Plattenkritiken


Rezension: Nina Nastasia – Outlaster

Rezension: Nina Nastasia - Outlaster

Dass Nina Nastasia mittlerweile von Hollywood nach New York gezogen ist, rückt das Bild, das man als beständiger Hörer und Bewunderer ihrer Lieder bekommen haben mag, ein wenig gerader. Denn nichts läge den oft spröden und meist freudlosen Kompositionen dieser Frau ferner, als der Gedanke an Palmen, Prachtboulevards und rote Teppiche.

Vielmehr durchweht die Songs, die sie seit mittlerweile zehn Jahren und sechs Alben immer wieder in Zusammenarbeit mit dem Meister des intensiven Minimalismus, Steve Albini, einspielt, eine mysteriöse, mal zurückgenommene und dann wieder aufgewühlte gespenstische Aura, die mit dem horrorfilmplakatverdächtigen Cover ihres neuesten Werks "Outlaster" nahezu perfekt eingefangen wird.

Hier bekommt Nastasias Markenzeichen, die düstere Kargheit verbunden mit einer wenig aufdringlichen aber dennoch ziemlich beeindruckenden Stimme nun zum ersten mal eine beinahe kammermusikalische Note von Opulenz. Statt des zuletzt auf "You Follow Me" kompromisslos gegen den geraden Songfluss antrommelnden Jim White sorgt dieses Mal ein kleines Orchester für die musikalischen Abgründe, die den zehn versammelten  immer tragischen Storys die nötige Fallhöhe verleihen. Wer da an Van Dyke Parks Arrangements für Joanna Newsoms "Ys" denkt liegt nicht so ganz falsch, auch wenn Nina Nastasias Lieder einen viel stärkeren Bezug zur harten Realität besitzen als Newsoms barocke Fabelwelten. Selbst Streicher können diese brüchigen Kompositionen nicht geschmeidig machen und dienen auf "Outlaster" eher dazu sich bedrohlich aufbäumende Kulissen zu erzeugen, die, so will es die Tragik dieser Lieder, in jedem Moment zusammenstürzen könnten. Dieses Album gleicht einer vefallenen, alten Villa oder einem Geisterschloss, das es gilt, nur mit dem Schein einer flackernden Kerze bewaffnet auf eigene Faust zu erkunden. An allen Stellen knarzt und scheppert es beängstigend. Staub in Form malträtierter Geigen wirbelt auf und man wird das Gefühl nicht los, von den diversen untoten Geistern dieser unglücklichen Geschichten und unerwiderten Lieben umzingelt zu sein.

Gerade in diesen schwülen Sommertagen macht es "Outlaster" einem damit nicht immer einfach, denn Nina Nastasia gönnt ihren Hörern kaum einen Moment der Versöhnung. "No, it’s not fair / why should it be fair" faßt sie das Leben in "A Kind Of Courage" auf die ihr ganz eigene Art zusammen, nur um später ein trotziges "like it or not" anzufügen. In dieser simplen und auswegslosen Sicht der Dinge offenbart sie eine Negativität und Kompromisslosigkeit, die sie unter anderem mit dem frühen Will Oldham oder auch Bill Callahan eint. Und auch wenn religiöse Motive wie in "You’re a Holy Man" gelegentlich anklingen ist ihre Musik niemals eine die auffängt oder Trost spendet. Man sollte also vorbereitet sein, wenn man sich auf "Outlaster" einlässt, denn es könnte sein, dass einem die Düsternis sowie die unangenehmen Wahrheiten, die hier verbreitet werden, noch lange zu schaffen machen. Versuchen sollte man es aber auf jeden Fall, denn auch das lernen einen die meisten Schauergeschichten: Die geheimnisvollsten, furchterregendsten und dunkelsten Spukschlösser bergen doch meistens die größten Schätze.

Wertung: 80

Label: FatCat (Roughtrade)

Referenzen: Cat Power, Joanna Newsom, Anni Rossi, Bonnie "Prince" Billie, Scout Niblett, Elliott Smith, Smog, Nick Drake

Links: Homepage, MySpace

: 11.06.2010

2 Kommentare zu “Rezension: Nina Nastasia – Outlaster”

  1. [...] – I See The Sign Josh Ritter – So Runs The World Away Anais Mitchell – Hadestown Nina Nastasia – Outlaster Hans Unstern – Kratz Dich [...]

  2. [...] ich vor nicht allzu langer Zeit über Nina Nastasia und ihr neuestes Album “Outlaster” geschrieben habe. Darauf bekommt ihre spröde Freudlosigkeit nämlich zum ersten Mal ein kleines Kammerorchester zur [...]

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