
Danyel Gérard: „Butterfly“, Mai – August 1971
Lässt sich von Danyel Gérards größtem Hit „Butterfly“ etwas sagen, das über Offensichtliches hinausgeht?
Da ist Triumph in seinen Augen: Gérard mit ekstatischen Schlagerfans.
„Bah-der-fleih, mei bah-der-fleih“ – er singt es nicht wortwörtlich, aber wir hören es, hören auch das Klatschen und wissen, was von diesem Schlager zu halten ist. Sicher begeisterten sich einige Menschen für solche Lieder, wie sollte es bei einer #1 auch anders sein? Sogar manche Nachgeborenen werden ihn gegenwärtig so mögen, wie ihn einst viele Millionen Käufer mochten. Es gilt dabei: Dass jemand an etwas Gefallen findet, dagegen kann man nichts sagen. Gegen das, woran dieser Mensch Gefallen findet, schon.
„Auf dem Feld blühte weiß der Jasmin“, ja, warum denn nicht gar ein Feld exotischen Jasmins? Der Mensch Gérard war ja kein Bundesbürger, sondern ein für damalige Verhältnisse und eingedenk der lang gelehrten rassischen Dummheiten mittelgroßes feuriges Mysterium: „Gérard wurde als Sohn eines Armeniers und einer Italienerin in Paris geboren, wuchs aber überwiegend in Rio de Janeiro auf.“ (Wikipedia). Da blüht dann der asiatische beziehungsweise welsche Jasmin umso zauberischer, wird ein Wort auf Englisch gesungen, und alles prickelt. Vielleicht auch, weil es dennoch bis auf den Bart an Roy Black (auch Gérard war einst Rock’n’Roller) und andere Klassiker der handwerklich hochwertigen Schnulze aus den 1950ern und 1960ern erinnert. Es kitzelt ein Wind aus der Ferne, und auf ihm fliegt der Schmetterling den Herzen zu, auf sie, mit nicht etwa Gebrüll, sondern Musik. „Jedes Wort von Dir klang wie Musik“, selbstverständlich!
„ (…) Eine Welt voller Poesie, die Zeit blieb für uns steh’n
doch der Abschied kam, ich musste geh’n (…)
Es ist still, nur der Wind singt sein Lied
und ich seh wie ein Vogel dort zieht
er fliegt hoch, hoch über’m Meer ins Sonnenlicht hinein
gerne möcht‘ ich sein Begleiter sein“,
wer da nicht versucht ist, im Takt zu klatschen, weiß zu seinem Glück nichts vom drögen, aber verbindlichen Zauber des Ewiggleichen.
Doch halt! Wir wollen nun nichts weiter von dem sagen, was eh jeder, der Ohren zum Hören hat, feststellen kann. Das würde mich nämlich an eine Plumpheit erinnern, wie sie mir vor bald zehn Jahren in Form der Poetry Slams begegnete. Obwohl ich nicht beweisen kann, dass es dabei noch immer schlimm zugeht, erinnere ich mich an genug Schlechtes, um auf den Nachweis der fortbestehenden Scheußlichkeit nur zu gerne zu verzichten.
Deshalb: Ja, „Butterfly“ war und ist fürchterlich und sein Autor tat gut daran, einen Großteil seiner Karriere lang von den Tantiemen dieses immensen Erfolges zu zehren und nur hin und wieder relative Merkwürdigkeiten wie „Sexologie“ oder„Ti-laï-laï-laï“ zu veröffentlichen.
„Ja, die Zeit, die blieb stehen“: Sie wird halt erschrocken sein.
Mehr aber möchte ich dazu heute nicht schreiben, es ist ein Schlager, wie es schon viele in dieser Reihe gab. Über solche habe ich mich an anderer Stelle ausführlicher aufgeregt, werde es demnächst gewiss wieder tun und entlasse deshalb Euch und mich lieber in einen möglichst sonnigen Sonntag.