Lust For YouthInternational
Vom Soloprojekt des Kopenhageners Hannes Norrvide ist Lust For Youth mittlerweile zum Trio angewachsen, doch ihr erstes Album in dieser Zusammensetzung initiiert auch einen kühneren, radikalen Schritt: vom dunklen, noisigen Kellerklang in sonnig-hellen Synthpop. An der Grunddynamik der stampfenden Beats hat sich wenig geändert, nur haben Lust For Youth Dumpfheit, Rauschen und Sägezahnkanten ihres Sounds abgerundet und aufgeklart, die Vocals sind poppig-voranstehend abgemischt, weiches Gitarrengeplänkel und lebhafte Claps erwärmen die Klangpalette. Neben den klassischen Verdächtigen (New Order, Erasure) zeigt der neue Ansatz auf „International“ nicht wenig Verwandschaft zum Pop der Göteborger Szene, insbesondere „Running“ klingt mit Engelshauchen und Glöckchenbimmeln, als hätten The Tough Alliance nach der Gothclub-Party am Vorabend noch nicht die letzten Kajalreste abgewischt. Songs wie dieser oder „Armida“, mit zögerlichen Schritten Richtung Young Galaxy, sind jedoch rhythmisch noch zu robotisch, als dass ihre Popumarmung gänzlich überzeugend ausfiele. Mit unglücklicher Trackanordnung geht dem Albumfluss zur Mitte die Luft aus, dafür wird „Lungomare“ über italienischen Gastvocals zur sanften Mittelmeerbrise, anderswo machen französische Filmsamples den Albumtitel spürbarer. Der Ansatz ist vielversprechend, nur bleibt es zu oft eben dabei.


