Ausnahmemusiker und Pop-Philosoph John Maus mag es düster und dramatisch. Aber gelegentlich kann er auch anders, wie uns diese Retrospektive seines Schaffens von 1999 bis 2010 zeigt.

Der Titel der Scheibe ist vielleicht ein bisschen unglücklich gewählt im Angesicht der Tatsache, dass nur zwei der sechzehn Stücke tatsächlich unveröffentlicht sind. Der Rest ist schon auf diversen Compilations erschienen oder wurde im offiziellen Online-Forum den Fans zugänglich gemacht. Da jedoch die Anhängerschar mit dem Erscheinen seines, von den Kritikern überwiegend gelobten, dritten Longplayers „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“ sicherlich um einiges gewachsen sein dürfte und wohl nicht jeder im Mausspace aktiv ist, erscheint die gesammelte Veröffentlichung gerechtfertigt.

Die nicht chronologisch angeordneten Songs zeugen allesamt von Maus‘ einmaligem und unter Tausenden wiedererkennbarem Sound. Die choralen Synths und sein Baritongesang sind seine Markenzeichen, die auch bei Songs wie „Castles In The Grave“ oder „North Star“ maßgebend sind. Jedoch weisen gerade die älteren Werke auf dieser Zusammenstellung auch andere Qualitäten auf, ohne die Unverkennbarkeit von John Maus aufzugeben.

Es wird ein „Mental Breakdown“ vertont, als würde man Joy Division in einem Fiebertraum hören. In mittlerem Tempo, zu treibenden Bassläufen, hallt Maus‘ Stimme über verzerrte Synth-Teppiche: „What the fuck is going on in my mind?“. Man kann es nicht einmal erahnen. Diese Post-Punk-Attitüde blitzt jedoch nicht all zu oft auf, dafür gibt es eine Handvoll potenzielle Ohrwurm-Nummern, die man dank der eingängigen Beats, Keyboardmelodien und Gesangslinien nicht mehr so schnell abschütteln kann. Es handelt sich eben doch um Pop, auch wenn einem dies nicht immer so schnell auffallen mag wie bei „Bennington“, einem der hitträchtigsten Stücke des Albums.

Obwohl oft Jahre zwischen den Aufnahmen liegen, ist das Schema, nach dem die Musik gestrickt ist, meist identisch, dennoch ausgefallen und einzigartig. Lediglich bei „Fish With Broken Dreams“, dem 1999 aufgenommenen „Oldie“ der Platte, werden ganz andere Töne angeschlagen wenn heller Gesang und nahezu psychedelische Klänge John Maus in einem anderen Licht zeigen. Auch der letzte Song des Albums tanzt aus der Reihe: In den ersten Sekunden fast als Alphaville-Cover wahrgenommen, entsteht in „I Don’t Eat Human Beings“ mit ähnlich sphärischem Sound ein passender Ausklang.

Bei diesem Künstler hätten sicherlich viele eine Raritätensammlung mit fast unhörbarem Material erwartet. Doch „A Collection Of …“ zeigt sich durchaus sorgfältig ausgewählt, mit großartigen Werken und erfreulich wenigen Ausfällen.

71

Label: Ribbon Music / Domino

Referenzen: Ariel Pink’s Haunted Graffiti, Gary War, Geneva Jacuzzi, Molly Nilsson

Links: Homepage | Facebook | Albumstream

VÖ: 16.07.2012

Ein Kommentar zu “John Maus – A Collection Of Rarities And Previously Unreleased Material”

  1. […] wie die erstklassige Raritäten-Compilation von John Maus überzeugt auch Four Tet auf „Pink“ mit einem Sammelsurium an Singles – wenngleich diese […]

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