zuletzt Jenny Hval & Susanna (um nur die Alben der Güteklasse A zu benennen) mit Shara Worden aka My Brightest Diamond bereits die nächste Pretiose an – und gewinnt auf ganzer Linie.
Schon das erste Album „A Thousand Shark’s Teeth“ von 2008 konnte mit diesem ziemlich einzigartigen Twist aus Kunstlied und artifiziellem Pop überzeugen, doch eigentlich war ich erst Fan, nachdem Worden die zornige Feenkönigin auf „The Hazards Of Love“ von The Decemberists gegeben hatte. Das dort schon reichlich dargebrachte Herzblut, gefärbt durch eine unnahbare Energie, rettete sie auch auf „All Things Will Unwind“ und entpuppte sich innerhalb ihrer verschachtelten Songs als ernstzunehmende Kate-Bush-Konkurrentin. Nun verschiebt sie den Fokus erneut und gedeiht den nach wie vor kunstvollen Stücken deutlich mehr Rhythmik an – ein Umstand, der durchaus auch mal nach dem Tanzboden schreit.
Bestes Beispiel hierfür ist sicherlich das herausragende „Lover Killer“, dessen fast schon anzüglich freches Saxophon eigentlich so gar nicht mit den burschikosen Textzeilen harmonieren will. Auch die Single „Pressure“ zuckt im Takt, jedoch unterliegt sie dem immer wieder im Album auftauchenden Marschrhythmus, den Worden eindeutig den amerikanischen Marching Bands entlehnt hat und der auch das triphoppige und leicht mit Portishead-Annäherungen spielende „Looking At The Sun“ unterfüttert. „Pressure“ hingegen verwandelt sich aus einem Trommelwirbel zum funkelnden Diamanten, der in allen möglichen Farben schimmert: „Pink, purple, green, red, yellow, blue. I am in that mood, for diamonds“.
Jetzt ist Worden von Natur aus definitiv kein Discopüppchen und so bekommenden die tanzbaren Nummern auf „This Is My Hand“ genügend Gegenwind, damit das Album das Gleichgewicht halten kann. Gerade zum Ende hin wird es selbst für My-Brightest-Diamond-Verhältnisse ungewöhnlich ruhig, sie bleibt aber durchaus im schimmernden Licht der Spiegelkugel. So erinnert das schummrige „So Easy“ an heimelige Barabende, während das nervös zappelnde und durch feine Off-Beat-Nuancen aufgehübschte „Resonance“ ein wenig Nachtschatten erfährt, der vor allem durch die kunstvollen Stimmfärbungen Wordens ins Flackern gerät.
„This Is My Hand“ ist Wordens bisher souveränstes Album und tritt unumwunden sehr selbstbewusst auf. Die neuen und neu zusammengesetzten Versatzstücke, allen voran der Sound der Blech- und Holzbläser, verbindet sich bestens mit den beatorientierten Songs und die Hinwendung zur Elektronik bekommt auch den gemäßigteren Kunstliedern ausgezeichnet. Vielleicht ist es einzig allein Wordens Stimme, die sicherlich großartig ist, manchmal aber dann doch überfordert und nicht immer ganz austariert wirkt und schlussendlich dazuführt, dass My Brightest Diamond bis zum nächsten Album noch ein bisschen Luft nach oben hat. Ganz viel aber nicht mehr.


