Von SparForeigner

Es war ein fast schon heimliches Highlight des letztjährigen c/o pop Festivals. Sonntagabends, als viele der auswärtigen Besucher schon wieder aus Köln abgereist waren, luden Von Spar das übrig gebliebene Publikum auf eine nicht nur klanglich beeindruckende Reise ein. Während die vier bis fünf Akteure (in einem weiteren Beispiel für neue Synergien in der Domstadt bestritt Popnoname den Anfangsteil mit) im teils von Maschine, teils von eigenen Tabakstengeln kreierten Nebel ackerten, spannten sich auf der Leinwand über ihnen warme, farbenfrohe Videomanipulationen auf, Bilder von exzessiv sonnengetränkten Stränden, Cyber-Pyramiden, atomkatastrophal riesigen Insekten oder dem Tunnelsymbol der Band, ebenso scheinbar zusammenhanglos und doch kohärent zusammengeführt wie die zahlreichen stilistischen Anknüpfungspunkte ihrer Musik.

Erfreulicherweise blieb dies nicht die einzige Gelegenheit um den aktuellen Stand der Entwicklung Von Spars zu erleben, denn zumindest der auditive Teil der Darbietung hat es – natürlich im Studio eingespielt – auf das Album „Foreigner“ geschafft. Darauf greift das Quartett in einer nahtlosen und dramaturgisch wohlabgestimmten Sequenz von überwiegend instrumentalen Fünf- bis Siebenminütern Stränge aus frühen Synthesizer-Hochzeiten auf, findet Anschlüsse an Kraut-Experimentierfreude, Disco und mehr, mit einer Achtlosigkeit gegenüber Coolness-Punkten wie sie in den vergangenen Jahren sonst vor allem skandinavische Künstler wie Lindstrøm, Prins Thomas oder Studio auf Labels wie Smalltown Supersound und Information an den Tag legten und für die Musiknerds nur allzu gerne blödsinnige neue Genrekomposita erfinden.

So klopft das hallende „Scotch & Chablis“ im Wechsel von raunendem, umnebeltem Chor und hymnischer Synthlinie verhalten bei Vangelis‘ „Antartica“ an, mit einem blinden Dartpfeilwurf auf den Wikipediaeintrag für „Elektronische Popmusik der 70er“ kann man bei „I Can’t Stand The Grain“ oder „Collecting Natural Antimatter“ auch kaum daneben liegen (kurzer Test: Jarre, Tangerine Dream – passt!). Derart arpeggiiert kletternde bis wirbelnde Melodien werden aber wie im letzteren Fall meist in ein Rhythmuskorsett geschnürt, das besonders im diszipliniert groovenden „trOOps“ in die Hüfte geht, und im unruhigen Finale „Daddy Longlegs“ gar kühl-technoide Züge annimmt und sich in „HyBoLT“ von entspanntem Pochen zu antreibendem Walzen intensiviert während der obere Teil des smoothen Gewands zunehmend ausfranst.

Was „Foreigner“ letztlich so faszinierend macht, ist aber nicht die Reichweite der vermischten Spielarten die Von Spar darauf demonstrieren, sondern diese enigmatische, bestimmte und doch mühelos wirkende Erhabenheit, die ihre Musik ausstrahlt. Die ist vielleicht noch weiter weg vom noisigen Doppelmonolith des zweiten Albums als jenes von alten Kopfsteinpflaster-Tagen war, und so hat die deutsche Ausnahmeband auch auf ihrem dritten Werk einen inhaltliche Kontinuitätshaltungen strafenden Neuanfang vollzogen. Die Wege Von Spars – unergründlich?

79

Label: Italic

Referenzen: Working For A Nuclear Free City, Studio, Can, Vangelis, Jonas Reinhardt

Links: Homepage, Label

VÖ: 28.05.2010

Ein Kommentar zu “Rezension: Von Spar – Foreigner”

  1. […] Kompaktheit und Aufgeräumtheit ist sicherlich auch der Arbeit des Von Spar-Schlagzeugers Jan Philipp Janzen zu verdanken, der das zweite Pttrns-Album aufgenommen und […]

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