PttrnsBody Pressure

Wenn der Pressetext zu einem Album auffällig häufig die Live- und Clubqualitäten der Band betont, hat das oft nichts Gutes für das Album zu bedeuten. Doch „Body Pressure“ von Pttrns überzeugt auch beim Hören auf dem heimischen Sofa. Das liegt nicht so sehr am theoretischen Überbau des Albums, sondern vor allem daran, dass die Kölner bei aller Tanzbarkeit die Songs nie aus den Augen verlieren.

Auch wenn es Pttrns dem Hörer nicht einfach machen und ihn gleich mit dem ersten Song wieder vom Sofa locken wollen. „Healing“ beginnt noch ganz harmlos mit atmosphärischen Sounds, bevor nach etwas mehr als einer Minute eine Four-To-The-Floor-Bassdrum einsetzt, die den Song nach weiteren drei Minuten auf die Tanzfläche zerrt und in einen House-Track inklusive Soulwax-Cowbells verwandelt. Doch bei den sieben übrigen Songs zeigen sich die vier bemüht, die Ergebnisse gemeinsamer Jams in kompakte Stücke zu verwandeln, die eher dem Format Popsong als Track zuzuordnen sind und an Bands wie Hot Chip, The Rapture oder WhoMadeWho erinnern.

Diese Kompaktheit und Aufgeräumtheit ist sicherlich auch der Arbeit des Von-Spar-Schlagzeugers Jan Philipp Janzen zu verdanken, der das zweite Pttrns-Album aufgenommen und produziert hat. Von dem kreativen Chaos, das die Band mit der Formel „everyone plays everything“ umschreibt, ist auf dem Album nichts mehr zu spüren – stattdessen wirkt hier alles bis ins Detail ausgefeilt. Die Formel drückt nicht nur aus, dass keinem der vier Mitglieder ein festes Instrument zuzuordnen ist, sondern auch, dass bei Konzerten das Publikum mit Instrumenten ausgestattet wird, um die Grenzen zwischen aktiven Künstlern und passiven Hörern zu verwischen.

Zwar erklären Pttrns das Wechseln der Instrumente mit ihren limitierten musikalischen Fähigkeiten und kokettieren mit punkartigem Dilettantismus, doch dahinter verbirgt sich vielmehr ein theoretischer Überbau, der sich auch in den Texten widerspiegelt. Diese handeln auf „Body Pressure“ von der Beziehung zwischen Identität, Intimität und sexueller Selbstbestimmung, mit der sich auch eine gleichnamige Performance des Konzeptkünstlers Bruce Nauman beschäftigt. Bei dieser Performance soll der Protagonist seinen Körper auf verschiedene Arten gegen eine Glasscheibe pressen, um sich seines eigenen Körpers bewusst zu werden. „This may become a very erotic exercise“, heißt es in den Anweisungen.

Bei der Performance von Nauman und der Musik auf „Body Patterns“ handelt es sich also um ein sehr körperliches Erlebnis, auch wenn der theoretische Überbau bei Pttrns deutlich stärker in den Hintergrund tritt als bei Nauman. Man muss beim Hören oder gar beim Tanzen nicht auf die Texte achten – und vermutlich werden die wenigsten das tun. Spürbarer wird dieses Konzept in der Musik auf „Body Pressure“, der die vier Kölner nicht nur alle Rockismen austreiben wollten, sondern bei der sie auch ein „Frau-Werden im Sound“ anstrebten, was sich nicht nur im androgynen Falsett-Gesang widerspiegelt.

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