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Review: Wavves – Wavvves (2009)

wavvesNoch immer sind die Wellen der letztjährigen Lo-Fi-Noise-Punk-Bewegung um No Age  nicht verebbt. Weiterhin stehen uns in rekordverdächtig kurzen Abständen zahlreiche, mal mehr und mal weniger talentierte neue Bands ins Haus, die gern unter dem Deckmantel des Do-It-Yourself-Prinzips scheinbar schlecht aufgenommene und völlig übersteuerte Platten auf den Markt werfen und ihre Musik als Ventil benutzen, um ihren geballten Unmut auszudrücken, der  größten Teilen der Jugend aus den Pre-Obama-Zeiten aus der Seele spricht. Nur mag noch keiner so ganz glauben, dass sich jetzt  alle Probleme in Luft auflösen. Vielleicht fühlen sich einige in der neu gewonnenen Gemeinschaft aber auch einfach zu pudelwohl, als dass sie ihre Anti-Haltung aufgeben möchten…

Der 22-jährige Nathan Daniel William passt so sehr in diese Szene, dass man annehmen könnte –  ja, fast müsste –  er sei in feinster Handarbeit dafür zurechtgeschnitzt worden. Der Kopf hinter den Wavves kommt, oh Wunder, aus Kalifornien und ist natürlich, wie sich das nunmal gehört, ein steter Gast in der Wunderbrutstätte und ewigem Mysterium „The Smell“. Doch selbst hartnäckigste Gegner der derzeitigen Bewegung, die immer wieder gerne die These aufstellen, der Lärm sei nur dazu da, von den nicht vorhandenen Melodien abzulenken, müssen diesem jungen Mann zugestehen, dass er verdammt nochmal Songs schreiben kann und trotz der auf den ersten Blick auffallenden musikalischen Ähnlichkeit zu Bands wie Times New Viking, Jay Reatard oder eben No Age doch bei genauerer Betrachtung den Raum nutzt, seine unverkennbar eigene Identität aufzubauen. Nach dem letztjährigen gleichnamigen Album ist „Wavvves“ (ja, jetzt sogar mit dreifachem „v“) die erhoffte Weiterentwicklung, die sich mit der Vorab-Single „Bored“ auch schon angedeutet hat.

Ein fast schon verspielt psychedelischer Song mit dem passenden Titel „Rainbow Everywhere“  läutet die Platte ein, die dann in dem darauffolgenden „Sun Opens My Eyes“ und seinem treibenden Rhythmus langsam an Fahrt aufnimmt und mit „Get In The Sun“ (der Himmel scheint es ihm wirklich angetan zu haben!) den ersten richtigen Hit bereithält, der live mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine absolute Bank ist.  Gekonnt wird auf „Jetplane“ (Jaja, der Himmel!) das Tempo gedrosselt, um „No Hope Kids“, einer wahrhaft gelungenen Hymne, den nötigen Platz zu lassen. Dann allerdings verzetteln sich die Wavves kurzfristig, des vor Langeweile strotzenden „More Fur“ hätte es wirklich nicht bedurft. Aber das wissen sie ja längst selbst, wie sie wenig später eingestehen: „I´m so bored!“ In genau diesem Abschnitt gelangt „Wavvves“ an seinen Höhepunkt. Dem Überhit „Bored“ folgt mit „Summer Goth 2“ eine ähnliche spektakuläre Abfahrt. Mit diesen beiden Songs ist eigentlich alles gesagt.

Da sei es Nathan Daniel William und seinen Weggefährten auch gern verziehen, dass die Platte  gegen Ende ein klein wenig an Raffinesse verliert, ohne aber auch nur in die Nähe des Bedeutungslosen zu rutschen. Kurz vor Toreschluss lassen die Wavves dann, selbstverständlich nicht ohne  freches Grinsen im Gesicht, das Werk in einem einzigen Hagel von Lärm- und Störgeräuschen vollends vor die Wand fahren, so dass der Eindruck geballter Wut regelrecht physisch zu spüren ist. Wenn die frustrierte und zornige Jugendszene in den Staaten weiterhin solch tolle Bands wie die Wavves hervorbringt, hätten wir doch schonmal einen triftigen Grund, warum unter Obama eben doch nicht alles besser werden soll.

7.7 / 10

Label: Fat Possum

Referenzen: No Age, Times New Viking, Jay Reatard, Mika Miko, Abe Vigoda, HEALTH, The Mae Shi

Spieldauer: 29:45

Links: MySpace, Fat Possum

VÖ: 17.03.2009

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