BurialTruant

Viel ist schon geschrieben worden über das Antriggern von Erinnerungen, welches Burial in seinen Tracks immer wieder auf einzigartige Weise betreibt. Auch „Truant“ macht hier keine Ausnahme: Der Beat evoziert klassischen Two Step (ca. 2000/2001), verweist aber auch noch weiter zurück auf Roy Davis Jr., dessen „Gabrielle (Live Garage Mix)“ von 1996 einen der Patentracks für UK-Garage/Two Step darstellt.

Die gechoppten Vocals, der enorme Sinussubbass, welcher nicht auf Teufel komm raus verzerrt ist, sondern geradezu pur erscheint und die Synthie-Figur, die im späteren Verlauf hinzukommt, verweisen auf das britische Bassmusik-Kontinuum aus Dub, Happy Hardcore, Jungle und Drum’n’Bass. Und wenn das Frauenvocal „I Fell In Love With You“ intoniert, so kann dies durchaus als Liebeserklärung an eben jene Musik, ihre Entstehung, ihre Protagonisten und natürlich ihre Fans verstanden werden. Burial wäre aber wohl nicht Burial wenn er uns all das in einem smoothen Track präsentieren würde. Nein, er baut immer wieder abrupte Brüche ein und am Ende weht sogar tatsächlich so etwas wie das Déjà-vu von „Kindred“ in Fast Forward durch den Raum.

Mit minimalem Vorlauf veröffentlichte Burial die beiden, insgesamt 25 Minuten langen Stücke abermals auf seiner Labelheimat Hyperdub und zeigte sich damit zumindest in dieser Hinsicht als unberechenbar. Hat er uns kurz vor Jahresende schon sein zweites absolutes Meisterstück 2012 beschert?
Wunderbarer Titeltrack, der mich tatsächlich in einigen Momenten, wenn er “Geschichte” hörbar macht, sentimental werden lässt. „Rough Sleeper“ funktioniert auf eine ähnliche Weise, montiert aber disparatere Trackteile zu einem Ganzen zusammen. Diese Herangehensweise, hier kommt der Tracktitel ins Spiel, ist tatsächlich der des Träumenden nicht ganz unähnlich. (Mark-Oliver Schröder)

Es knistert und pult sich den Dreck von zwanzig Jahren UK-Bassmusik aus den Rillen. Burials neuer Doppelschlag sind eigentlich zehn Einzelsongs, die mit digitalem Kleber aneinandergeheftet wurden. Das nervt. Ansonsten kriegt man hier Burial-Routinenmusik, ohne wirkliche Neuerungen und Highlights – von den pseudoironischen Prodigy-Referenzen einmal abgesehen. Was jedoch die klappernden Atmosphären und die dämmernden Clubsounds angeht, kann ihm natürlich weiterhin niemand das digitale Wasser reichen. (Markus Wiludda)

Nach der meisterlichen Langform-Komposition „Kindred“s übt sich der Geist in der Maschine im Fragmentarischen: Mal lässt er seine Musik den Atem anhaltend aussetzen, mal würgt er sie komplett ab. Während „Truant“ dabei wirken kann, als hätte irgendwer eine Sammlung von Skizzen durch einen automatisierten Burial-Beatmacher und -Effektfilter gejagt, ist die B-Seite „Rough Sleeper“ rhythmisch origineller und nutzt ihre weniger abrupten Spurwechsel dazu, einen zunehmend mitreißenden Gesamteffekt zu entfalten. (Uli Eulenbruch)

Label: Hyperdub

Referenzen: Kode9, Andy Stott, Actress, Four Tet, Boards Of Canada

Links: Hyperdub | Audio-Clips

VÖ: 14.12.2012

Ein Kommentar zu “Burial – Truant”

  1. […] aufzuhören haben, bricht diese teilweise auf – dieser Ansatz fand sich zuletzt auch bei „Truant“ von Burial. Das geht teilweise gut, manchmal wirkt es allerdings befremdlich. So erscheint das […]

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