Four TetPink

Kieran Hebden alias Four Tet ist seit 1997 auf verschiedenen Gebieten der elektronischen Musik unterwegs. Nachdem sich zuletzt sein 2010er Album „There Is Love In You“ in so einigen Bestenlisten fand – auch hier bei uns auf Platz 2 der Jahresendcharts – bescherte er 2011 seinem eigenen Label Text Records, das schon seit 2001 besteht, die größte Veröffentlichungswelle seit dessen Gründung.

Zumeist erschienen dort in sehr begrenzter Auflage 12″-White-Labels seiner Eigenkreationen und seiner Kollaborationen mit Burial oder Thom Yorke, die in Windeseile vergriffen waren. Sein neuer Longplayer „Pink“ ist strenggenommen gar kein Album, sondern eine Compilation seiner Solo-Veröffentlichungen auf Text und stellt diese damit auch Nicht-Vinyl-Sammlern erstmals zur Verfügung.

Und das muss entschieden als Glücksfall bezeichnet werden, denn auch am Stück gehört geht „Pink“ weit über die Anmutung einer reinen Tracksammlung hinaus. Dazu trägt sicherlich auch Hebdens Verständnis von Techno und House bei, er wildert in und integriert Bassmusik, Steve Reich und macht auch vor Ambient nicht halt. Hebden ist und bleibt einer der wichtigsten Vertreter der elektronischen Musik, das finden auch XLR8R, Sputnik Music und RA. Stimmt ihr in die Lobgesänge ein?

Dass die Kollaborationen hier nicht dabei sind, ist zwar schade, so verwehrt einem „Pink“ eine umfassendere Werkschau Hebdens. Dass er den Schritt der digitalen Veröffentlichung überhaupt geht, kann ihm dessen ungeachtet nicht hoch genug angerechnet werden. Auch außerhalb von Vinylzirkeln und Clubs gelangt so seine Musik, die über ihre ursprüngliche Funktion als DJ-Tool hinaus im stillen Kämmerlein ebenfalls richtig Spaß macht. Zudem gibt es obendrauf noch zwei Exklusivtracks, den oldschooligen MDMA-Schieber „Lion“ und das Ambientmonster „Peace For Earth“. (Mark-Oliver Schröder)

Ähnlich wie die erstklassige Raritäten-Compilation von John Maus überzeugt auch Four Tet auf „Pink“ mit einem Sammelsurium an Singles – wenngleich diese Songs im direkten Vergleich einem viel kürzeren Zeitraum entstammen. Das entfernt an die Zusammenarbeit mit Burial erinnernde „Ocoras“ oder der unnachahmlich pumpende Eröffnungstrack „Locked“ unterstreichen Four Tets Einzigartigkeit – Höhepunkt ist der jazzige Acht-Minüter „Pinnacles“. (Pascal Weiß)

Auch mit fußgezielten Beats zeigt sich der Meister der Plink-Plonk-Tronica überwiegend in souveräner Stimmschnippelform, selbst wenn manche der Stücke („Pyramid“ und „Lion“) keine sichere Linie finden. Etwas größer ist das Manko, dass im Gegensatz zu beispielsweise Panda Bears ähnlichem Veröffentlichungsschema die Singles nicht so überarbeitet wurden, dass sie zu einem tiefer gehenden Albumerlebnis führen. So bleibt „Pink“ letztlich „nur“ die sehr gute Compilation eines atmosphärisch inventiven Unikats. (Uli Eulenbruch)

Label: Text

Referenzen: Daphni, Gold Panda, Tangerine Dream, Steve Reich, Burial

Links: Homepage | Facebook

VÖ: 20.08.2012

Diskutiert doch mit uns. Ihr könnt euch völlig kostenfrei und inzwischen auch ohne Facebook-Login bei Spotify registrieren und das Album in voller Länge anhören.

6 Kommentare zu “Four Tet – Pink”

  1. Ich würde Uli zustimmen. Als Album funktioniert’s trotz teilweise großartiger Einzeltracks nicht so wirklich.

  2. Pascal Weiß sagt:

    Absolut. Der Fokus liegt hier nicht auf dem Gesamtwerk an sich, sondern eindeutig auf den einzelnen Songs. Die dafür – zumindest teilweise – sogar mit den stärksten Songs auf „Rounds“ konkurrieren können.

  3. Dominik sagt:

    So siehts mal aus Pascal. Ich finde die Platte göttlich! Hör ich die letzten Wochen rauf und runter. Wie gut sind den bitte „Pyramid“ und „Pinnacles“? Wahnsinn!

  4. Lennart sagt:

    Bei Four Tet bin ich mittlerweile zu keiner Sachlichkeit mehr fähig. Damit ich etwas nicht bejubele, müsste es schon offensichtlich scheußlich sein. Alles andere wird von mir bedingungslos beklatscht. Also: großartig!

  5. Mark-Oliver Schröder sagt:

    Ich möchte hier Uli widersprechen. Für mich ist „Lion“ in seiner verschwurbelten Art einer DER Tracks auf „Pink“.

  6. […] bei Four Tets „Pink“ handelt es sich folglich auch bei „JIAOLONG“ um eine Compilation und nicht um ein […]

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum