Ricardo TobarTreillis

Ricardo Tobar steht für einen von Melancholie durchzogenen Ansatz im Techno, der klangästhetisch eine Nähe zu Shoegaze oder dem was man mal Indietronic genannt hat nie verleugnen konnte. Mit diesem Konzept passten seine ersten Veröffentlichungen hervorragend auf Labels wie Border Community oder Traum Schallplatten, aber Tobars Debütalbum „Treillis“ und sein Konzept, das sich seit den Anfangstagen kaum verändert hat, haben es 2013 schwer. Verstolperte Beats, modulierte, mäandernde und zerschnittene Soundscapes, die Höhepunkte durch Lautstärke oder Noise setzen, sind nicht mehr so unerhört wie noch 2007. Zudem liegt die Richtschnur nach den Veröffentlichungen des ähnlich ansetzenden Jon Hopkins und von Tobars Ex-Labelboss James Holden sehr hoch. Tobar bleibt, man muss es leider sagen, hinter beiden zurück – nicht dass „Treillis“ wirklich schlecht wäre, nur reicht es nicht zum ganz großen Wurf. Dafür spielt Tobar seine Stärken und Alleinstellungsmerkmale, das traumwandlerische oder rockende Element, nicht konsequent genug aus. Wenn sie dann doch einmal aufscheinen, wie in „Otte’s Denial“ oder „Mirror“, hat man doch irgendwann im Verlauf des Tracks das Gefühl, er traue sich nicht, eine innere Grenze zu überspringen oder ihm würden die Ideen ausgehen. Schade, wobei zum Beispiel das erwähnte „Mirror“ im Kontext eines DJ-Sets sicher funktionieren. Und wenn Tobar in „Le Quartier Du Quatrieme“ den längst vergessenen Kadaver Big Beat reanimiert und den so geschaffenen Wiedergänger auf die Tanzfläche zerrt, macht das schon richtig Spaß!!

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